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DEAG-Emission : Entertainment-Anleihe sehr gefragt

Der Manager und sein Zugpferd: Geigerin Anne-Sophie Mutter (l) und DEAG-Vorstandschef Peter Schwenkow Bild: dpa

Mit 6 Prozent verzinst ist die erste klassische Anleihe des Konzertveranstalters DEAG Deutsche Entertainment. Das zieht offenbar.

          Das Wort „Mittelstandsanleihen“ ist im Großen und Ganzen verschwunden, auch wenn etliche Anleihen aus dieser Zeit noch immer die meist frustrierten Gläubiger beschäftigen. Nichtsdestoweniger sind Anleihen mittelständischer Unternehmen nicht verschwunden. Es gab sie schon vor dem Rummel um Mittelstandsanleihen und es gibt sie jetzt auch noch.

          Martin Hock

          Redakteur in der Wirtschaft.

          In diesen Tagen kommen wieder einige Neuemissionen auf den Markt bekannterer Emittenten auf den Markt, die entweder schon die ein oder andere Emission hinter sich haben oder aber deren Aktie zumindest börsennotiert ist.

          Letzteres trifft auf die DEAG Deutsche Entertainment zu. Für den Konzertveranstalter ist die nun aufgelegte klassisch festverzinsliche Anleihe eine Neuigkeit. An der Börse ist die Aktie indes schon seit nunmehr 20 Jahren notiert. Mit durchaus wechselndem Erfolg: Sieht man von den glorreichen Zeiten der Neuer-Markt-Blase ab, so hat sich der Aktienkurs per saldo in den vergangenen 16 Jahren seitwärts entwickelt. Aktuell wird die DEAG-Aktie zu 3,06 Euro gehandelt, ein Kurs der gut zehn Prozent unter dem mittleren Kurs der Vergangenheit liegt.

          DEAG DT.ENTERTAINM. O.N.

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          Sehr viel erfolgreicher verlief am Montag die Emission. Nachdem die Anleihe mit einem Zinssatz in einer Spanne von 5,25 bis 6 Prozent angeboten worden war, wurde dieser zwar mit dem Maximum von 6 Prozent festgesetzt. Doch lagen für das Emissionsvolumen von 25 Millionen Euro auch schnell offenbar ausreichend Zeichnungsaufträge vor, so dass die Zeichnungsfrist schon am Dienstag enden soll und nicht wie ursprünglich beabsichtigt am Freitag.

          Die DEAG versteht sich mittlerweile als mehr denn als reiner Konzert-Veranstalter, sondern vielmehr als „Entertainment-Dienstleister“. So veranstaltet man auch Illuminationen, etwa in Berlins Botanischem Garten oder der Stuttgarter Wilhelma und vertreibt selbst auch Eintrittskarten über die Plattform My- Ticket. Zu den aktuell bekannten Künstlern zählen etwa die Geigerin Anne-Sophie Mutter oder auch Schlagerstar Andreas Gabalier. Auch die Weihnachtstournee der umstrittenen Südtiroler Band Frei.Wild wird von DEAG veranstaltet.

          Gute Verschuldungssituation

          Im vergangenen Jahr setzte DEAG knapp 160 Millionen Euro um und damit rund 12 Prozent weniger als 2016. DEAG hatte seinerzeit seine Anteile am deutschen Tourneeveranstalter Manfred Hertlein verkauft. Der zugekaufte britische Tourneeveranstalter Flying Music Group konnte jedoch  erst später integriert werden.

          Im ersten Halbjahr sah es daher schon wieder besser aus: Der Umsatz stieg um 34 Prozent auf knapp 118 Millionen Euro. Das Betriebsergebnis vervielfachte sich von 2,2 auf 8,1 Millionen Euro. Indes war daran auch ein Anteilsverkauf beteiligt, so dass die eigentliche Steigerung mit einem Plus von 27 Prozent doch etwas bescheidener ausfällt. 

          Auch wenn die DEAG mit zuletzt 12,5 Prozent eine niedrige Eigenkapitalquote aufweist, ist ihre Verschuldungssituation nicht als schlecht einzuschätzen. Dank hoher liquider Mittel weis das Unternehmen bislang zwanzig Jahre lang stets zum Jahresende eine Nettovermögensposition aus. Das könnte sich durch die Anleihenemission allerdings ändern. Entscheidend wird wohl sein, wie erfolgreich die geplanten europäischen Akquisitionen sein werden und die geplanten Investitionen für den Ausbau sämtlicher Geschäftsbereiche einschlagen werden.

          Die dünne Eigenkapitalquote sollte zunächst jedenfalls absinken. Doch hat sich das Management hier Druck auferlegt: Der Zinssatz erhöht sich um 0,5 Prozentpunkte, wenn die Eigenkapitalquote in der Konzernbilanz zum 31. Dezember 2018 unter zehn und 2019 unter 12,5 Prozent liegt. Will DEAG Strafzinsen vermeiden, sollten Zukäufe und Investitionen also möglichst rasch einschlagen. Das lässt sich als Entschlossenheit und Bekenntnis begreifen, Wachstumsanstrengung und solides Finanzmanagement in Einklang zu bringen.

          Nicht unerwähnt soll an dieser Stelle bleiben, dass die Anleihe mit einem Zinssatz von 6 Prozent natürlich eine klassische Hochzinsanleihe ist. Sucht man Anleihen mit vergleichbarer Rendite und vergleichbarer Restlaufzeit wird man etwa im Rating-Bereich zwischen „B2“ und „Caa2“ fündig. Diese Bonitätsnoten liegen im unteren Bereich dessen, was als spekulativ gilt.

          Das Anleihevolumen  entspricht dem Fünffachen des Gewinns und rund 19 Prozent der Bilanzsumme, also des Gesamtvermögens des Unternehmens. Bezogen etwa auf die BASF mit einem Rating von „A1“ - also etwa zehn Noten besser - wäre das eine Anleihe mit einem Volumen von 15 bis 30 Milliarden Euro. Das alles spricht nicht gegen die DEAG-Anleihe, macht aber deutlich, dass 6 Prozent Zinsen eben mit einem gewissen „Basis-Risiko“ verbunden sind.

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