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Anleihekaufprogramm : Die Ankündigung des EZB-Programms hat schon gewirkt

Die Europäische Zentralbank in Frankfurt: Am Montag starten die Anleihekäufe. Bild: dpa

Die geplanten Anleihekäufe hat bereits erhebliche Auswirkungen auf die Finanzmärkte. Werden die Anleihekäufe die Märkte austrocknen?

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          An den Finanzmärkten fragen sich viele Teilnehmer, welche Wirkungen die Anleihekäufe der Europäischen Zentralbank haben werden. Darüber wird gelegentlich vergessen, dass, wie von EZB-Präsident Mario Draghi auf seiner Pressekonferenz in Nikosia am Donnerstag bestätigt, schon die öffentliche Diskussion dieses Programms und seine Ankündigung im Januar erhebliche Folgen zeigen.

          Gerald Braunberger
          (gb.), Herausgeber

          „So hat sich der Abwärtsdruck auf die kurzfristigen Zinserwartungen wie auf die Kapitalmarktzinsen und die Finanzierungskosten für Unternehmen weiter verstärkt und die starke Aktienmarktentwicklung stützt die Hoffnung auf einen positiven Vermögenseffekt“, heißt es in einer Analyse der Bayerischen Landesbank. Vor allem habe sich der Wechselkurs in die von der Europäischen Zentralbank gewünschte Richtung verändert. Seit der öffentlichen Erörterung des Kaufprogramms hat der Euro gegenüber dem Dollar ebenso wie gegenüber anderen Währungen abgewertet.

          Lediglich die von der Zentralbank als wichtig angesehenen Inflationserwartungen hätten sich bisher kaum bewegt. Auffallend sind die Entwicklungen an den Märkten für Staatsanleihen. Hier haben sich die Renditedifferenzen zwischen Bundesanleihen und Anleihen aus Italien, Spanien und Portugal erheblich eingeengt. Andererseits befindet sich die Renditedifferenz zwischen Bundesanleihen und amerikanischen Staatsanleihen auf ihrem höchsten Stand seit mehr als zehn Jahren.

          Verknappung von Anleihen an kleinen Märkten möglich

          Die Beobachtung, dass Anleihekaufprogramme von Zentralbanken sehr stark in der Ankündigungsphase wirken, ist aus den Vereinigten Staaten und Großbritannien bekannt. Nach den Erfahrungen aus diesen Ländern ist nicht garantiert, dass die Renditen weiter sinken, sobald die Europäische Zentralbank dann tatsächlich anfängt, Anleihen zu kaufen. „Es ist sehr schwer, Anleihen in einem solchen Umfeld korrekt zu bewerten“, sagt Scott Thiel von der Fondsgesellschaft Blackrock in einem Gespräch mit der Nachrichtenagentur Bloomberg. Blackrock ist mit einem verwalteten Vermögen von gut 4 Billionen Euro der größte Kapitalanleger der Welt. „Wir mögen immer noch die Anleihemärkte in der europäischen Peripherie. Aber wir sind ein wenig vorsichtig geworden.“

          An den Kapitalmärkten wird seit Wochen darüber spekuliert, ob die Käufe der Europäischen Zentralbank zu Verknappungen auf nationalen Anleihemärkten führen werden. Dies gilt besonders in kleinen Märkten wie in Portugal als möglich, wo das Angebot an Staatsanleihen nicht sehr groß ist und daher das Potential für Kursgewinne als Folge der Käufe der Zentralbank für groß gehalten wird. In manchen Finanzhäusern gilt es aber sogar als denkbar, dass auf dem deutschen Markt für Staatspapiere das Angebot zu knapp werden könnte.

          Solche Einschätzungen haben in der jüngeren Vergangenheit unter anderem die DZ Bank, das Bankhaus Sal. Oppenheim und die französische Investmentbank Natixis geäußert. „Wir denken weiterhin, dass es für die EZB schwierig werden dürfte, die gewünschten Summen an den Rentenmärkten auch tatsächlich erwerben zu können“, hieß es am Donnerstag aus der DZ Bank. Ein Argument lautet, dass viele Staatsanleihen im Besitz von Banken sind. Diese könnten zwar mit dem Verkauf der Papiere Kursgewinne erzielen, müssten sich aber fragen, was sie danach mit dem Geld machen sollten, da es keine risikofreien rentablen Alternativanlagen gebe.

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