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Scherbaums Börse : Für Anleger ist jetzt Eigenverantwortung wichtig

  • -Aktualisiert am

Für Privatanleger ist der Zeithorizont wichtig. Bild: dpa

Weitere Abstürze sind nicht auszuschließen, doch nach Meinung einiger Fachleute zeichnet sich langsam eine Bodenbildung an der Börse ab. Anleger müssen daher einen langen Zeitraum für ihre Investitionen einplanen.

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          Die überwiegende Zahl der Deutschen ist bekanntlich seit vielen Jahren skeptisch gegenüber Aktien und den Finanzmärkten. Der Corona-Crash war entsprechend für viele ein weiteres Argument aus der Kategorie „ich habe es ja immer gesagt“. Wir Deutschen gehen Umfragen zufolge lieber zum Zahnarzt als zum Bank- oder Finanzberater. Auch das Internet nutzen wir nur wenig, um uns über Finanzthemen zu informieren.

          Das dürfte nach der Corona-Krise nicht anders sein. Im Gegenteil. Viele Menschen werden ihre Abneigung gegenüber der Börse sogar intensivieren. Dabei verschließen sie aber ihre Augen vor einer weiterhin unangenehmen Realität, wenn es um den eigenen Vermögensaufbau geht. Die Situation nach Corona wird unverändert so sein, dass es weiterhin keine Zinsen auf Sparbüchern oder für Anleihen gibt. Letztlich spart sich ein jeder ärmer, denn die Ersparnisse auf Sparbüchern oder Tagesgeldkonten verlieren unter Berücksichtigung der Inflation stetig an Wert, der Weg zur Rendite geht also zum Teil nur über den Finanzmarkt.

          Aus der Vergangenheit lernen

          Fakt ist: So etwas wie das Coronavirus hatte keiner an der Börse auch nur im Ansatz ahnen können. Die bekannten Crash-Propheten rühmen sich zwar jetzt wieder in den sozialen Medien ob ihrer Einschätzungen, doch eine Pandemie hatte niemand auf dem Schirm, der irgendwann in den letzten Jahren einmal das Wort Crash in den Mund genommen hat.

          Klar ist: Der Monat März kann für die internationalen Finanzmärkte als historisch angesehen werden. Weltweit sollen sich allein die Buchverluste der vergangenen Wochen bei Aktien auf über 15.000 Milliarden Dollar summiert haben. Eine unglaubliche und unvorstellbare Zahl.

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          „Dazu kommen noch die Buchverluste bei Unternehmensanleihen, die mittlerweile auch für eine mittlere Bonität eine Ausfallwahrscheinlichkeit von 10 Prozent einpreisen“, so Thomas Böckelmann von Euroswitch. Auf Indexebene seien die Verluste seit Jahresbeginn zwar noch moderat und hätten aber noch nicht das Ausmaß der beiden jüngsten schärferen Rezessionen 2000/2003 und 2008/2009 erreicht.

          Das macht Mut auf der einen Seite. Auf der anderen ist dieses Szenario in erster Linie den Gegenmaßnahmen von Notenbanken und Fiskalpolitik zu verdanken, „die in Europa von der Aussetzung des Stabilitätspaktes bis hin zu Superlativen wie 2.500 Milliarden Dollar Helikopter-Geld in den Vereinigten Staaten reichen“, ergänzt der Experte weiter.

          Virus-Eindämmung ist Schlüsselfaktor

          In wie weit wir an den Börsen nun schon einen Boden gesehen haben – die Meinungen hierzu gehen auseinander. „Zwar sind weitere, abrupte Kursrückgänge nie auszuschließen, dennoch zeichnet sich aus unserer Sicht die Bodenbildung an den Märkten langsam ab“, sagt Michael Jensen, Head of Asset Management und Managing Director bei Moventum AM.

          Eine wirkliche Stabilisierung hänge aber davon ab, wie sich die Infektionszahlen weiter entwickelten. Einen guten Anhaltspunkt liefern die Erfahrungen aus der Vergangenheit: „In den vergangenen 20 Jahren sahen wir drei Krisen, die jeweils so neu waren, dass es keine gelernten Reaktionen darauf gab: den 11. September, Lehman Brothers und mit Abstrichen die Euro-Krise“, so Jensen. „Die jetzige Pandemie gehört ebenfalls in diese Kategorie.“

          „Die Erfolgsaussichten bei der Eindämmung des Virus sind der Schlüsselfaktor für die Marktpsychologie. Die leicht verbesserten medizinischen Daten der vergangenen Tage genügen noch nicht, um zu einer Senkung der Volatilität zu führen“, resümiert derweil Stephen Jones, Chief Investment Officer bei Kames Capital und ergänzt: „Auch lässt sich auf dieser Basis nicht sagen, ob die Finanzmärkte bereits die Talsohle durchschritten haben. Eine nachhaltige wirtschaftliche Erholung ist nur dann möglich, wenn die Marktstimmung glaubt, dass die derzeit geltenden Kontrollen und Beschränkungen eindeutig greifen.“

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