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Anleihemärkte : Stille Asiaten

Staaten und andere Großanleger aus Asien investieren schon seit Jahren in europäische Staatsanleihen. Sie finanzieren so die europäischen Staatsschulden, reden aber kaum darüber. Ihre Rolle wird daher in der Öffentlichkeit unterschätzt.

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          An den internationalen Anleihemärkten hat ein langes und vermutlich ereignisreiches Jahr begonnen. Am Montag verkauften neben anderen das Bundesfinanzministerium und die Europäische Kommission verzinsliche Wertpapiere. Das Angebot stieß auf eine gute Nachfrage; allerdings musste Portugal für seine Papiere einen deutlich höheren Zins zahlen als vor einem Jahr. Aufmerksamkeit erregten Äußerungen chinesischer Politiker, die in den vergangenen Wochen den Kauf portugiesischer und spanischer Staatsanleihen angekündigt hatten und damit einen Beitrag zur Bewältigung der Staatsschuldenkrise leisten wollen. Natürlich handeln die Chinesen eigennützig, denn sie werden die Gelegenheit zu nutzen versuchen, Pekings Einfluss in Europa auszuweiten.

          Darüber sollte nicht in Vergessenheit geraten, dass asiatisches Geld schon lange nicht nur amerikanische, sondern auch europäische Staatsschulden finanziert. Nach aktuellen Berechnungen des Internationalen Währungsfonds waren die identifizierbaren Währungsreserven der Staaten in der Welt im Herbst 2010 zu 61 Prozent in Dollar und zu 27 Prozent in Euro angelegt. Zu diesen staatlichen Währungsreserven wären noch umfangreiche Fremdwährungsanlagen privater Großanleger zu rechnen, die auch zu rund einem Viertel in Euro investiert wurden. Die Bedeutung aller anderen Währungen bleibt gegenüber Dollar und Euro gering.

          Die Anlagen in Dollar und in Euro werden von staatlichen wie von privaten Großanlegern überwiegend in Anleihen gehalten, bei denen Staatsanleihen und Papiere staatlicher Körperschaften überwiegen. Zahlreiche Großanleger haben ihren Sitz in Asien. Sie investieren schon viele Jahre in europäische Staatsanleihen, nehmen aber zum Beispiel auch gerne deutsche Pfandbriefe in ihre Depots. Sie halten viele Papiere bis zur Fälligkeit - und reden nicht darüber. Daher wird ihre Rolle von einer Öffentlichkeit unterschätzt, die nahezu täglich mit Kommentaren von Marktteilnehmern aus London und New York zur Lage in Europa versorgt - und von diesen in Unruhe versetzt wird. Diese Marktteilnehmer halten aber häufig viel weniger europäische Anleihen als die Investoren aus Asien. Die Asiaten sind schon lange eine Macht an den Anleihemärkten, aber bislang eben eine stille.

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