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Höhere Zinsen : Anleger stürzen sich auf „Ramschanleihen“

Fracking-Anlage in Pennsylvania: Die Schieferölproduzenten spielen am amerikanischen Markt für Hochzinsanleihen eine große Rolle. Bild: AP

Obwohl die Ausfallrisiken zunehmen, kaufen Investoren Hochzinsanleihen. Die Zuversicht der Anleger beruht auch auf der Erwartung, dass die amerikanische Notenbank die Finanzmärkte weiterhin großzügig mit Liquidität versorgt.

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          In den Vereinigten Staaten stehen die Anleihen finanzschwacher Unternehmen wieder hoch im Kurs. Die sogenannten High Yield Bonds, also Hochzinsanleihen, haben nach Angaben des Datenanbieters Ice Data Services, einer Einheit des Börsenbetreibers Intercontinental Exchange (ICE), im Juli den höchsten Ertrag seit dem Jahr 2011 erbracht. Wie die „Financial Times“ berichtete, haben steigende Kurse, die mit fallenden Renditen verbunden sind, im zurückliegenden Monat zu einem Ertrag dieser Anlageklasse von 4,78 Prozent geführt.

          Markus Frühauf

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Damit akzeptieren die Investoren wieder höhere Risiken, obwohl die Corona-Krise in den Vereinigten Staaten alles andere als abgeklungen ist. Zudem drohen vielen Unternehmen mit schwacher Kreditwürdigkeit (Ratings unterhalb von „BBB–“) in Zahlungsschwierigkeiten zu geraten, sollten in den amerikanischen Bundesstaaten wieder strenge Quarantänemaßnahmen ergriffen und Teile der Wirtschaft lahmgelegt werden.

          So musste Ende Juni Chesapeake Energy, ein Pionier im Fracking von Schieferöl und -gas, Gläubigerschutz beantragen. Die Schiefergasproduzenten litten besonders stark unter dem Erdölpreisverfall im Frühjahr. Dass sich die Investoren von der Insolvenzgefahr nicht abschrecken lassen, liegt an den sehr niedrigen Zinsen. Amerikanische Anleihen von Unternehmen mit gutem Investment-Grade-Rating werfen derzeit weniger als 2 Prozent ab.

          Risikoaufschlag sinkt deutlich

          Zwar sind die Renditen der Hochzinsanleihen, die am Markt salopp auch als „Ramschanleihen“ bezeichnet werden, wieder gesunken. Im Juli ging die durchschnittliche Rendite, gemessen am Index ICE BofA US High Yield, von 6,85 auf 5,46 Prozent zurück. Trotzdem lässt sich mit diesen Titeln noch immer eine um 3,5 Prozentpunkte höhere Rendite erzielen als mit den Titeln investitionswürdiger Unternehmen.

          Die Zuversicht der Anleger beruht auch auf der Erwartung, dass die amerikanische Notenbank Federal Reserve (Fed) die Wirtschaft und die Finanzmärkte weiterhin großzügig mit Liquidität versorgen wird. Gerade der High-Yield-Bond-Markt hat ihr schon länger Sorge bereitet, weil hier die Gefahr einer spekulativen Übertreibung erkannt wurde. Im Zuge der Corona-Krise hat die Fed auch damit begonnen, den Hochzinsmarkt zu unterstützen, indem sie aus dieser Anlageklasse börsennotierte Indexfonds (Exchange Traded Funds; ETF) erwirbt.

          Vorjahresvolumen weit übertroffen

          Der Markt für amerikanische High Yield Bonds hat ein Volumen von 1,5 Billionen Dollar. Davon entfallen 14 Prozent auf Energieunternehmen, insbesondere auf Schieferöl-Fracker. Begleitet wird die Nachfrage der Anleger von hohen Emissionsaktivitäten. Bis Ende Mai wurden amerikanische Hochzinsanleihen im Volumen von 153 Milliarden Dollar begeben. Damit wurde das Vorjahresvolumen um 69 Prozent übertroffen.

          Gleichwohl warnen Ratingagenturen vor den gestiegenen Ausfallrisiken. Nach Angaben von Fitch ist die Ausfallrate amerikanischer Hochzinsanleihen im Juli auf 5,5 Prozent gestiegen. Das ist das höchste Niveau seit Mai 2010. Die Risiken der Hochzinsanleihen steigen auch in Europa, wo der Markt nicht einmal halb so groß ist wie in den Vereinigten Staaten. Nach Angaben von Fitch betrug hier die Ausfallrate im Juli 2,4 Prozent. Die Bonitätsprüfer erwarten bis Jahresende einen Anstieg auf 5 Prozent.

          Betroffen sind vor allem Unternehmen, die wie zum Beispiel Reiseveranstalter besonders von der Corona-Krise und den Quarantänemaßnahmen betroffen sind. Steigende Emissionen sind auch in Europa zu beobachten. Nach Angaben von Fitch haben sich diese im Juni weiter beschleunigt, was ein Jahresvolumen von 108 Milliarden Euro erwarten lässt, sollte sich der Trend fortsetzen. Damit würde der Corona-Effekt eher gering ausfallen, denn im Vorjahr lag das Emissionsvolumen mit 112 Milliarden Euro nur geringfügig höher.

          Wichtiger als Hochzinsanleihen sind in Europa die Kredite an finanzschwache Unternehmen, die sogenannten Leveraged Loans. In der vergangenen Woche warnte die EU-Bankenaufsicht Eba vor diesen Kreditrisiken. Sorge bereitet die hohe Konzentration der Leveraged Loans in wenigen Instituten. Diese summierten sich in einer Gruppe von 26 Banken auf 400 Milliarden Euro, was 2,5 Prozent der Bilanzsumme entspreche.

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