https://www.faz.net/-gv6-8z0yl

Fintech : Ein Freund mit 1,5-Milliarden-Dollar

Bewertung von Ausfallrisiken

Der große Investor schafft auch mehr Vertrauen in das noch junge Produkt Peer-2-Peer-Lending. Zwar wird seit einigen Jahren viel über Fintechs geredet – die Summen die über die Angebote der Finanz-Startups mit technischen Innovationen bewegt werden, sind verglichen mit denen im traditionellen Bankgeschäft aber noch winzig. Das könnte sich nun allerdings ändern. „Die Zusage von Aegon war sehr gut für uns. Sie hat auch mehr Privatanleger auf unsere Plattform gebracht“, sagt Johnen. Und auch traditionelle Kreditinstitute zeigten sich nun offener für Kooperationen. „Manche Banken müssen Kunden abweisen, weil sie nicht in ihre Kreditrisikobewertung passen“, sagt Johnen. „Wir sprechen aktuell mit einigen Banken, die diesen Kunden mit unserer Unterstützung einen Kredit anbieten werden. Wir spüren, dass deren Vertrauen in uns durch den Einstieg von Aegon gewachsen ist.“

Denn natürlich spielt die Frage nach der Sicherheit in einem so jungen Markt eine wesentliche Rolle. Entstanden sind Auxmoney und die übrigen Kreditplattformen schließlich allesamt in den vergangenen paar Jahren, die durch eine ungewöhnlich lange Phase guter Konjunktur gezeichnet waren. Was passiert, wenn die Wirtschaft sich eintrübt, die Arbeitslosigkeit wieder steigt und in der Folge mehr Kreditnehmer ausfallen? Und kann Auxmoney wirklich das Ausfallrisiko von Kreditnehmern bewerten, die bei traditionellen Banken von vornherein durchfallen?

„Es gibt nie eine hundertprozentige Sicherheit, dass nichts schiefgeht“

Der tiefe Blick, den die Fachleute von Aegon in die Modelle der Düsseldorfer werfen konnten, dürfte die Zweifel daran etwas eindämmen. „Wir haben Auxmoney gesagt: Wir investieren in das gesamte Portfolio, aber ihr müsst die Risiken im Griff haben“, sagt Rutten. Die Bundesbank kam in einer Untersuchung der neuen Kreditplattformen immerhin zu dem Schluss, dass sie eine gute Alternative bilden für viele Kreditnehmer, die als „unbankbar“ (unbankable) gelten; die also bei Banken von vornherein durchs Raster fallen. Neben dem Glühweinverkäufer nennt Auxmoney-Vorstand Wilder zum Beispiel auch Studenten, die ihr Auslandssemester finanzieren, Absolventen, die für ihre Bewerbungsgespräche ein Auto kaufen wollen, oder auch einfach Leute, die ihren Dispokredit zu einem günstigeren Zinssatz refinanzieren wollen. Es komme aber längst nicht jeder durch. „Die Mehrheit der Kreditanfragen wird abgelehnt“, betont Wilder.

Unser Angebot für Erstwähler
Unser Angebot für Erstwähler

Lesen Sie 6 Monate die digitalen Ausgaben von F.A.Z. PLUS und F.A.Z. Woche für nur 5 Euro im Monat

Zum Angebot

Für die Wächter der internationalen Finanzmärkte, den Finanzstabilitätsrat, gelten Kreditplattformen als Schattenbanken, in denen Bankgeschäfte außerhalb der streng regulierten Bankenwelt stattfindet. Der Rat stellte allerdings in seinem jüngsten Bericht auch klar, dass diese Aktivitäten nicht automatisch gefährlich und in vielen Fällen indirekt reguliert seien. Auch Auxmoney arbeitet mit klassischen und von der Bafin beaufsichtigten Banken zusammen, wenn es um das Geld der Kunden geht; um die investierten Gelder der Anleger anzunehmen, mit der BIW-Bank, für die Auszahlung der Kredite mit der SWK-Bank.

„Es gibt nie eine hundertprozentige Sicherheit, dass nichts schiefgeht“, sagt Aegon-Manager Rutten. „Die gibt es im traditionellen Bankgeschäft aber auch nicht.“ Durch das Engagement seines Konzerns stünde Auxmoney nun auch indirekt unter der Aufsicht der niederländischen Zentralbank. „Die Aufsicht schaut sehr genau auf dieses Investment. Sie wollen sehr viel darüber wissen, was in solchen Schattenbanken passiert“, sagt der Niederländer. „Aber offensichtlich haben sie uns nicht blockiert – sonst wären wir heute nicht hier.“

Weitere Themen

Topmeldungen

EU-Parlamentspräsident David Sassoli, Kommissions-Präsidentin Ursula von der Leyen und Portugals Premier Antonio Costa in Porto.

Impfstoff-Debatte : EU-Staaten sehen Bidens Patent-Vorstoß mit Skepsis

Bei einem Treffen in Porto sollen mehrere Staats- und Regierungschefs gemutmaßt haben, dass Washington mit dem Freigabe-Vorschlag vor allem vom dürftigen Impfstoff-Export der USA ablenken wolle. Auch die Bundeskanzlerin soll sich entschieden gegen die Aussetzung der Patente gewandt haben.

Newsletter

Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.