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Anleger-Betrug : Miese Geschäfte auf Kosten gutgläubiger Anleger

  • Aktualisiert am

Im Visier der Staatsanwälte: Fonds-Guru Bernd Förtsch Bild:

Wo viel Licht ist, da ist auch viel Schatten. Das trifft zumindest auf Bernd Förtsch und seine Fonds für Wachstumsaktien zu. Statt guter Fondsergebnisse liefert der im Moment eher eine Zielscheibe für den Staatsanwalt ab.

          Nach Marian von Korff, Fondsberater der VMR Value Management Research AG und Kurt Ochner, Geschäftsführer der Julius Bär Kapitalanlage AG, hat es jetzt erneut einen vermeintlichen Aktien-Guru erwischt. Diesmal hat nicht der Spiegel zugeschlagen, sondern die Bild-Zeitung. Ziel des Angriffs ist Bernd Förtsch, neben seiner Beraterarbeit für Fondsgesellschaften auch Herausgeber und Chefredakteur der Anleger-Zeitschrift "Der Aktionär". Am vergangenen Donnerstag bereits hatte die Polizei verschiedene Wohnungen und Geschäftsräume in Stuttgart sowie im oberfränkischen Kulmbach durchsucht.

          Jetzt ermittelt die Stuttgarter Staatsanwaltschaft gegen drei Personen. Namen wollte Oberstaatsanwalt Rainer Christ allerdings nicht nennen. Die hatte ja auch schon die Bild-Zeitung in ihrer Dienstag-Ausgabe veröffentlicht. Demnach konzentrieren sich die Ermittlungen der Staatsanwaltschaft neben Förtschs stellvertretendem Chefredakteur Sascha Opel auch auf einen bisher nicht namentlich genannten Stuttgarter Vermögensverwalter. Offiziell lautet der Hauptvorwurf auf Verstoß gegen das Kreditwesengesetz. In Börsenkreisen wird das Ganze als sogenanntes "Scalping" bezeichnet, eine besonders miese Form des Insiderhandels, um Anleger systematisch über den Tisch zu ziehen.

          Die beiden Beschuldigten, die die Tat nach Angaben von Oberstaatsanwalt Rainer Christ im Grunde bereits gestanden haben, stehen schon seit einigen Wochen unter der Beobachtung der Behörden. Das bestätigte Regina Nößner, Sprecherin des Bundesaufsichtsamtes für den Wertpapierhandel, die den ermittelnden Staatsanwalt bei den Hausdurchsuchungen begleitet hat. "Wir fungieren in solchen Fällen im Grunde als sachverständiger Zeuge für die Staatsanwaltschaft", so Nößner.

          Keiner Schuld bewusst

          "Ich habe mir nichts vorzuwerfen", kommentierte Bernd Förtsch die Vorwürfe in einer ersten Stellungnahme. Sascha Opel sei bereits seit Donnerstag vergangener Woche von seiner Aufgabe suspendiert, bleibe aber in seinen Augen bis zum Beweis des Gegenteils unschuldig. Doch lässt ihn der ganze Vorfall keineswegs kalt. "Es ist mir wichtig, die Sache möglichst schnell vom Tisch zu bringen", betont Förtsch, der sich am Dienstag kommender Woche gegenüber dem Landeskriminalamt Stuttgart erklären wird. Seine Befürchtung: Einige Banken seien bereits dabei, Anlegern telefonisch zum Verkauf der "Förtsch-Fonds" zu raten. Jetzt, da er angeschlagen sei, stünden immerhin rund drei Milliarden Mark an Fondsgeldern zur Disposition, die er derzeit unter Beratung habe.

