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Immer mehr Algorithmen : An den Anleihe-Märkten übernehmen die Roboter

  • Aktualisiert am

Banker vor dem Eingang der Großbank JP Morgan in New York Bild: AFP

Während automatisierte Handelssysteme am Aktienmarkt für Zündstoff sorgen, werden sie am Anleihemarkt zunehmend zum Standard. Anders würde man des Volumens auch nicht mehr Herr.

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          In der intensiven, auch öffentlichen Diskussion der vergangenen Jahre über das sogenannte Algo-Trading standen stets Aktien im Vordergrund. Weniger Beachtung erfuhr dagegen, dass in dieser Zeit automatisierte Handelssysteme gleichsam unbeobachtet einen Großteil der Preisgestaltung und des Handels mit Anleihen besserer Qualität (Investment Grade) übernommen haben, also des Löwenanteils des Volumens von Staats- und Unternehmensanleihen. Eine Ausbreitung in andere Teile des Marktes verhinderte bis vor kurzer Zeit noch dessen geringere Liquidität und damit ein gewisser Grad der Zufälligkeit der Preisentwicklung.

          Mittlerweile sind diese Handelsroboter aber wohl schon so ausgereift, dass sie zunehmend in weniger liquide Teile des Anleihemarkts vordringen. Die Bank of America habe in der ersten Hälfte des Jahres 2021 international ein Handelsvolumen vom 2,7-Fachen des Vorjahreszeitraums abgewickelt, heißt es von Sonali Theisen, die den Bereich E-Trading und Marktstruktur für festverzinsliche Wertpapiere bei der Bank leitet. Ein Großteil des jüngsten Wachstums stamme aus dem Handel mit Anleihen niederer Qualität (Hochzinsanleihen) und aus Schwellenländern, also just aus Bereichen, die als eher wenig liquide gelten. Bei J.P. Morgan Chase werden mittlerweile mehrere tausend verschiedene Anleihen aus den USA, Europa, dem Nahen Osten und Afrika automatisiert gehandelt. Anfang 2020 seien es erst rund 250 gewesen. Bei der britischen Bank Barclays bepreisten Algorithmen international inzwischen mehr als die Hälfte der Kursanfragen.

          Covid-Krise hat Entwicklern geholfen

          Es waren vor allem die Verwerfungen während der Pandemie, die dazu beitrugen, dass die Algorithmen entsprechend verfeinert werden konnten. „Die Covid-Krise hat der Branche eine ganze Reihe neuer Daten darüber geliefert, wie die Märkte in einer Krise reagieren“, sagt Kevin McPartland, Leiter der Forschungsabteilung für Marktstruktur beim Finanzdatenanalysten Coalition Greenwich, der zum Unternehmen Standard & Poor’s gehört, das vor allem für seine Ratingagentur bekannt ist. Diese neuen Daten seien für die Programmierer von großem Nutzen gewesen. Große Marktschwankungen ermöglichten es den Entwicklern, besser zu verstehen, wie sich die Kurse von Wertpapieren in schwierigen Marktverhältnissen verhalten.

          Durch die Automatisierung kann zum einen ein größeres Geschäftsvolumen abgewickelt werden. Zum anderen können sich menschliche Händler auf kompliziertere Transaktionen konzentrieren. „Wenn man nicht mehr auf einen Bildschirm mit Anfragen starrt und nur Zahlen eintippt, hat man mehr Zeit für die Dinge, die einen höheren Mehrwert bringen“, sagt Drew Mogavero, stellvertretender Leiter der Abteilung Kreditprodukte bei Barclays. Die meisten Algo-Transaktionen sind Antworten auf automatisierte Kursanfragen elektronischer Handelsplattformen, die ein immenses Wachstum, insbesondere im Bereich Hochzinsanleihen verzeichnen. Der Anteil des automatisierten Handels mit amerikanischen Hochzinsanleihen bei Tradeweb Markets etwa betrug im dritten Quartal 38 Prozent – vor drei Jahren waren es gerade einmal 5 Prozent.

          Kleinere Anfragen einfach ignoriert

          Das Wachstum der Anleihemärkte ist ein Grund, warum Roboter zur Unterstützung benötigt werden. Der Gesamtwert der Anleihen allein im Bloomberg U.S. Investment Grade Corporate Bond Index ist von 4,3 Billionen Dollar im Jahr 2015 auf aktuell 6,2 Billionen Dollar gestiegen. Dank der verbesserten Technik können Händler nun eine viel höhere Zahl von Kursanfragen beantworten. Vor der Algo-Entwicklung wurden Anfragen kleinerer Händler oder ungewöhnliche Volumina oft einfach ignoriert. Das habe bis zu drei Viertel der elektronischen Kursanfragen betroffen, heißt es aus dem Handelsraum einer ungenannten Großbank. Inzwischen gelte dies nur noch für ein Viertel.

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