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Amerikanische Geldmarktfonds : Europas Banken kommen leichter an Dollar

  • -Aktualisiert am

Die Stützungsmaßnahmen der EZB haben gewirkt Bild: dpa

Nach einem kurzzeitigen Rückzug im März wegen Zyperns Bankenkrise gewinnen amerikanische Geldmarktfonds wieder Vertrauen in den Euroraum. Für europäische Banken spielen die amerikanischen Fonds eine wichtige Rolle.

          Amerikanische Geldmarktfonds haben nach einem kurzzeitigen Rückzug im März wegen Zyperns Bankenkrise ihre Engagements bei europäischen Banken zuletzt wieder erhöht. Wie aus einer Studie der Kreditbewertungsagentur Fitch hervorgeht, sind Anlagen der Fonds in kurzfristige Anleihen und andere Verbindlichkeiten von Banken aus dem Euroraum von März bis April um 14 Prozent gestiegen. Wertpapiere von Banken aus dem Euroraum machen derzeit 15,1 Prozent des von amerikanischen Geldmarktfonds verwalteten Vermögens aus. Am stärksten sind die Fonds bei der Schweizer Credit Suisse investiert, gefolgt von der französischen Société Générale und der Deutschen Bank. „Die Wiederaufnahme der Zuflüsse in den Euroraum legt nahe, dass der Rückgang im März eine Vorsichtsmaßnahme war, die die kurze Unsicherheit an den Märkten nach dem Zusammenbruch des zyprischen Bankensystems widerspiegelte“, heißt es in der Fitch-Studie.

          Norbert Kuls

          Freier Autor in der Wirtschaft.

          Insgesamt hat sich die Stimmung der Investoren seit den Stützungsmaßnahmen der Europäischen Zentralbank (EZB) im vergangenen Jahr verbessert. Seit Mitte des vergangenen Jahres haben sich die Engagements der Geldmarktfonds auf Dollarbasis nahezu verdoppelt, berichtet Fitch. Die EZB hatte damals Banken unter anderem günstiges Geld für eine Laufzeit von drei Jahren bereitgestellt, um die Auswirkungen der Staatschuldenkrise zu lindern. Amerikanische Geldmarktfonds hatten davor ihre Geschäfte mit europäischen Banken zurückgefahren. Die Fondsmanager fürchteten, dass die Kreditinstitute zu viele ausfallgefährdete Staatsanleihen in ihren Büchern hielten und deswegen in Schieflage geraten könnten.

          Nur halb so viele Engagements wie noch Ende Mai 2011

          Geldmarktfonds sind für Anleger eine Möglichkeit, ihr Geld flexibel zu parken. Die Fonds investieren in Staats- und Unternehmensanleihen mit geringer Restlaufzeit. Für europäische Banken spielen die amerikanischen Fonds eine wichtige Rolle, weil sich die Kreditinstitute bei ihnen kurzfristig Dollar leihen. Die Vorsicht der amerikanischen Geldmarktfonds und daraus resultierende Schwierigkeiten der Banken bei der Aufnahme von Dollar hatten 2011 zu einer konzertierten Aktion der Notenbanken geführt. Die amerikanische Fed hatte mit der EZB, der Bank von England, der Schweizerischen Nationalbank und der Bank von Japan Devisentauschgeschäfte vereinbart, damit sich europäische und japanische Banken unbegrenzt Dollar leihen konnten.

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          Trotz der jüngst wieder zunehmenden Geschäfte sind amerikanische Geldmarktfonds aber weiterhin nur weniger als halb so stark bei Banken des Euroraums engagiert wie noch Ende Mai 2011. Das liegt nach Ansicht von Fitch nicht nur an den Fonds, sondern auch an den Banken. „Angesichts der Schwankungen in der zweiten Hälfte des Jahres 2011, haben die Banken des Euroraums wahrscheinlich weniger Appetit auf diese Art von Finanzierung“, schreiben die Analysten. Dazu kommt möglicherweise ein geringerer Bedarf an Dollar, weil einige Banken ihre internationale Kreditvergabe eingeschränkt haben. Nach Angaben der Bank für Internationalen Zahlungsausgleich haben französische Banken ihre internationale Kreditvergabe von Mitte 2011 bis Ende 2012 um gut ein Viertel reduziert.

          Nur drei europäische Banken

          Die größten Engagements amerikanischer Geldmarktfonds - je 12 Prozent - entfallen auf Kanada und Japan. Die größten kanadischen Banken seien nach Einschätzung von Fitch an diversen Finanzierungsquellen interessiert, weil sie sowohl das Privatkunden- als auch das Kapitalmarktgeschäft in den Vereinigten Staaten ausbauen. Kanadas Banken waren in robuster Verfassung durch die Finanzkrise gekommen und nutzen dies nun für eine Expansion. Auch einige der großen japanischen Banken expandieren international, was ihren Bedarf an Dollar erklärt.

          Unter den 15 Banken, in deren Anleihen und Verbindlichkeiten amerikanische Geldmarktfonds aktuell am stärksten investiert sind, befinden sich neun australische, kanadische und japanische Adressen. Ende Mai 2011 standen noch zehn europäische Banken auf der Liste. Derzeit sind es nur noch die Credit Suisse, die Société Générale und die Deutsche Bank.

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