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Börsen : Anleger hoffen auf gutes Ende internationaler Krisen

  • Aktualisiert am

Britische Banknoten Bild: Reuters

Der Kurs der zuletzt gebeutelten Gemeinschaftswährung erholt sich. Auch das britische Pfund legt aufgrund eines Teilerfolgs der Brexit-Gegner zu. Die Aktienmärkte entspannen sich ebenfalls.

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          Der Eurokurs hat am Mittwoch merklich zugelegt. Die europäische Gemeinschaftswährung wurde am Nachmittag mit 1,1024 US-Dollar bewertet. Am Morgen hatte der Euro noch unter 1,10 Dollar notiert. Noch am Dienstag war der Euro auf einen zweijährigen Tiefstand gefallen.

          Unterstützung erhielt der Euro durch Äußerungen der designierten EZB-Präsidentin Christine Lagarde. Sie bekräftigte zwar ihre Haltung, dass die Geldpolitik im Euroraum locker bleiben müsse. Allerdings lenkte sie während einer Anhörung vor dem EU-Parlament den Blick auf negative Nebenwirkungen der seit Jahren extrem expansiven Ausrichtung der EZB. Lagarde soll Anfang November dem aktuellen EZB-Präsident Mario Draghi nachfolgen.

          Zudem wurde der Euro durch die Regierungsbildung in Italien gestützt. Ministerpräsident Giuseppe Conte stellte die designierten Regierungsmitglieder vor, die am Donnerstag vereidigt werden sollen. Am Dienstag hatte sich die Fünf-Sterne-Bewegung bei einer Onlineabstimmung für eine Koalition mit den Sozialdemokraten (PD) ausgesprochen. Die Kurse italienischer Staatsanleihen legten merklich zu.

          Gestiegen ist auch der Kurs des britischen Pfunds. Dem britischen Parlament war am Dienstagabend ein erster Schritt gelungen, um einen EU-Austritt ohne Anschlussvereinbarung Ende Oktober zu verhindern. Der britische Premierminister Boris Johnson will am 15. Oktober ein neues Parlament wählen lassen, sollten ihm die Abgeordneten den Weg zu einem Brexit ohne eine Einigung mit der EU per Gesetz versperren. Noch am Dienstag war das Pfund zum Dollar auf ein mehrjähriges Tief gefallen.

          Zur Entspannung trug ebenfalls bei, dass die britische Notenbank von Schätzungen abrückte, wonach ein ungeregelter Brexit das Land härter als die Finanzkrise treffen könnte. Notenbankchef Mark Carney sagte am Mittwoch, die Bank of England gehe mittlerweile davon aus, dass die Wirtschaftskraft im schlimmsten Fall binnen ungefähr eines Jahres um 5,5 Prozent schrumpfen würde. Im November war sie noch von minus acht Prozent ausgegangen. Zum Vergleich: In der Finanzkrise waren es minus 6,25 Prozent.

          GBP/EUR

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          Die Erholung des Pfundes könnte laut Analyst David Lusow vom Handelshaus IG nur vorübergehender Natur sein. Neuwahlen würden viele Risiken bergen. „Johnson will damit insbesondere auf Zeit spielen und eventuell seinen Vorsprung bei den aktuellen Umfragen ausnutzen“, so Lusow. Ein Brexit ohne eine Einigung mit der EU werde durch Neuwahlen wahrscheinlicher. Die Kurse italienischer Staatsanleihen legten zu.

          Die Ölpreise haben am Mittwoch im Tagesverlauf ihre Gewinne deutlich ausgeweitet. Händler verwiesen auf die bessere Anlegerstimmung. Ein Barrel (159 Liter) der Nordseesorte Brent kostete zuletzt 60,41 Dollar. Das waren 2,17 Cent mehr als am Vortag. Der Preis für ein Barrel der amerikanischen Sorte West Texas Intermediate (WTI) stieg um 2,08 Dollar auf 56,02 Dollar. Am Markt wurden mehrere Gründe für die Preisaufschläge genannt. Zum einen sorgte die bessere Stimmung an den Finanzmärkten für Interesse an riskanteren Anlageklassen, zu denen auch Rohstoffe gehören.

          Für Aufhellung sorgte auch die Rücknahme des Entwurfs zum umstrittenen Auslieferungsgesetz in Hongkong. Das Vorhaben gilt als Auslöser der Massenproteste in der Sonderverwaltungszone Chinas. Am Rohölmarkt sorgte auch der schwächere US-Dollar für eine Preiserholung. Rohöl wird in Dollar gehandelt. Ein schwächerer Dollar macht Rohöl in anderen Währungsräumen teurer.

          Verunsichert sind Marktteilnehmer nach wie vor wegen der zahlreichen politischen Konfliktherde auf der Welt. Sorgen bereitet vor allem der Handelskonflikt zwischen den Vereinigten Staaten und China. Eine Einigung ist nicht in Sicht. Die konjunkturellen Gefahren des Konflikts sind hoch, wie eine scharfe Stimmungseintrübung in der US-Industrie am Dienstag gezeigt hat. Über kurz oder lang könnte sich der Disput in einer fallenden Ölnachfrage niederschlagen.

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