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Neuemissionen : Wieder ein sehr gutes Anleihejahr

Bei Amazon bekommt der Anleger noch einen stattlichen Kupon Bild: AFP

Seit Jahren raten Experten von Anleihen ab. Zu Unrecht, wie sich auch dieses Jahr wieder gezeigt hat. Anleger können mit der richtigen Strategie weiterhin hohe Renditen erzielen.

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          Der Kupon vernebelt manchem Anleger den klaren Blick auf den Anleihemarkt. Aus Mini-Kupons wird oft der Schluss gezogen, am Anleihemarkt lasse sich kein Geld verdienen. Doch das war im Jahr 2014 wieder einmal falsch und hat manchen Anleger viel Geld gekostet. Seit Jahren nämlich raten Experten von Anleihen ab, da diese das Ende der Fahnenstange erreicht hätten. Doch wie durch ein Wunder scheint die Fahnenstange immer länger zu werden.

          Daniel Mohr

          Redakteur der Frankfurter Allgemeinen Woche.

          Der Grundfehler ist die Verengung des Blicks auf den Kupon. Natürlich sieht da eine Bundesobligation (5 Jahre Laufzeit) mit 0,25 Prozent, wie sie am Mittwoch um 3 Milliarden Euro aufgestockt wurde, nicht gut aus. Doch die Rendite des Anlegers beschränkt sich nicht allein auf die Kuponzahlung, sondern wird vor allem von der Kursentwicklung bestimmt. Nur für Anleger, die eine Anleihe von der Emission bis zur Rückzahlung halten, ist der Kupon die entscheidende Kennzahl. Mehr als 0,25 Prozent im Jahr sind im Fall der Bundesobligation dann nicht drin. Wer aber zwischenzeitlich kauft und verkauft, kann ansehnliche Gewinne, aber auch Verluste erzielen, schließlich werden auch für Anleihen täglich Kurse ermittelt. Und die kannten in den vergangenen fünf Jahren ähnlich wie die von Aktien fast nur eine Richtung: nach oben.

          Wer einen ordentlichen Kupon will, muss Risiken auf sich nehmen

          Als ein Beispiel unter vielen kann eine Bundesobligation gelten, die von der Finanzagentur des Bundes im Januar neu aufgelegt wurde. Damals wurde noch ein Kupon von 1 Prozent geboten. Wer angesichts dieser mageren Renditeaussicht bei fünf Jahren Laufzeit die Nase gerümpft hat, ließ sich ein gutes Geschäft entgehen. Auch heute noch zahlt der Bund für dieses Papier keinen höheren Kupon. Der Kurs ist aber auf 104 Prozent gestiegen. Die Anleger könnten also ansehnliche Kursgewinne realisieren. Die Landesbank Baden-Württemberg hat im Durchschnitt aller Bundespapiere seit Jahresanfang eine Rendite von 9 Prozent ermittelt. Zum Vergleich: Der Dax ist nur um 4 Prozent gestiegen. Kupons beziehungsweise Dividenden sind in den Renditen schon enthalten. Noch besser haben sich Staatsanleihen im Euroraum insgesamt mit einer Rendite von 12 Prozent geschlagen, insbesondere wegen der enormen Kursgewinne der Peripherieanleihen. Anleihen von Unternehmen guter Bonität kommen auf eine Rendite von gut 8 Prozent, riskantere Hochzinsanleihen immerhin noch auf 6 Prozent.

          Mit einem weiteren solch starken Anleihejahr hat niemand gerechnet. Und auch jetzt fehlt den Analysten die Phantasie, die Erfolgsgeschichte fortzuschreiben. Dabei reicht ein Blick in die Schweiz, um zu erkennen, dass der Boden noch nicht erreicht sein muss, auch wenn die Luft dünner wird. In der Schweiz ist die Rendite von Staatspapieren mit fünf Jahren Laufzeit derzeit im negativen Bereich. Papiere mit zehn Jahren Laufzeit rentieren aktuell mit 0,28 Prozent, japanische mit 0,4 Prozent. Deutsche hingegen mit 0,75 Prozent, spanische und italienische sogar mit fast 2 Prozent. Diese Renditen erzielt ein Anleger, der heute kauft und die Papiere bis zum Ende hält. Aber vielleicht steigt der Kurs zwischendurch noch weiter.

          Wer lieber einen ordentlichen Kupon sehen will, muss mehr Risiken auf sich nehmen. 4,375 Prozent zahlt Renault für eine neue Anleihe mit drei Jahren Laufzeit in Yuan. Amazon bietet eine Dollar-Anleihe mit einem Kupon von 4,8 Prozent an. Die Rückzahlung soll in 20 Jahren erfolgen. Da kann viel passieren. Schließlich wurde das marktmächtige Unternehmen erst vor 20 Jahren gegründet. Noch mehr Geduld brauchen die Anleger bei Berkshire Hathaway. Die Gesellschaft von Warren Buffett zahlt 4,5 Prozent bei einer Laufzeit von gut 30 Jahren.

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