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Abertis : Anleihegläubiger gegen Aktienanleger

  • Aktualisiert am

Abertis-Zentrale in Barcelona Bild: AFP

Krisen bieten Anlegern auch Chancen. Allerdings nur, wenn auf der richtigen Seite stehen. Das zeigt sich am Beispiel von Abertis. „Buy-Out-Gerüchte“ beflügeln die Aktienkurse und bringen die Notierungen der Anleihen unter Druck.

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          Krisen bieten Anlegern vielfach auch Chancen. Allerdings nur, wenn sie zur richtigen Zeit am richtigen Ort auf der richtigen Seite stehen. Das zeigt sich am Beispiel der Gerüchte und Meldungen, die sich nun schon seit Tagen um eine mögliche Übernahme des spanischen Infrastrukturunternehmens Abertis ranken.

          Das spanische Unternehmen steht einem Bericht der Financial Times zufolge vor einer Komplettübernahme der bisherigen Mehrheitseigentümer. Die spanische Sparkasse La Caixa und der Baukonzern ACS, die bisher knapp 55 Prozent der Anteile halten, arbeiteten gemeinsam mit der Beteiligungsgesellschaft CVC an einem Gebot für die noch ausstehenden Anteile, meldet sie.

          Aktienkurse steigen - Anleihen verlieren deutlich an Wert

          Bei einem Übernahmeangebot würde das Unternehmen mit rund 12 Milliarden Euro bewertet. Die Offerte an die Minderheitsaktionäre würde dann bei rund 5,5 Milliarden Euro liegen. Einschließlich Schulden würde der Wert des Unternehmens mit dem Gebot auf mehr als 25 Milliarden Euro taxiert. Der Handel mit Abertis-Aktien wurde bereits am Montagnachmittag ausgesetzt, nachdem am Markt erste Spekulationen die Runde machten und den Kurs der Aktien um zwölf Prozent auf 13,56 Euro steigen ließen. Der Börsenwert lag damit bei rund zehn Milliarden Euro.

          Bild: FAZ.NET

          Am Dienstag wurden die Papiere im frühen Handel zunächst um weitere 6,2 Prozent teurer gehandelt. Der Börsenwert erreichte 10,5 Milliarden Euro, bevor der Kurs nachgab, nachdem El Confidencial berichtete, Banken hätten die Finanzierung des Geschäfts aufgrund der hohen Prämie verweigert.

          Schon am Montag hatte der Rentenmarkt verschnupft auf die Meldungen reagiert. Denn die ausstehenden Anleihen des Unternehmens mussten deutliche Kursverluste hinnehmen. Die bis in den Oktober des Jahres 2016 laufenden Papiere von Abertis Infraestructuras mit einem Kupon von 4 5/8 Prozent verloren knapp zwölf Prozent ihres Wertes auf zuletzt 90 Prozent des Nominalwertes. Die Rendite stieg von 4,2 auf 6,6 Prozent. Denn die Käufer würden die Übernahme mit einem acht Milliarden Euro schweren Konsortialkredit finanzieren, den die italienische Investmentbank Mediobanca organisieren würde, wie es weiter hieß.

          Hohe Verschuldung kann vorübergehend weiter zunehmen

          Das würde die an sich schon hohe Verschuldung des Unternehmens vom knapp Sechsfachen des operativen Vorsteuerergebnisses auf das Neunfache oder auf knapp 23 Milliarden Euro steigen lassen, erklären die Analysten von Creditsights. Die Gläubiger der vor allem an institutionelle Anleger gerichteten Zinspapiere des Unternehmens müssten die Verluste wohl tragen, da das Kleingedruckte kaum Schutz etwa in Form von „Change of Control-Klauseln“ biete, erläutern sie weiter.

          Mit Kurs-Gewinnverhältnissen von 15 und 14 auf Basis der Gewinnschätzungen für das laufende und das kommende Geschäftsjahr und mit einer Dividendenrendite von vier Prozent scheinen die Abertis-Aktien optisch noch vernünftig bewertet zu seine. Die Verbindlichkeiten dagegen sind hoch und können deutlich weiter steigen. Auf der anderen Seite liefen Umsatz- und Gewinnentwicklung in den vergangenen Jahren zwar seitwärts, sind aber sehr robust. Weiterhin bestehen Möglichkeiten, einzelne Unternehmensteile zu verkaufen, um auf diese Weise die Verbindlichkeiten zu begrenzen. Auf dieser Basis können Aktien und Anleihen auf den erreichten Niveaus zumindest spekulativen Anlegern noch oder wieder frische Reize bieten.

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