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Anleihen : Italien kann sich günstiger Geld beschaffen

  • Aktualisiert am

Italienischer Anleger (in Milan) Bild: dapd

Nach dem EU-Gipfel hat der Druck auf Italien am Finanzmarkt etwas nachgelassen. Bei der ersten Versteigerung italienischer Staatsanleihen seit den neuen EU-Sparplänen fielen die Zinsen - bleiben aber auf hohem Niveau.

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          Nach dem jüngsten EU-Gipfel zur Schuldenkrise hat der Druck auf Italien am Finanzmarkt etwas nachgelassen. Bei der ersten Versteigerung italienischer Staatsanleihen seit den neuen EU-Sparplänen der vorigen Woche fielen am Montag die Zinsen, verharrten aber immer noch auf einem hohen Niveau.

          Investoren liehen dem hoch verschuldeten Staat sieben Milliarden Euro für ein Jahr. Sie lassen sich ihr Geld mit 5,952 Prozent verzinsen, wie die Regierung in Rom mitteilte. Bei der vorherigen Auktion musste Italien mit 6,087 Prozent noch die höchsten Zinsen seit Einführung des Euro zahlen. Zum Vergleich: Die Rendite der deutschen Anleihe liegt bei 0,290 Prozent. Die Nachfrage war rege: Der italienische Staat hätte auch rund 13,5 Milliarden Euro einnehmen können, so hoch waren die Gebote der Anleger.

          "Die Nachfrage ist solide", sagte Analyst Marc Ostwald vom Monument Securities. "Die Zinsen aber sind unkomfortabel hoch." Der EU-Gipfel habe daran wenig geändert. Die EU-Staaten einigten sich darauf, bis März einen neuen Pakt mit strikteren Regeln zum Schuldenabbau und engerer wirtschaftspolitischer Koordination zu schließen. Den Sparverpflichtungen schließt sich nur Großbritannien nicht an.

          Riesiger Schuldenberg

          Die Europäische Zentralbank kauft seit Sommer regelmäßig italienische Anleihen am Markt, um so die Zinsen zu drücken und damit den Staat bei der Geldbeschaffung zu entlasten. Der Bank für Internationalen Zahlungsausgleich (BIZ) zufolge kann Italien auch ein Zinsniveau von mehr als sieben Prozent verkraften, das Irland und Portugal zur Flucht unter den Euro-Rettungsschirm trieb. Liege die Rendite für die einjährige Anleihe im gesamten nächsten Jahr über dieser Marke, dann beliefen sich die Mehrkosten für den Staat auf weniger als ein Prozent der Wirtschaftsleistung.

          Italien sitzt auf einem Schuldenberg von rund 1,9 Billionen Euro. Diese Summe entspricht 120 Prozent der jährlichen Wirtschaftsleistung. Nur in Griechenland ist die sogenannte Schuldenstandsquote noch höher. Italien muss im kommenden Jahr etwa 340 Milliarden Euro an Anleihen zurückzahlen, einen großen Teil davon schon Ende Januar. Der neue Ministerpräsident Mario Monti versucht, mit Reformen das Land wieder fitzumachen. Dazu gehören die Anhebung des Renteneintrittsalters und Privatisierungen von Staatsbesitz.

          Erschwert wird die Haushaltskonsolidierung von der Konjunkturflaute. Das Bruttoinlandsprodukt wird 2012 nach Prognose der EU-Kommission lediglich um 0,1 Prozent zulegen, nachdem es schon in diesem Jahr nur zu einem mageren Plus von 0,5 Prozent reichen dürfte. "Besonders der Zinsanstieg für italienische Staatsanleihen lastet auf den Wachstumsaussichten", befürchtet die EU-Kommission. Italiens Banken drohen deswegen höhere Refinanzierungskosten. "Die Kreditbedingungen für die Wirtschaft verschärfen sich deshalb."

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