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Geldanlage : Investieren mit dem Familienclan

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Viele deutsche Familienunternehmen sind an der Börse. Anleger profitieren davon. Bild: AP

Im Februar ziehen die großen deutschen Unternehmen an der Börse Bilanz. Anleger sollten die Eigentümerstruktur nicht aus den Augen verlieren. Diese kann über den langfristigen Anlageerfolg entscheiden.

          Familienunternehmen werden oft als Stütze der deutschen Wirtschaft angesehen. Der heimische Mittelstand wäre ohne diese traditionelle Unternehmensform mit stabiler Eigentümerstruktur kaum denkbar. Mit Familienunternehmen verbindet man in Deutschland Tradition, Know-how (über Generationen hinweg) und eine dauerhaft engagierte Familiengruppe. Im Mittelstand sind diese häufig zu finden, aber auch an der Börse. Anleger können davon profitieren.

          Börsennotierte Familienunternehmen sind zumeist klassische Aktiengesellschaften, deren Eigentümerstruktur von einer Gründerfamilie oder eine anderen dauerhaft engagierten Familiengruppe dominiert wird. Andere Rechtsformen wie die Kommanditgesellschaft auf Aktien, kurz KGaA, sind ebenfalls verbreitet.

          Per Definition seitens der Deutschen Börse zeichnen sich Familienunternehmen durch zwei wesentliche Merkmale aus. Das ist zum einen ein Besitz der Gründerfamilie von mindestens 25 Prozent des gesamten Aktienkapitals, was als klassischer Familienbesitz gilt. Zum anderen handelt es sich um ein Familienunternehmen, wenn ein Mitglied der Gründerfamilie im Vorstand oder Aufsichtsrat sitzt und die Gründerfamilie mindestens fünf Prozent des gesamten Aktienkapitals hält. In diesem Fall spricht man an der Börse von Familienmanagement.

          Für einen privaten Anleger hat der Umstand, dass ein börsennotiertes Unternehmen noch (teilweise) familiengeführt ist, Vorteile. So kann man die Gefahr einer feindlichen Übernahme fast ausschließen, da die Eigentumsverhältnisse dies einfach nicht erlauben. Außerdem zeichnen sich solche Unternehmen dadurch aus, dass die Haupteigentümer meist daran interessiert sind, langfristig wirtschaftlichen Erfolg zu haben. Das führt in der Regel zu soliden Kapitalstrukturen. Der Zugang zum Kapitalmarkt über Aktien sorgt wiederum dafür, dass vernünftige Renditeerwartungen auch erfüllt werden.

          Natürlich birgt die Tatsache, dass ein Unternehmen eng mit einer Familie verbunden ist, auch gewisse Risiken für den Anleger. Familie bedeutet immer auch Emotionen, die im Alltag vom Unternehmensziel ablenken bzw. wegführen können. Ein Beispiel dafür aus der Vergangenheit ist sicherlich der Spirituosenhersteller Berentzen gewesen. Der anhaltende Streit der früheren Eigentümerfamilien Berentzen, Pabst und Richarz, der den Niedergang des Schnapsbrenners begleitete, lähmte vor Jahren das Unternehmen und verhinderte lange Zeit eine Neuorientierung.

          In der Regel mit soliden Kapitalstrukturen ausgestattet

          Nun sollte man als Anleger aber nicht immer gleich die Risiken in den Vordergrund stellen. Das Gros der Familienunternehmen wird solide geführt. Wer hier langfristig engagiert sein möchte, tut dieses einfach durch den Kauf von Aktien. Man spielt quasi ein bisschen „Trittbrettfahrer“ und profitiert von den positiven Entwicklungen eines Familienunternehmens – ohne selbst dem Clan anzugehören. Bekannte Beispiele hierfür sind nicht nur unter den Nebenwertenn, sondern auch im Dax zu finden. Der Gesundheitskonzern Fresenius etwa gilt wie der Pharmakonzern Merck oder der Autobauer BMW als Familienunternehmen.

          Nun kann jeder sich eine Liste dieser besagten Unternehmen aufstellen und einzelne Aktien-Investments eingehen. Es gibt aber auch im Bereich der Index-Zertifikate eine interessante Anlagemöglichkeit. Basis hierfür ist der DAXplus Family 30 Index der Deutschen Börse. Dieser bildet die Entwicklung von börsennotierten Familienunternehmen ab. Er umfasst deutsche und internationale Unternehmen aus dem Prime Standard der Frankfurter Wertpapierbörse, die die zuvor genannten Kriterien erfüllen. Aktuell qualifizieren sich dafür mehr als 170 Unternehmen.

          Der DAXplus Family 30-Index umfasst die 30 größten und liquidesten dieser besagten Werte. Die Schweizer Investmentbank Vontobel hat schon im Jahr 2010 ein auf den DAXplus Family 30 Kursindex basierendes Index-Zertifikat (WKN: VT0DL4 / ISIN: DE000VT0DL45) herausgegeben, dessen Entwicklung seitdem positiv ist. Durch eine maximale Gewichtung von 10 Prozent je Unternehmen entsteht für den Anleger auch nicht das klassische Klumpenrisiko bei diesem Index-Zertifikat Wie bei allen Derivaten ist das Kapital nicht garantiert und im ungünstigsten Fall ein Totalverlust möglich. Dass jedoch 30 Traditions-Unternehmen auf einmal pleite gehen, ist wohl eher als unwahrscheinliches Szenario einzustufen.

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