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Anleihekäufe : Mario Draghis Billionen-Experiment

Ob die Staatsanleihekäufe aber tatsächlich einen Anstieg der Inflation bewirken werden, wie es die EZB beabsichtigt, ist unter Ökonomen umstritten. Wenn die Notenbank neues Geld schafft, um die Anleihen zu kaufen, steigt zwar die Geldmenge. Schon der Ökonom Milton Friedman wusste aber, dass die Wege zwischen einer Ausweitung der Geldmenge und einer höheren Inflation oft „lang und verschlungen“ sind. Das gilt im Augenblick vermutlich in besonderem Maße: Bislang jedenfalls haben weder die Zinssenkungen der EZB noch die Käufe von verbrieften Krediten („Asset Backed Securities“, ABS) einen merklichen Effekt auf die Inflationsrate gehabt. Während ein Teil der Ökonomen schon meint, die Inflation als Phänomen sei in den Industriestaaten womöglich auf absehbare Zeit verschwunden, halten andere die niedrigen Inflationsraten für eine Spätfolge der Finanzkrise.

EZB-Präsident Mario Draghi
EZB-Präsident Mario Draghi : Bild: dpa

Eine große Sorge vieler Deutscher ist, ob EZB-Präsident Mario Draghi es schafft, die geldpolitischen Zügel rechtzeitig wieder anzuziehen, wenn tatsächlich Inflation aufkommt. Die hochverschuldeten Staaten dürften dann nämlich ein großes Interesse haben, die Inflation laufenzulassen und die Zinsen niedrig zu halten. Beides zusammengenommen führt dazu, dass sie leichter einen Teil ihrer Schulden loswerden können.

Weltweiter Abwertungswettlauf möglich

Sicher ist: Gewisse Auswirkungen hat schon die Ankündigung des „QE“ („Quantitative Easing“) genannten Anleiheprogramms gehabt. Weil die Investoren an den internationalen Finanzmärkten erwarten, dass die Notenbank zusätzliche Nachfrage nach Staatsanleihen schafft, sind die Kurse der Anleihen in den vergangenen Wochen gestiegen und im Gegenzug die Zinsen gesunken. Das gilt zumindest für die meisten europäischen Staatsanleihen - mit Ausnahme von Griechenland. Dessen Anleihen werden wegen ihres schlechten Ratings nach den derzeitigen Plänen der EZB ohnehin nicht gekauft. Außerdem hat die ständig drohende Staatspleite die Zinsen hochgetrieben.

Spannend bleibt, ob Amerika es sich auf Dauer gefallen lassen wird, dass Europa sich im Welthandel durch die künstliche Abwertung des Euro einen Vorteil verschafft. Den kleineren Ländern in Europa mit einer eigenen Währung wie der Schweiz mit dem Franken oder Dänemark mit der Krone bleibt vermutlich nicht viel anderes übrig, als sich mehr oder minder an dem großen Nachbarn Eurozone zu orientieren. Das sorgt im Augenblick dort schon für genug Probleme.

Amerika aber könnte dazu übergehen, den Dollar künstlich zu schwächen, wenn ihm dessen Stärke und die damit verbundenen Nachteile im Export zu viel werden. Diskussionen in diese Richtung gab es schon. Die amerikanische Notenbank Fed könnte etwa die erste Zinserhöhung, die sie so lange angekündigt hat, noch ein bisschen aufschieben oder in kleineren Schritten vorgehen als geplant. Die Folgen könnten in der ganzen Welt zu spüren sein. Es könnte ein weltweiter Abwertungswettlauf einsetzen wie zwischen den beiden Weltkriegen. Ein Krieg der Währungen - bei dem am Ende keiner gewinnen kann.

Geldpolitik : EZB startet eine Billion Euro schweres Kaufprogramm

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