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Aufschwung an den Börsen : Anleger treiben Kurse von Aktien und Euro nach oben

Derzeit haben die Bullen an der Börse die Oberhand. Bild: Saskia Stöhr

Der Dax klettert auf den höchsten Stand seit Juni, der Euro auf den höchsten Wert zum Dollar seit August. Die geringere amerikanische Inflationsrate und neue Nachrichten aus China sorgen für Kauflaune.

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          Der Aufschwung an den Aktienbörsen nimmt zum Ende der sechsten Aufwärts-Woche in Folge noch an Tempo zu. Der Index der 100 wichtigsten Unternehmen der amerikanischen Technologobörse Nasdaq kletterte am Donnerstag um kräftige 7,5 Prozent auf 11.606 Punkte. Mit Gewinnen um mehr als 12 Prozent waren Unternehmen wie Nvida und Amazon Spitzenreiter. Nun hat auch der Dax am Freitag an seine starke Vorstellung von Donnerstag angeknüpft. Auf den Anstieg von 3,5 Prozent am Donnerstag legte der Aktienindex an der Deutschen Börse in den ersten Handelsstunden am Freitag weitere 0,8 Prozent oben drauf und erreichte mit 14.280 Punkten den höchsten Stand seit Juni 2022.

          Hanno Mußler
          Redakteur in der Wirtschaft.

          Ein derart schneller Aufschwung nach dem zuvor tiefen Fall um mehr als 20 Prozent ist ungewöhnlich. Erst Ende September hatte der Dax mit 11.975 Punkten sein Jahrestief und das niedrigste Niveau seit dem zweiten Halbjahr 2020 markiert. Seither legten vor allem zuvor besonders an der Börse gebeutelte Unternehmen zu. Der Online-Händler Zalando trieb seinen Monatsgewinn nach einem weiteren Kurssprung am Freitag auf mehr als 40 Prozent, der Automobilzulieferer Continental auf mehr als 25 Prozent. Das spricht dafür, dass einige Anleger mit Wetten auf weiter fallende Kurse auf dem falschen Fuß erwischt wurden und sich nun zu höheren Kursen mit Aktien eindecken müssen, um ihre Lieferverpflichtungen am Terminmarkt zu erfüllen. Börsianer nennen eine solche Marktverfassung „short squeeze“.

          DAX ®

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          Am Freitag erhielten die europäischen Börsen Anschub aus China. Die Volksrepublik lockert einige ihrer strengen Corona-Vorschriften etwas. So müssen nach Mitteilung der Nationalen Gesundheitskommission enge Kontaktpersonen von Infizierten nicht mehr sieben, sondern nur noch fünf Tage in Quarantäne. Auch die nicht selten mit unangenehmen Methoden erfolgenden Versuche, „sekundäre“ Kontakte zu ermitteln und dann Auflagen zu verhängen, sollen beendet werden. Darüber hinaus müssen Fluggesellschaften, die mit infizierten Passagieren eingereist sind, keine Strafe mehr fürchten. Vielmehr will China die Impfkampagne beschleunigen und so vor allem ältere Menschen schützen.

          Die Lockerung der Vorschriften erfolgt ausgerechnet in einer Zeit, in der die Fallzahlen auf den höchsten Stand seit Monaten gestiegen sind. Peking und die zentral gelegene Stadt Zhengzhou verzeichnen dabei Rekordzahlen. Die Behörden meldeten für Donnerstag 10.535 neue, im Inland übertragene Fälle. Das ist zwar eine im weltweiten Vergleich niedrige Zahl, aber die höchste in China seit dem 29. April, als die Handelsmetropole Schanghai mit dem schwersten Ausbruch kämpfte und unter strenger Abriegelung war. Die neuen Regeln seien keine Lockerung der Präventions- und Kontrollmaßnahmen, geschweige denn eine Öffnung, hieß es von der Nationalen Gesundheitskommission weiter, sondern lediglich eine Anpassung an die neue Situation der Epidemieprävention und -kontrolle und an die neuen Merkmale der Coronavirus-Mutationen.

          HANG SENG

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          Die Börsianer indes kauften das Wort „Lockerungen“, schließlich hat die strenge Null-Covid-Politik die chinesische Wirtschaft stark belastet. Lockdowns in Metropolen wie Schanghai bremsen angesichts ihrer großen Bedeutung die gesamte Weltwirtschaft, vor allem aber die Nachbarregionen. So legte der Hang-Seng-Index der Börse Hongkong am Freitag um 7,7 Prozent auf 17.326 Punkte zu, liegt aber auf Jahressicht immer noch fast 40 Prozent im Minus.

          Der Schanghaier Leitindex CSI 300 stieg um drei Prozent, der Kurs der Landeswährung Yuan erreichte ein neues Monatshoch. Die lange vorherrschende Stärke des Dollar, die teilweise auf den höheren Zinsen in den USA beruht, scheint vorerst zu Ende. Denn auch der Euro überwand am Donnerstag die Parität, legte im Anschluss kräftig zu und kostete mit 1,02 Dollar am Freitagmorgen so viel wie seit August nicht mehr.

          EUR/USD

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          Der Umschwung an den Börsen am Donnerstag fußte auf neuen Inflationszahlen in den USA, die den Dax innerhalb von weniger als zehn Minuten zu einem Sprung um mehr als 3 Prozent veranlassten. Die hohe Inflation in den USA hat sich im Oktober stärker als erwartet abgeschwächt. Im Vergleich zum Vorjahresmonat stiegen die Verbraucherpreise um 7,7 Prozent, wie das Arbeitsministerium in Washington mitteilte. Analysten hatten im Durchschnitt nur mit einem Rückgang auf 7,9 Prozent gerechnet. Im Vormonat hatte die Inflationsrate 8,2 Prozent betragen. Es ist der vierte Rückgang in Folge. Da auch die von Notenbankern besonders beachtete Kerninflation ohne die schwankungsanfälligen Energie- und Lebensmittelpreise von 6,6 auf 6,3 Prozent stärker zurück ging, nehmen die Erwartungen zu, dass die amerikanische Notenbank Fed bei den nächsten Zinserhöhungen ein geringeres Tempo anschlagen wird.

          Für die Ökonomen der Commerzbank „mehren sich die Anzeichen, dass die Inflation ihren Gipfel überschritten hat und wieder fällt“. Sie rechnen nun mit einer Zinserhöhung um 50 Basispunkte und dann sogar mit kleineren Schritten. Die Helaba verweist auf das in ihren Augen weiter zu hohe Niveau der Kernteuerung. Dies lasse auf einen breit angelegten Preisauftrieb schließen. „Daher sollten keine Zweifel aufkommen, dass weiter an der Zinsschraube gedreht wird.“ Doch auch für die Helaba-Analysten steigt die Wahrscheinlichkeit, „dass es im Dezember einen kleineren Zinsschritt geben wird“. Die Analysten von Hauck Aufhäuser Lampe erwarten, dass die US-Notenbank den „Leitzins-Gipfel im Frühjahr 2023“ erreicht.

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