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Amerikanischer Kreditmarkt : Erhöhtes Ausfallrisiko bei 283 Unternehmen

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Bild: FAZ.NET

Die Kredit- und Wirtschaftskrise zeigt ihre Spuren. Die Rating-Agentur Moody's hat eine Liste 283 amerikanischer Unternehmen veröffentlicht, bei denen im Fall einer sich vertiefenden Rezession Zahlungsausfälle zu erwarten sind.

          Die Kredit- und Wirtschaftskrise zeigt immer tiefere Spuren. Die Rating-Agentur Moody's hat nun eine Liste 283 amerikanischer Unternehmen veröffentlicht, bei denen im Fall einer sich vertiefenden Rezession am ehesten Zahlungsausfälle zu erwarten sind. Die Liste enthält ein knappes Viertel der Firmen, deren Anleihen Moody's als spekulativ bewertet. Vor der Kreditkrise waren es lediglich neun Prozent.

          Spekulativ sind nach der Klassifikation von Moody's Anleihen, deren Bonität schlechter als mit Baa3 eingestuft ist. Die neue „Bottom-Rung“-Liste enthält nur Emittenten auf der „untersten Leitersprosse“. Das heißt nur solche, deren Bonität sechs Stufen unter Baa3, nämlich mit B3 oder schlechter bewertet ist, und für die überdies der Ausblick negativ ist oder vor der Überprüfung mit Aussicht auf eine Herabstufung stehen.

          Anzahl finanziell angeschlagener Unternehmen nimmt deutlich zu

          Die Anzahl der auf der Liste geführten Unternehmen hat sich in den vergangenen zwölf Monaten nahezu verdoppelt. Inzwischen befänden sich 23 Prozent der betrachteten Firmen auf der „kritischen Liste“. Im ersten Quartal des vergangenen Jahres waren es noch 12 Prozent und im Jahr 2007 sogar nur 9 Prozent gewesen. „Obwohl die Anzahl der spekulativen Unternehmen immer größer wird, steigt der Anteil der so genannten Bodensatzunternehmen gleichzeitig deutlich an,“ erklärte David Keisman von Moody's Investors Service.

          Die sich verschärfende Rezession erhöht das Ausfallrisiko für Anleihegläubiger. Anleger fordern daher höhere Renditen. Die Renditeaufschläge von Hochzinsanleihen weiteten sich in der vergangenen Woche laut Merrill Lynch um 127 Basispunkte aus. Das war der größte Anstieg seit November des vergangenen Jahres.

          Die Ausfallquote für Schuldverschreibungen bonitätsschwacher Unternehmen lag im Februar weltweit bei 5,2 Prozent. Die Rating-Agentur geht davon aus, dass die Quote bis Jahresende auf 14,8 Prozent steigen wird (vgl. auch Ausfallraten: Auf dem Weg zu neuen Rekorden). Die Quote der schwächsten Unternehmen der Gruppe könne sogar auf mehr als 45 Prozent steigen, hieß es weiter. Auf diese Weise zeige sich die Belastung, unter der die Kreditmärkte stünden und die Folgen der Wirtschaftskrise.

          Hohe Schulden oder starke Schwierigkeiten im operativen Geschäft

          Neu auf der so genannten Bottom-Rung-Liste sind unter anderem der Kasinobetreiber MGM Mirage, der Foto-Konzern Eastman Kodak und der Autozulieferer Lear. Die Firma MGM Mirage, der zehn Kasinos in Las Vegas gehören, hat Anleihen und Kredite über 15,1 Milliarden Dollar oder umgerechnet etwa 11,8 Milliarden Euro ausstehen. Davon werden in den kommenden drei Jahren knapp zehn Milliarden Dollar fällig. Die Kasino-Umsätze in Las Vegas sind im vergangenen Jahr stark eingebrochen, während die Marktkapitalisierung des Unternehmens an der Börse gerade noch 807 Millionen Dollar beträgt.

          Eastman Kodak hat zwar nur Verbindlichkeiten in Höhe von rund zwei Milliarden Dollar. Allerdings hat sich das einst profitable Filmgeschäft durch das Aufkommen digitaler Medien „in Luft aufgelöst“. Die Erlöse waren in den vergangenen Quartalen deutlich rückläufig. Auf der Ertragsseite ist das Unternehmen nach jahrelanger Stagnation in die roten Zahlen gerutscht. Spekulationen über Finanzprobleme seien allerdings haltlos, heißt es von dem Traditionsunternehmen, das 1880 vom Kamera-Pionier George Eastman gegründet wurde.

          Lear, der weltweit zweitgrößte Hersteller von Autositzen, hat Schulden in Höhe von 1,3 Milliarden Dollar. Das operative Geschäft des Unternehmens ist in den vergangenen Quartalen förmlich weggebrochen. Alleine im Januar wies das Unternehmen für das vierte Quartal einen Verlust von 688,2 Millionen Dollar aus. Bei einem Umsatz von 13,6 Milliarden Dollar im vergangenen Jahr beträgt die Marktkapitalisierung inzwischen gerade noch 33,2 Millionen Dollar. Die Aktie des Unternehmens hat seit ihrem Hoch im Januar des Jahres 2004 mehr als 99 Prozent ihres Wertes verloren. Das spricht für sich selbst - und zeigt die prekäre Lage des Unternehmens überdeutlich.

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