          Keine einfache Situation auch für die Fondsgesellschaft Universal, die mit der von Bernd Förtsch als Geschäftsführer betriebenen Gesellschaft für Börsenkommunikation Beraterverträge abgeschlossen hat. Der Kulmbacher berät insgesamt drei Universal-Fonds, neben dem Dynamis Universal und dem DAC Fonds UI auch der DAC Kontrast Universal. Die beiden letzten investieren vor allem in kleinere Werte, neben Neuer-Markt-Aktien zu einem gehörigen Teil auch in europäische Unternehmen sowie Nasdaq-Werte.

          Treue Fondsverwalter

          Doch die Universal sieht in der aktuellen Situation noch keineswegs einen Grund, sich von ihrem Fondsberater Förtsch vorzeitig zu trennen. "Wohin würde uns das führen, wenn wir aufgrund eines Zeitungsberichts und in einem Stadium, in dem noch Ermittlungen laufen, aber keinerlei handfeste Ergebnisse vorliegen, einmal geschlossene Verträge gleich in Frage stellen würden", fragt Universal-Geschäftsführer Bernd Vorbeck. "Außerdem: Wir sind ja nicht naiv. Wir wussten ja vorher, dass wir uns da jemand einkaufen mit einer hohen Öffentlichkeitswirkung, der zudem auch noch eine eigene Börsenpublikation betreibt." Zudem sei die Fondsgesellschaft bisher sehr zufrieden mit den Ergebnissen, die Förtsch den entsprechenden Fonds beschert habe. "Selbst in der zuletzt beobachteten starken Abschwungphase am Neuen Markt haben sich die Fonds vergleichsweise gut gehalten", so Vorbeck.

          Von einem möglichen Kurssturz am Neuen Markt, den die Affäre um Förtsch eventuell auslösen könn-te, will Vorbeck deshalb auch erst gar nichts wissen. Und selbst wenn es zu größeren Rückgaben von Fondsanteilen kommen sollte, sieht sich die Universal nicht unter Druck. Vorbeck: "Wir sind durch ein ausgereiftes Liquiditätsmanagement jederzeit in der Lage, auch größere Anteilverkäufe ohne Probleme zu verkraften." Und außerdem habe es schließlich auch schon früher kritischen Presseberichten zu Förtsch gegeben, die sich weder auf die Kurse einzelner Aktien ausgewirkt hätten, noch zu größeren Schwankungen des Fondsvermögens geführt hätten. "Aus meiner Sicht", so Vorbeck, "wird derzeit auch ein wenig überschätzt, was da manipuliert werden könnte."

          Fonds werden abgestraft

          Über den reinen Tatbestand des Scalping und seine Strafbarkeit kann man übrigens sehr unterschiedlicher Auffassung sein. Regina Nößen vom Bundesaufsichtsamt für den Wertpapierhandel sieht darin einen klaren Insiderverstoß, der geahndet gehört. Anders denkt darüber Harald Petersen, Vorstandsmitglied der Schutzgemeinschaft der Kleinaktionäre (SdK). Er hält "Scalping" persönlich zwar für "unmoralisch, aber nicht strafbar" - zumindest solange keine falschen Tatsachen über Unternehmen verbreitet werden. In den USA würden sich die selbst ernannten Börsenhaie sogar dazu bekennen, dass sie von ihrer Werbung für ein bestimmtes Papier profitieren wollen.

          Im Kleingedruckten von Förtschs Zeitschrift findet der Leser, der es genau wissen will, immerhin den Hinweis, dass es bei einem Aktiengeschäft "im schlimmsten Fall sogar zum Totalverlust" kommen kann. So weit kam es im Handel am Neuen Markt dann nicht, wenn auch die seltsamen Kursbewe-gungen - gegen 19 Uhr lag die Nasdaq knapp 5 Prozent im Plus, der Nemax 50 rund 1,7 Prozent im Minus - zu so mancher Spekulation Anlass gaben. Förtschs Fonds verloren sogar noch mehr: 3,3 Prozent minus im DAC Kontrast Universal und sogar 5,7 Prozent Rückgang im DAC Fonds UI.

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