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Günstige Darlehen : Kredite zu Nullzinsen kommen in Mode

Mit günstigem Kredit den Traum vom Neuwagen erfüllen. Doch Vorsicht vor dem Kleingedruckten. Bild: dpa

Manche Kreditgeber wollen mit Nullzinsen neue Kunden locken – andere wollen ihr Geld billiger parken als bei der EZB. Vor einigen Angeboten warnen Verbraucherschützer.

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          Kredite zu null Prozent Zinsen im Jahr: Wer im Radio derzeit die Werbung der Internetplattform Check24 hört, freut sich vielleicht. Kommt die Nullzinspolitik von EZB-Präsident Mario Draghi jetzt in Form zinsloser Darlehen bei den Verbrauchern an – und nicht nur als Spareinlage ohne Zins? Gleich zwei Anbieter werben mit Krediten über 1000 Euro für 36 Monate mit 0 Prozent effektivem Jahreszins. Neben Check24, die mit der Santander Consumer Bank in Mönchengladbach zusammenarbeiten, gibt es diese Konditionen auch beim Internetportal Smava, das mit der Fidor Bank in München kooperiert.

          Christian Siedenbiedel

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Hinter beiden Angeboten stecken keine Betrüger, wie das bei Kredit-Schnäppchen sonst auch manchmal der Fall sein kann – sondern Unternehmen, denen es vor allem um einen Werbeeffekt für die Neukundengewinnung geht. Sie gehen ganz ähnlich vor wie einige Online-Banken, die für neue Kunden etwas höhere Tagesgeldzinsen anbieten. Dafür stellen die Institute jeweils ein begrenztes Werbebudget für die Zins-Subventionierung zur Verfügung.

          Ein ähnliches Angebot hatten beide Plattformen im vorigen Jahr schon einmal gemacht – allerdings nur für begrenzte Zeit. Eine „mittlere vierstellige Zahl“ von Leuten habe damals das Angebot genutzt, sagte ein Sprecher von Check24. Alexander Artopé, der Chef von Smava, berichtet gleichfalls, der „Kredit ohne Zins“ sei beim letzten Mal ein Erfolg gewesen – man gehe sogar davon aus, dass das Angebot in diesem Jahr einen noch größeren Anklang finde. Auch jetzt behalten die Kreditgeber sich allerdings eine durchaus selektive Bonitätsprüfung vor – wer die nicht besteht, bekommt keinen Kredit.

          Kredite haben nicht an Verbindlichkeit verloren

          Null-Prozent-Zinsen seien bei der Absatzfinanzierung etwa von Autos, Unterhaltungselektronik und Möbeln „seit langem gang und gäbe“, sagte ein Sprecher der Santander Consumer Bank. Auch bei Kreditkarten gebe es Varianten, bei denen in den ersten sechs Monaten keine Zinsen anfielen. „Wie im Vorjahr bieten wir diese Kondition nun für einen ausgewählten Betrag und eine ausgewählte Laufzeit auch über Check24 an.“ Kredite mit Negativzins aufzulegen sei hingegen für Santander „kein Thema“. Auch Smava-Chef Artopé hebt hervor: „Bislang haben wir nicht darüber nachgedacht, Kredite mit Negativzinsen anzubieten.“ Er meint, das könnte sonst vielleicht bei Kunden den falschen Eindruck erwecken, da werde einfach nur Geld verschenkt: „Ein Kredit bleibt trotz Negativzinsen eine ernstzunehmende Verbindlichkeit, die beglichen werden muss.“

          Interessant ist die Entwicklung beim Online-Broker Flatex gewesen. Das Unternehmen hat damit zu kämpfen, dass Kunden bei ihm hohe Cash-Beträge halten und nicht in Wertpapiere stecken, wie das eigentlich gedacht ist. Die Einlagen betragen rund 1,2 Milliarden Euro. Einen Teil muss das Unternehmen bei der EZB parken und dafür 0,4 Prozent Negativzinsen berappen. Eine Idee, das Geld besser zu verwenden, waren gleichfalls Null-Prozent-Kredite an die Kunden. Sie wurden vom vorigen Herbst bis zum Jahreswechsel als „Super, Mario!“-Angebot ausgegeben. Auf rund 100 Millionen Euro soll so das Kreditvolumen (einschließlich der zu normalen Zinsen von 3,9 Prozent ausgegebenen Kredite) angewachsen sein. Zudem führte das Unternehmen „Free Trades“ ein, gebührenfreie Handelstransaktionen, die man dazubekommt, wenn man einen – dann allerdings verzinsten – Kredit aufnimmt. Das alles reichte aber offenbar nicht, um das Negativzins-Problem zu lösen. Deshalb vermeldete Flatex am Donnerstag, wie berichtet, jetzt auf Kundeneinlagen selbst einen Negativzins von 0,4 Prozent zu erheben, und zwar vom ersten Euro an.

          Etwas vorsichtig solle man sein, wenn man irgendwo eine Null-Prozent-Finanzierung abschließt, raten die Verbraucherzentralen. Das sei „eine Verlockung mit Tücken“, warnt die Verbraucherzentrale Sachsen-Anhalt – meint damit aber vor allem die Warenfinanzierungen. Manchmal stehe im Kleingedruckten, dass es die günstigen Konditionen nur bei einer sehr guten Bonität gebe, und man zahle sonst höhere Zinsen. In anderen Fällen zahle der Kunde einen höheren Warenpreis als Ausgleich für die günstige Finanzierung; da helfe nur, Preise zu vergleichen. Und schließlich müsse man mit Restschuldversicherungen aufpassen, die Kunden oft bei günstigen Finanzierungen angedreht würden, ihrerseits aber teuer seien.

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