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Amerikanische Notenbank : Warten auf ein Signal der Fed

  • -Aktualisiert am

Federal-Reserve-Zentrale in Washington Bild: REUTERS

Die Währungshüter der Fed kommen am Dienstag und Mittwoch unter Führung ihres Vorsitzenden Ben Bernanke zu geldpolitischen Beratungen zusammen. Die Marktakteure rechnen mit einem Ende der Anleihekäufe im September. Ein geldpolitischer Kurswechsel wäre das aber noch nicht.

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          Die amerikanischen Währungshüter der Federal Reserve kommen an diesem Dienstag und Mittwoch unter Führung ihres Vorsitzenden Ben Bernanke zu geldpolitischen Beratungen zusammen. Seit der vergangenen Sitzung des Rates Ende Juni haben sich die Hinweise auf ein baldiges Ende der schweren Rezession verstärkt und den Aktienkursen zu deutlichen Kursgewinnen verholfen. Eine Änderung des Leitzinses, der seit Monaten zwischen 0 und 0,25 Prozent beträgt, steht zwar nicht auf der Tagesordnung; gleichwohl rechnen Beobachter der Fed an Wall Street mit einem Signal der Währungshüter zu den umfangreichen Anleiheprogrammen, die die Notenbank zur Ausweitung der Liquidität aufgelegt hat.

          "Die Stellungnahme des Rates wird optimistischer klingen und darauf verweisen, dass die Wirtschaft in der zweiten Jahreshälfte wachsen dürfte. Wir rechnen damit, dass die Fed ihr Programm zum Kauf lang laufender amerikanischer Staatsanleihen für bis zu 300 Milliarden Dollar wie geplant Mitte September auslaufen lassen und nicht aufstocken wird", sagt Dean Maki, Chefökonom von Barclays Capital. Die Rendite der maßgeblichen Staatsanleihe mit zehn Jahren Laufzeit wurde zu Wochenbeginn mit 3,85 Prozent berechnet, rund 130 Basispunkte höher als zur Auflegung des Programms Mitte März. Allerdings können sich die Marktakteure schon darauf einstellen, dass das Angebot an Anleihen des Finanzministeriums in Washington in den kommenden Monaten steigen wird. Finanzminister Tim Geithner sieht zwar keinen Grund, den Auktionskalender aufgrund des zusätzlichen Finanzierungsbedarfs zu ergänzen; doch er hat wissen lassen, dass das Auktionsvolumen vermutlich größer ausfallen wird. Die Fachleute von Barclays Capital rechnen damit, dass die durchschnittliche Laufzeit der Anleihen allmählich länger wird, also verhältnismäßig mehr Schuldtitel mit mittleren und längeren Laufzeiten auf den Markt kommen als solche mit kürzeren Fristen.

          Ian Shepherdson, Ökonom der unabhängigen Analysegesellschaft High Frequency Economics in New York, hält den Kauf zusätzlicher Staatsanleihen mit längeren Laufzeiten auch über Mitte September hinaus für dringend geboten. "Die Gefahr einer Deflation ist noch nicht gebannt", sagt Shepherdson und verweist auf die hohe Arbeitslosigkeit und fallende Löhne. "Es ist sehr schwierig, die Verschuldung zu verringern, wenn das Nominaleinkommen sinkt." Ausdrücklich lobt Shepherdson die Entscheidung der Bank von England, ihre Anleihekäufe aufzustocken, und rät Bernanke und seinen Kollegen, dem Beispiel zu folgen.

          "In einer Volkswirtschaft, die so hoch verschuldet ist, sind fallende Einkommen ein Warnsignal, das man nicht ignorieren sollte", warnt Shepherdson. Der Ökonom rechnet damit, dass die amerikanische Wirtschaft nach einem kurzen Impuls in den Sommermonaten im letzten Quartal des Jahres in die Stagnation zurückfallen wird. Den Leitzins sieht Shepherdson bis zum Ende seines Prognosehorizonts im Dezember 2010 unverändert auf 0 bis 0,25 Prozent.

          Ganz ähnlich sehen es auch die Ökonomen von Goldman Sachs. Eine Erhöhung des Leitzinses würden die Währungshüter erst dann in Erwägung ziehen, wenn die Arbeitslosenquote ihren zyklischen Höhepunkt erreicht habe oder kurz davor stehe, heißt es im aktuellen Wochenbericht für institutionelle Kunden. Den jüngsten Renditeanstieg wegen der verbesserten Konjunkturlage halten die Fachleute von Goldman Sachs für übertrieben: Die Rendite der zehnjährigen Anleihe werde in den kommenden Monaten wieder auf weniger als 3 Prozent fallen, sagen sie voraus. "Der Anstieg des Angebots von Staatsanleihen dürfte für die Rendite von geringerer Bedeutung sein, als viele Investoren meinen. Es ist nur die Kehrseite der niedrigeren Neuverschuldung privater Schuldner."

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