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Anlagestrategie : Garantiezertifikat selbst gemacht

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Absicherung selbst gemacht Bild:

Garantiefonds- und -zertifikate erwecken oft den Eindruck, kostenlose „Börsensicherheit“ zu liefern. Dem ist aber nicht so.

          2 Min.

          Wer langfristig eine gute Rendite erzielen möchte, der muss auf Aktien setzen - und zwar auf ein paar solide. Aber dafür sind nicht alle Anleger risikofreudig oder auch wagemutig genug. Sie wollen das Risiko vermeiden und sind dafür bereit, auf Ertrag zu verzichten. Sie investieren dann ganz gerne in festverzinsliche Wertpapiere, die sie einmal kaufen, um sie bis zum Verfall im Depot liegen zu lassen. Dabei kassieren sie jährlich den Kupon.

          Genau diese Anlegergruppe wird aber auch von Banken und Fondsgesellschaften gerne mit speziellen Produkten umworden. Nämlich Garantiezertifikaten, Garantiefonds oder ähnlichen Angeboten. Beide versprechen in der Regel, das eingesetzte Kapital ganz oder zumindest teilweise zu erhalten, ohne dabei vollständig auf eine vom Aktienmarkt abhängige Ertragsentwicklung zu verzichten. Nicht selten könnte der unbedarfte Anleger sogar den Eindruck gewinnen, beides sei gleichzeitig möglich. Ein finanzielles Schlaraffenland, gewissermaßen.

          Sicherheit gibt es nicht umsonst

          Dem ist allerdings nicht so. Denn an den Märkten gibt es nichts umsonst. Schon gar nicht eine Garantie gegen fallende Kurse. Ähnlich wie bei einer Autoversicherung gibt es den Versicherungsschutz nur gegen Zahlung einer Prämie. Und die kann zu ungünstigen Zeiten sogar ziemlich beträchtlich sein.

          Bild: FEM

          Viele denken bei der Absicherung eines Aktiendepots gegen fallende Notierungen in erster Linie an Verkaufsoptionen. Aber die Fondsmanager von Garantiefonds gehen teilweise einen anderen Weg. Sie verkleinern in turbulenten Zeiten den Anteil riskanter Aktien im Depot und kaufen für das freigesetzte Geld relativ sichere festverzinsliche Wertpapiere.

          Die „berühmte“ 90:10 - Regel ...

          Genau diesen Gedanken kann der Privatanleger aufgreifen und sein Depot alternativ aufbauen. Statt das Geld in Aktien zu investieren, setzt er von vorneherein vor allem auf Festverzinsliche. Und gewissermaßen als Clou geht ein kleiner Anteil in ein relativ aggressives Produkt, mit dem er auf steigende Kurse spekuliert.

          Hat er beispielsweise 11.000 Euro zur Verfügung, so könnte er etwa 90 Prozent oder 10.000 Euro in eine zehnjährige Bundesanleihe mit einem Kupon von fünf Prozent investieren und die restlichen 1.000 Euro in einen Kaufoptionsschein auf den Dax. Bleibt die Börse unverändert oder fällt sogar, dann hat er nach einem Jahr inklusive Kupon 10.395 Euro im Depot, hat also maximal fünf Prozent verloren. Die Kaufoption verfällt wertlos. Steigt jedoch der Index, so gewinnt die Kaufoption an Wert und vermehrt so sein Vermögen.

          ... an einem konkreten Beispiel

          Ausgehend von einem Indexstand im Dax von 5.265 Punkten haben wir das Beispiel einmal durchgerechnet. Wir kaufen für 10.000 Euro eine Anleihe der Bundesrepublik Deutschland mit einem Kupon von fünf Prozent, beispielsweise mit der WKN 113519, und für 1.000 Euro 145 Dax-Calls von Sal. Oppenheim mit der WKN 581996 zu je 6,9 Euro. Der Optionsschein hat einen Ausübungspreis von 5.300 Punkten und läuft bis zum 13. Juni 2003, also noch 428 Tage.

          Der maximale Verlust würde sich bei dieser Strategie auf diesen Zeitraum etwa vier Prozent belaufen, während nach oben die Gewinnmöglichkeit bei steigender Börse zumindest theoretisch offen wäre. Das Problem dabei: die Börse müsste etwas mehr als sechs Prozent zulegen, um in den Gewinn zu kommen. Und danach wäre die Performance leicht unterproportional.

          Genau diese beiden Faktoren aber - notwendiger Vorlauf der Börse und die Underperformance - sind die Kosten für den Versicherungsschutz nach unten. Dabei muss jeder selbst entscheiden, ob ihm der Schutz soviel wert ist.

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