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Steigende Renditen : Anleger verkaufen in großem Stil ihre Anleihen

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Eine Euro-Münze: Die Renditen für Anleihen steigen nicht nur im Euroraum. Bild: dpa

Nach den Aussagen von EZB-Präsident Draghi wird der Markt für Staatsanleihen abermals von einer Verkaufswelle überrollt. Die Renditen steigen deutlich.

          Der Markt für Staatsanleihen wird abermals von einer Verkaufswelle überrollt - nachdem sich Anleger bereits vor kurzem in großem Stil von Papieren getrennt hatten. Am Donnerstag fielen die Kurse auf der ganzen Welt weiter zurück. In Deutschland näherte sich der Zins für zehnjährige Bundesanleihen mit großen Schritten wieder der Marke von 1 Prozent. Erst Mitte April war er auf ein Rekordtief von 0,05 Prozent gefallen. Auch im übrigen Europa, in Asien und in den Vereinigten Staaten hielt der Rendite-Anstieg der vergangenen Tage an.

          Der sogenannte Euro-Bund-Future, der die Kursentwicklung von Bundeswertpapieren beschreibt, fiel am Vormittag um 0,92 Prozent auf 149,79 Punkte. Im Gegenzug stieg die Rendite der zehnjährigen Bundesanleihe, die sich gegensätzlich zum Kurswert bewegt, auf ein neues Jahreshoch: In der Spitze kletterte der Zins auf 0,99 Prozent.

          Die jüngste Episode folgt auf einen ersten Ausverkauf von Mitte April bis Anfang Mai. Damals war von einem „Anleihe-Crash“ die Rede. Vor allem Preisdaten aus dem Euroraum werden als Grund genannt.

          Im Mai war die Inflation in der Währungsunion erstmals seit einem halben Jahr wieder leicht gestiegen. Das bisher ultrabillige Geld der Notenbanken im aktuellen Zinstief gilt als wichtigster Schmierstoff für die Finanzmärkte. Der Präsident der Europäischen Zentralbank (EZB), Mario Draghi, verwies am Donnerstag nach der Ratssitzung mit Blick auf den Renditeschub bei Staatsanleihen auf geringere Sorgen vor einem weiteren Abrutschen der Teuerung und auf bessere Wachstumsaussichten für den Euroraum. Seit März nimmt die EZB zudem im Rahmen eines billionenschweren Kaufprogramms in erheblichem Umfang Staatsanleihen vom Markt.

          Draghi sagte zudem, dass sich die Märkte auf eine höhere Volatilität einstellen müssten. „Eine Lektion ist, dass wir uns an Perioden mit größeren Kursausschlägen („Volatilität“) gewöhnen müssen“, sagte Draghi. Damit zerstörte der EZB-Präsident die von nicht wenigen Marktteilnehmern geteilte Illusion, die EZB betreibe eine Art Feinsteuerung der Renditen für Anleihen, die einen deutlichen Anstieg von Renditen nicht erlaube. Draghi legte nach: „Auf einem sehr niedrigen Zinsniveau neigen Vermögenspreise zu einer hohen Volatilität. In der Frage, welche Bedeutung dies für die Ausrichtung unserer Geldpolitik haben könnte, war sich der Zentralbankrat in seiner Einschätzung einig: Wir sollten diese Entwicklungen geschehen lassen und an einer stetigen Ausrichtung der Geldpolitik festhalten.“

          Die Reaktionen am Anleihemarkt auf Draghis Äußerungen waren noch am Mittwoch erheblich, da sie vor allem viele kurzfristig ausgerichteten Anleger auf dem falschen Fuß erwischten. Sofort setzten starke Verkäufe von Anleihen ein, die erhebliche Kursverluste zur Folge hatten. Die Rendite zehnjähriger Bundesanleihen verzeichnete den größten Tagessprung seit der Einführung des Euro. Ein koreanischer Fondsmanager fasste die Stimmung zusammen: „Der Markt folgt der EZB. Bisher war der Markt der Auffassung, die EZB wünsche sinkende Anleiherenditen. Nun sieht der Markt, dass die EZB steigende Anleiherenditen toleriert.“

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