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294 Billionen Dollar : An den Finanzmärkten steigt das Fieber

Wall Street Bild: AP

Die Börsenbewertungen der Unternehmen steigen. Doch die Anleihemärkte sind deutlich größer. Die Ursache dafür sind die hohen Schulden der Staaten und der Banken.

          2 Min.

          Was kostet die Welt? 294 Billionen Dollar. So hoch ist im vergangenen Jahr das Volumen an den Finanzmärkten dieser Welt gewesen. Aktien trugen einen Börsenwert von 69 Billionen Dollar bei. Die Anleihemärkte waren mit 149 Billionen Dollar gut doppelt so groß. Diese Zahlen hat Sanjeev Sanyal, Analyst der Deutschen Bank in Singapur, nun in einer Übersicht zusammengefasst. Dass die Märkte für Schuldtitel so groß sind, liegt an der Verschuldung der Banken und der Staaten. Die Anleihen der Banken liegen mit 60 Billionen Dollar leicht über denen staatlicher Emittenten (58 Billionen). Unternehmensanleihen summieren sich auf 31 Billionen Dollar. Das sind innerhalb von zehn Jahren 11 Billionen Dollar mehr. In diesem Zeitraum ist das Volumen an Staatsanleihen um 35 Billionen Dollar gewachsen, während Banken ihren Umlauf um 22 Billionen Dollar erhöhten.

          Markus Frühauf

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Die Weltwirtschaft würde nicht das Kriterium der Europäischen Währungsunion für die Staatsverschuldung einhalten. Die Obergrenze liegt bei 60 Prozent der jährlichen Wirtschaftsleistung. Gemessen daran, würde die Weltwirtschaft mit einer Staatsverschuldung von 74 Prozent der Wirtschaftsleistung die Grenze deutlich überschreiten. Aber noch schlechter schneidet der Euroraum ab. Hier belief sich die öffentliche Verschuldung Ende September auf 92 Prozent des Bruttoinlandsproduktes.

          Aus der Zusammenstellung lässt sich auch erkennen, dass die Marktkapitalisierung an den Aktienmärkten in den vergangenen zehn Jahren deutlich zugelegt hat. Der Börsenwert aller Aktiengesellschaften ist binnen zehn Jahren um 53 Prozent auf 69 Billionen Dollar gestiegen. Kurz vor Ausbruch der Finanzkrise war im Jahr 2007 mit 65 Billionen Dollar ein ähnlich hoher Wert erreicht worden. Damals lag das Verhältnis von Kursen zu Buchwert, also der Bewertung des Eigenkapitals in den Unternehmensbilanzen, mit fast 2,8 deutlich höher. Ende 2014 lag diese Kennziffer bei 2,0. Das bedeutet, dass der Börsenwert der Unternehmen doppelt so hoch ist wie ihr Eigenkapital. In den vergangenen drei Jahren hat dieser Wert angezogen. Viele Investoren blicken bei der Frage, ob eine Aktie günstig oder teuer ist, nicht zuerst auf das Kurs-Buch-Verhältnis. Wichtiger ist ihnen das Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV), das anzeigt, wie oft der Gewinn des Unternehmens im Aktienkurs enthalten ist. Für den Dax liegt die Kennziffer derzeit um 13, der langjährige Durchschnitt beträgt 19.

          Doch Aktien stehen in Zeiten sehr expansiver Geldpolitik und niedriger Zinsen bei den Anlegern hoch im Kurs. Die Mittelzuflüsse in Aktienfonds, die sich auf Industrieländer spezialisiert haben, nahmen im vergangenen Jahr um 3 Prozent zu, während sie bei den auf die Aktienmärkte der Schwellenländer spezialisierten Fonds um 3 Prozent sanken. Noch stärker legten die Anleihefonds mit 6 Prozent zu. Besonders beliebt waren die auf deutsche Anleihen ausgerichteten Fonds, denen 15 Prozent mehr zuflossen. Für diese Jahr wird ein Plus von 7 Prozent erwartet.

          Nach Angaben des Analysten Sanyal waren im vergangenen Jahr die wichtigsten Quellen für die Finanzmärkte amerikanische Pensionsfonds, die chinesischen Devisenreserven und die Staatsfonds erdölexportierender Länder. Amerikanische Altersvorsorgeeinrichtungen hatten ein Volumen von fast 25 Billionen Dollar, das ist ein Drittel mehr als Ende 2011. Die chinesischen Devisenreserven beliefen sich Ende 2014 auf 3,2 Billionen Dollar. Das entspricht einem Drittel aller Währungsreserven in der Welt. Hinter der Volksrepublik folgen Japan mit 1,2 Billionen Dollar und Saudi-Arabien mit 734 Milliarden Dollar. Die Währungsreserven Russlands schmolzen im vergangenen Jahr um 28 Prozent auf 339 Milliarden Dollar.

          Hedgefonds verwalteten Ende Dezember ein Vermögen von etwa 2,8 Billionen Dollar, was einem Anstieg von fast 8 Prozent entspricht. Deutlich größer sind die Staatsfonds, die ihr Vermögen um knapp 13 Prozent auf 7,1 Billionen Dollar vergrößerten. Der norwegische Staatsfonds führt mit 893 Milliarden Dollar, dahinter folgt die Abu Dhabi Investment Authority mit 773 Milliarden Dollar und die saudi-arabische Sama mit 757 Milliarden Dollar.

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