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Anleihen : Deutscher Anleihemarkt von einer massiven Trendumkehr bedroht

  • Aktualisiert am

Bild: Tai-Pan

Für Charttechniker schrillen beim Blick auf den Bund-Future die Alarmglocken. Denn dem Terminmarktkontrakt auf deutsche Anleihen droht eine Wendeformation. Kommt es dazu, drohen deutlich steigende Renditen.

          Am Mittwoch starten die Kurse der deutschen Staatsanleihen zwar mit Gewinnen in den Handel. So steigt der Euro-Bund-Future am Morgen um 0,34 Prozent auf 133,83 Punkte und die Rendite der zehnjährigen Bundesanleihe ermäßigt sich etwas auf 2,279 Prozent.

          Aber nach sechs Tagen in Folge mit Kursverlusten ändert das nichts an der insgesamt kritischen Ausgangslage. Die Marktteilnehmer fragen sich, ob die historisch betrachtet noch immer rekordtiefen Renditen gerecht werden, denen auch Deutschland im Zuge der Euro-Schuldenkrise ausgesetzt ist. Umgetrieben werden die Anleger dabei auch von der Sorge, ob Deutschland mit Blick auf die viel diskutieren Euro-Bonds nicht doch noch einknicken wird und bei deren Einführung nicht doch noch endgültigen mit in den Schuldenstrudel gerissen wird.

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          Erkennen lassen sich die daraus resultierenden Irritationen inzwischen auch beim Blick auf die Charts. So drohen sich sowohl beim Terminmarktkontrakt Bund Future als auch bei den Renditen der deutschen Staatsanleihen langfristig richtungsweisende Trendumkehrformationen auszubilden.

          Die Charts mahnen zur Vorsicht

          Charttechniker hat diese Konstellation bereits in Alarmstimmung versetzt. Warnend heben beispielsweise die Helaba-Analysten Ralf Umlauf und Ulrich Wortberg den Zeigefinger: „Der Bund-Future hat sich unter Schwankungen weiter abgeschwächt. Damit bleibt die Stimmung getrübt, und aufgrund der angeschlagenen technischen Verfassung sind weitere Verluste möglich“, schreiben sie in einer tagesaktuellen Einschätzung. Zentrale Bedeutung für die weitere Entwicklung messen sich nun charttechnisch betrachtet der Unterstützungszone um 132,89/94 Prozent zu. Denn wenn dieses Niveau unterschritten werden sollte, würde dadurch eine Trendumkehrformation komplettiert.

          Ähnlich beurteilen das auch die Analysten von HSBC Trinkaus. Aus ihrer Sicht hat sich die charttechnische Lage zuletzt weiter zugespitzt. Unter anderem sei jüngst der Bruch des steilen Aufwärtstrends seit Mitte April 2011 erfolgt und selbst die horizontale Haltemarke in Form des ehemaligen Rekordhochs von Ende August 2010 bei 134,77 habe inzwischen preisgegeben werden müssen. Dadurch rückt auf für sie mit dem Korrekturtief vom Oktober bei 132,89 Prozent eine wichtige Schlüsselmarke in den Fokus. Sollte diese Marke nicht verteidigt werden können, drohe ein klassisches Doppeltop mit einem kalkulatorischen Abschlagspotential von 630 Basispunkten. Letztlich sei der Angriff auf die Marke bei 132,89 Prozent wohl nur noch eine Zeitfrage.

          Und weil der Bund-Future letztlich nur das umgekehrte Spiegelbild von der Entwicklung bei Kursen der Staatsanleihen ist, drohen deutlich steigende Renditen. Am Donnerstag ist die Rendite der zehnjährigen deutschen Staatsanleihen in der Spitze bereits auf 2,37 Prozent gestiegen.

          Gute Argumente sprechen für eine Zinswende

          Historisch betrachtet ist das zwar noch immer sehr niedrig, gemessen an dem am 22. September aufgestellten Rekordtief von 1,67 Prozent stellt dies aber bereits eine deutliche Erhöhung dar. Bei der Helaba kommen die Charttechniker deshalb auch zu dem Schluss, dass sich bei den zehnjährigen Bundesanleihen die Wendeformation bereits vervollständigt habe. Und die Gefahr eines weiteren Anstiegs sei dadurch sehr real.

          Überraschend dürfte eine solche Entwicklung im Grunde aber niemanden. Schließlich wurden die tiefen deutschen Anleiherenditen den bestehenden Risiken zuletzt überhaupt nicht mehr gerecht. Prinzipiell betrachtet sprechen jedenfalls nicht nur charttechnische sondern auch fundamentale Überlegungen für eine demnächst anstehende Wende. Verhindert werden kann das vermutlich nur, wenn irgendein Ereignis dazu führen sollte, dass Bundesanleihen plötzlich doch wieder ihren Status als ein über alle Zweifel erhabener Hort der Stabilität zurückerobern können sollte. Doch danach sieht es zumindest aktuell nicht unbedingt aus.

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