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Amerikanische Notenbank : Straffung der Geldpolitik ist noch fern

  • -Aktualisiert am

Ben Bernanke, Vorsitzender der amerikanischen Notenbank Bild: AFP

Unter den amerikanischen Währungshütern ist zwar die Zuversicht gewachsen, dass die Rezession nun bald überwunden ist, eine Straffung der Geldpolitik liegt aber noch ein gutes Stück in der Zukunft. Die amerikanische Notenbank Fed will den Leitzins noch geraume Zeit niedrig lassen.

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          Unter den amerikanischen Währungshütern ist zwar die Zuversicht gewachsen, dass die Rezession nun bald überwunden ist, eine Straffung der Geldpolitik liegt aber noch ein gutes Stück in der Zukunft. Vielmehr ist der geldpolitische Rat der Federal Reserve um den Vorsitzenden Ben Bernanke davon überzeugt, dass der Konjunkturaufschwung nur schleppend verlaufen wird und die Wirtschaft noch geraume Zeit auf niedrige Zinsen und reichlich Liquidität angewiesen ist.

          In dieser Weise haben Bankvolkswirte an Wall Street die Entscheidung der Fed vom Mittwoch gedeutet, den Leitzins unverändert zu lassen und den Kauf langfristiger amerikanischer Staatsanleihen etwas zu strecken und nicht schon Mitte September, sondern Ende Oktober abzuschließen. Insbesondere gaben Bernanke und seine Kollegen keinen Hinweis darauf, zu welchem Zeitpunkt sie beginnen wollen, sich von den Anleihen wieder zu trennen, um Liquidität abzuschöpfen.

          Druck auf die Kapitalmarktrenditen

          „Die Käufe der Anleihen werden sich verlangsamen, und zwar von bisher rund 12 Milliarden Dollar wöchentlich auf rund 4 Milliarden Dollar“, erläutert David Greenlaw von Morgan Stanley. Seit Auflegung des Programms Mitte März habe die Fed Anleihen des Finanzministeriums mit längeren Laufzeiten für zusammen rund 250 Milliarden Dollar gekauft, 300 Milliarden Dollar seien das Ziel. Greenlaw rechnet damit, dass die Fed aufgrund der besseren Konjunkturaussichten auch die beiden anderen Programme, den Kauf von forderungsbesicherten Anleihen und von Anleihen der staatlichen Immobilienfinanzierer Freddie Mac und Fannie Mae für zusammen 1,45 Billionen Dollar, auslaufen lassen wird.

          „Die Geschwindigkeit der Käufe hat sich schon verlangsamt. Ich erwarte, dass es beim angestrebten Volumen bleibt, dass aber auch diese Programme etwas gestreckt werden, vermutlich ins Frühjahr 2010 hinein.“ Nach Einschätzung von Greenlaw wird der Wegfall der Anleihekäufe durch die Fed Druck auf die Kapitalmarktrenditen ausüben. Die Rendite der maßgeblichen Staatsanleihe mit zehn Jahren Laufzeit wurde am Donnerstag mit rund 3,72 Prozent berechnet; das sind rund 120 Basispunkte mehr als Mitte März.

          Die Inflation im Zaum halten

          Für Harm Bandholz von der Unicredit-Group in New York kam die Entscheidung der Fed nicht überraschend: „Schon aus dem Protokoll der Sitzung vom Juni geht hervor, dass einige Währungshüter zunehmend besorgt sind über die Monetisierung der Staatsverschuldung.“ Bandholz hält die Entscheidung zum direkten Kauf von Staatsanleihen mit längeren Laufzeiten für einen Fehler. „Der Beschluss vom Mittwoch ist ein Signal an die Märkte, dass die Fed es ernst meint mit ihrem Versprechen, die Inflation im Zaum zu halten“, sagt der Ökonom.

          Erwartungen mancher Marktakteure, die Fed werde womöglich schon im März den Leitzins von seinem aktuellen Niveau zwischen 0 und 0,25 Prozent erhöhen, hält er für überzogen. Vor der zweiten Hälfte kommenden Jahres sei damit nicht zu rechnen. Ähnlich sieht es auch James Knightley von ING. Hinter dem Aufschwung stünden noch eine Reihe von Fragezeichen, und die Fed könne sich angesichts geringer Nominallohnsteigerungen Zeit lassen mit der geldpolitischen Straffung. „Die Fed wird die Zinsen nicht vor dem dritten Quartal 2010 anheben“, sagt Knightley voraus.

          Ed McKelvey von Goldman Sachs ist in der schriftlichen Begründung der Fed aufgefallen, dass sich die Einschätzung der Währungshüter zur Inflationsentwicklung trotz der Stabilisierung der Konjunktur nicht verändert hat. „Das legt den Schluss nahe, dass sie keinen Anlass für ein rasches Ende der geldpolitischen Unterstützung sehen“, meint der Bankökonom. McKelvey verweist auf die in der kommenden Woche zu veröffentlichende Umfrage unter Kreditsachbearbeitern in amerikanischen Banken. Sie werde wichtige Informationen darüber geben, ob die Kreditvergabe an Haushalte und Unternehmen wieder in Gang komme.

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