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Anlagestrategie : Nanostart: Umstrittene Kulmbacher Verbindungen

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Kurz könnte dagegen der Höhenflug der Nanostart AG gewesen sein, die sich selbst als auf Nanotechnik spezialisierter Wagniskapitalgeber versteht. Das Papier ist aufgrund seiner Aktionärsstruktur höchst umstritten.

          Kurz könnte dagegen der Höhenflug der Nanostart AG gewesen sein, die sich selbst als auf Nanotechnik spezialisierter Wagniskapitalgeber versteht und Beteiligungen an mittlerweile elf Unternehmen vermeldet. Anfang Juni zu 3,90 Euro an die Börse gekommen, schoß die Aktie bis Mittwoch auf 15,15 Euro (also um 289 Prozent) hoch. Am Donnerstag ging es aber zunächst massiv abwärts. Das Papier fiel um zwölf Prozent, erholte sich dann aber bald und beendete den Handel bei 14,15 Euro.

          Das Papier ist aufgrund seiner Aktionärsstruktur höchst umstritten. 86,75 Prozent der Aktien hält die Kulmbacher BF Holding des umstrittenen Herausgebers des Anlegermagazins „Der Aktionär“, Bernd Förtsch. Weitere zehn Prozent hält Vorstandschef Marco Beckmann. Dieser ist laut „Welt am Sonntag“ (WAMS)zugleich im Auftrag der GFBK Gesellschaft für Börsenkommunikation Berater des Fonds H&A Lux DAC Nanotech, der im September 2003 von der Luxemburger Tochter des Bankhauses Hauck & Aufhäuser aufgelegt wurde. Geschäftsführer der GFBK ist wiederum Bernd Förtsch. Zudem war Beckmann laut WAMS Redakteur beim von Förtsch herausgegebenen „Nanotech-Report“.

          Vermißt: Unternehmerisches Know-How

          Gleichzeitig vermißt der Branchendienst VDI-Nachrichten bei der Nanostart AG unternehmerisches Know-how. Vorstand Marco Beckmann habe zwar mehrere Bücher über Nanotechnologie und Börse geschrieben, nach eigenen Angaben aber bisher weder einen Start-Up auf die Beine gestellt, noch ein Unternehmen verkauft oder an die Börse gebracht. Auch scheine Nanostart eher Anleger als Start-Ups ansprechen zu wollen. Jedenfalls erwecke die Homepage diesen Eindruck. Vergeblich suche man eine ausführliche Erklärung der Investment-Strategie oder eine Liste mit Anforderungen an potentielle Beteiligungen. Unklar bleibe auch, an wen Interessenten ihre Geschäftskonzepte schicken sollen. Und da man sich laut Aussage von Beckmann „schwerpunktmäßig in der letzten Runde vor dem Börsengang“ engagiere, seien Start-ups wohl überhaupt an der falschen Adresse. Ausführliche Informationen gibt es allerdings über Beteiligungsmöglichkeiten am H&A Lux DAC Nanotech Fonds.

          Offen sei auch, so die VDI Nachrichten, über wie viel Mittel Nanostart eigentlich verfüge. Laut Angaben der Firma habe diese „Zugriff auf einen zweistelligen Millionen-Betrag“. Man fragt sich, wem dieses Geld im Gegensatz zum „Zugriff darauf“ gehört.

          Beteiligungen - die unbekannte Größe

          Ganz negativ für Anleger ist obendrein der minimale Streubesitz, der Kursmanipulationen Tür und Tor öffnet. Von einer Börsennotiz mag man bei einem Streubesitz, der sich laut Nanostart-Selbstporträt auf 146.250 Aktien beläuft, eigentlich gar nicht reden. Warum, um Himmels willen, bringt man eigentlich ein Unternehmen an die Börse und dann doch nicht? Beckmann bestritt gegenüber den VDI-Nachrichten jedenfalls Verkaufsabsichten. Das gelte seines Wissens auch für die BF Holding. Eine Stillhaltevereinbarung hätten aber beide nicht, berichtet die WAMS.

          Bewertet ist Nanostart beim aktuellen Kurs von 14,20 Euro übrigens mit 63,9 Millionen Euro - ein reichlich großer Vertrauensvorschuß für ein Unternehmen mit einem Portfolio unbekannter Unternehmen unbekannten Werts. Das Anlagevermögen wurde zwar zum 31.12.2004 auf 2,68 Millionen Euro beziffert, doch sind sieben der elf Beteiligungen erst danach eingegangen worden. Immerhin haben zwei der elf Unternehmen Zahlen veröffentlicht. Die schwedische Obducat setzte im vergangenen Jahr umgerechnet 2,85 Millionen Euro um, 30 Prozent weniger als im Vorjahr und verzeichnete einen Vorsteuerverlust von 4,25 Millionen Euro, 26 Prozent mehr als im Vorjahr. Arrowhead verbuchte seit Gründung im Mai 2003 bis zum 31. März 2005 Umsätze in Höhe von 403.410 Dollar bei einem Betriebsverlust von 6,8 Millionen Dollar.

          Über die Beteiligung MagForce berichtet wiederum das Handelsblatt. Das Unternehmen werbe damit, eine Technologie zu besitzen, die Tumorzellen spezifisch, nebenwirkungsfrei und kontaktlos von außen zerstöre. Aber einem amerikanischen Unternehmen, das an einer ähnlichen Technologie arbeite, hätten die dortigen Gesundheitsbehörden kürzlich erst die Zulassung versagt. Vor allem aber sagte laut Handelsblatt ein führender deutscher Gehirntumorforscher, es lasse sich über MagForce in keiner anerkannten wissenschaftlichen Abhandlung etwas finden.

          Gold-Zack: Immer für einen Zock gut

          Schon bei einem Börsenwert von 54 Millionen Euro nannte Daniel Kehrbach, der den Activest Nanotech-Fonds verwaltet, laut WAMS die Aktie „schlicht zu teuer“. Der Börsenwert sei fast acht Mal so hoch wie der Buchwert. Die vergleichbare amerikanische Harris & Harris, habe einen Preis-Buchwert von etwas über zwei. Mittlerweile liegt das Preis-Buchwert-Verhältnis von Nanostart bei 11,1.

          Wie sich Phantastereien in Kurssteigerungen und Kurssteigerungen in Phantastereien niederschlagen, zeigt sich nirgends deutlicher als in der Aktie der insolventen Gold-Zack AG. Diese hat im vergangenen Monat nicht weniger als 115 Prozent und seit Februar sogar 687,5 Prozent zugelegt. Substantielle Gründe lassen sich dafür keine ausmachen. Seit dem Insolvenzantrag im Juni 2003 war nichts mehr von dem einistigen Star-Berater-Unternehmen des Neuen Marktes zu hören. Noch nicht einmal die Website ist mehr erreichbar. Mehr ist indes in den Foren von Wallstreet-Online los. Die Einträge sprechen für sich.

          So meint „trion“: „Gold-Zack war schon immer für einen Zock gut!“ und begrüßt am Freitag morgen die Gemeinde: „Nach diesem imposanten Kursanstieg ist es nur noch ein Frage der Zeit, bis die News kommen.“ Da kann man es nur mit „Balsam“ halten, der trocken antwortet: „Oder eine Frage der Zeit, bis der Kurs zusammenbricht.“

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