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Kredite im Dezemberfieber : Deutsche beantragen vor Jahreswechsel Förderdarlehen

Der (hier winterlich verschneite) Solarpark in Peitz in Brandenburg wurde von der KfW mitfinanziert. Bild: dpa

Offenbar aus Furcht vor höheren Zinsen beantragen viele Deutsche noch schnell Förderkredite. 2017 sind mehr „grüne“ Anleihen geplant.

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          Es gibt zwei Dinge, bei denen geraten die Deutschen schnell in Panik“, sagt Günther Bräunig, Vorstandsmitglied der staatlichen Förderbank KfW. „Das eine ist die Inflation, und das andere sind die Zinsen.“ Im Augenblick meint die KfW, so etwas wie eine Dezember-Rally auf ihre Förderkredite feststellen zu können. Die Deutschen hätten offenkundig Angst davor, dass die Zinsen nicht länger so niedrig bleiben werden. Nicht völlig zu Unrecht, meinte die Bank am Montag bei ihrem jährlichen Kapitalmarktausblick. „Die Wohnungsbauzinsen haben ihr Tief wohl schon gesehen“, sagte Bräunig, „Baukredite auf zehn Jahre gibt es nicht länger für weniger als 1 Prozent.“ Zugleich habe die Regulierung der Wohnungskreditvergabe zu einem Rückgang der Baukredite an bestimmte Bevölkerungsgruppen geführt.

          Christian Siedenbiedel

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Die Bank rechnet für 2017 mit „leicht steigenden Zinsen in Euroland“ und einer „Versteilung“ der Zinskurve: „Die kurzfristigen Zinsen im Euroland bleiben unten“, sagte Bräunig. „Am langen Ende kann sich noch was bewegen.“ Insgesamt werde 2017 ein turbulentes Jahr an den Kapitalmärkten: Zahlreiche politische Großereignisse dürften 2017 für Bewegung an den Märkten sorgen. Nicht nur die Wahlen in den Niederlanden, Frankreich und Deutschland – auch die Wahl zum Politbüro in China zum Jahresende solle man in ihrer Bedeutung nicht unterschätzen.

          Schon in diesem Jahr seien die Kapitalmarktzinsen nach der Wahl von Donald Trump zum künftigen amerikanischen Präsidenten schließlich deutlich gestiegen. „Insgesamt setzt sich die Meinung durch, dass die neue Administration gut sein wird für die amerikanische Wirtschaft und dass man mit vielen unkonventionellen Lösungen rechnen kann“, sagte Bräunig. Im Gegensatz zu Europa, wo noch „sehr viel dichter Nebel“ liege, würden die Vereinigten Staaten die Weltwirtschaft im kommenden Jahr wieder als „Motor“ antreiben.

          Als wichtiger Emittent von relativ sicheren und liquiden Anleihen mit derzeit allerdings sehr niedrigen Zinsen will die KfW im nächsten Jahr ihre Kapitalmarktaktivitäten ausweiten. Geplant ist, Anleihen im Wert von etwa 75 Milliarden Euro auszugeben. In diesem Jahr hat die KfW mehr als 200 Anleihen aufgelegt und damit rund 72 Milliarden Euro erzielt. Der wichtigste Posten dabei waren Dollaranleihen (48 Prozent) vor Euroanleihen (36 Prozent), Anleihen in britischem Pfund (8 Prozent) und australischem Dollar (3 Prozent). Weder die Brexit-Entscheidung in Großbritannien im Juni noch die Wahl in den Vereinigten Staaten im November hätten dabei die Ausgabe von Anleihen in der entsprechenden Landeswährung kurz darauf negativ beeinflusst, berichtete Bräunig.

          „Unser Anspruch ist es dabei, dunkelgrüne Anleihen aufzulegen“

          Einen besonderen Schwerpunkt legt die KfW auf die Ausgabe von „Green Bonds“, sogenannten grünen Anleihen. „Der Markt ist in den letzten Jahren stark gewachsen“, sagte Bräunig. Die KfW habe in diesem Jahr solche Anleihen in einem Volumen von rund 2,8 Milliarden Euro aufgelegt, für das nächste Jahr seien 3 Milliarden Euro geplant. „Wir könnten auch Anleihen für 5 oder 6 Milliarden Euro am Markt plazieren, das würde dann aber auf den Preis gehen“, meinte der KfW-Vorstand. In aller Welt würden dieses Jahr zum ersten Mal grüne Anleihen für mehr als 65 Milliarden Euro ausgegeben.

          Das Volumen der ausstehenden Anleihen liege damit bei 129 Milliarden Euro, das seien etwa 0,1 Prozent des gesamten Marktes für festverzinsliche Wertpapiere, immer noch ein „zartes Pflänzchen“ also. „China hat sich jetzt auf diesen Markt draufgesetzt“, sagte Bräunig: 42 Prozent der Green Bonds kämen in diesem Jahr aus China. Frankreich, Schweden und Polen hätten auch Green Bonds aufgelegt. „Der Trend setzt sich auch bei den Staatsanleihen durch – zudem haben wir auch den ersten Pfandbrief im Green-Bond-Format gesehen.“ Auch Ratingagenturen und Wirtschaftsprüfer merkten, dass dies ein wichtiger Markt sei.

          „Unser Anspruch ist es dabei, dunkelgrüne Anleihen aufzulegen“, sagte der KfW-Vorstand. Man habe sich deshalb strenge Regeln gegeben, etwa hinsichtlich der Dokumentation der Mittelverwendung. Investiert werde das Geld aus den grünen Anleihen beispielsweise in das Förderkreditprogramm „Erneuerbare Energien Standard“, mit dem die KfW die alternative Energieerzeugung beispielsweise durch Solaranlagen fördert. Mit einer Million Euro investiertem Geld könne man dabei umgerechnet ungefähr denselben Beitrag für die Umwelt leisten, als wenn man das Fällen von rund 100.000 Bäumen verhindere, so hieß es.

          Die Geldpolitik der Europäischen Zentralbank (EZB) hat auf die Förderbank positive und negative Auswirkungen. So muss die Bank zum Teil selbst negative Zinsen zahlen, wenn sie Geld kurzfristig bei der EZB parkt oder in Pfandbriefen anlegt. Umgekehrt profitiert die Bank von den negativen Zinsen bei der Ausgabe eigener Anleihen. So hat sie beispielsweise in diesem Jahr eine Anleihe mit fünf Jahren Laufzeit aufgelegt, bei der die Rendite ab Emission von Anfang an negativ gewesen ist.

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