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Anlagestrategie : Jetzt auf die Rezession vorbereiten

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Noch sprühen die Funken der Konjunktur. Bild: dapd

Wie lange läuft die gute Konjunktur noch? Kommt eine Krise – und was soll man tun? Antworten von JP Morgan.

          2 Min.

          Fast 10 Jahre währt der Aufschwung in den Vereinigten Staaten schon und so stellt sich die Frage, ob dieser nicht bald enden könnte und was dies für die Welt bedeutet. Karen Ward und Tillmann Galler, Strategen der Fondsgesellschaft von JP Morgan wissen auch nicht, wann genau dies sein wird. Denn dazu seien die Signale zu widersprüchlich.

          Die Arbeitslosenquote in Amerika liegt auf dem tiefsten Stand seit fast fünfzig Jahren. Das lege nahe, dass sich der Aufschwung seinem Ende nähere. Doch da das Lohnwachstum gedämpft bleibt und die Produktivität zuletzt gestiegen ist, stehen die Unternehmensgewinne noch nicht unter Druck. Im Gegenteil, selbst ohne die Auswirkungen der Steuerreform , hätten die Unternehmen des S&P 500-Aktienindex Unternehmen im zweiten Quartal solide Gewinnzuwächse verzeichnet. Auf der anderen Seite stiegen die Leitzinsen, was verschuldete Unternehmen zunehmend belaste.

          Keine Krise, nur eine Rezession

          In Europa sei der Konjunkturzyklus weniger weit fortgeschritten, Großbritannien mit den Unsicherheiten rund um den Brexit zurückgefallen. Auch wenn die Arbeitslosigkeit auf dem tiefsten Stand seit mehreren Jahrzehnten liege, zeige sich die Bank of England wenig geneigt, die Zinsen zu erhöhen.

          Dennoch würde ein Abschwung in den Vereinigten Staaten die Konjunktur weltweiten abkühlen. Doch rechnen die Strategen mit einer Rezession herkömmlichen Musters und nicht mit einem geharnischten Konjunktureinbruch. Das Finanzsystem sei besser mit Kapital ausgestattet und transparenter geworden, die Ansteckungsgefahr mithin geringer.

          Auch die Erwartungen der Aktienmärkte seien deutlich bescheidener als etwa während der Dotcom-Blase im März 2000, als die Technologieaktien im S&P 500 mit einem Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) von 55, gegenüber dem Aktienmarkt mit 25 bewertet waren. Derzeit betrage das KGV der Technologieaktien 19, der Markt im allgemeinen liege im historischen Durchschnitt.

          Vorsicht mit Anleihen

          Dennoch scheine es geraten, Portfolien weniger anfällig zu machen. Während amerikanische Anleger aufgrund der gestiegenen Zinsen wieder zu Staatsanleihen greifen könnten, sehe es für europäische Anleger weniger gut aus. Ein kurzfristiger Abschwung könnte sogar abermals Fragen zur Fähigkeit einiger Regierungen aufwerfen, das hohe Verschuldungsniveau zu tragen. Wenn darüber hinaus ein Abschwung eine weitere Verschiebung zu einer radikaleren Politik populistischer Parteien erzeugte,  könnte der Markt die „risikolose“ Beschaffenheit einiger Staatsanleihen in Frage stellen, und zwar auch über die europäische Peripherie hinaus.

          Auch Unternehmensanleihen seien nicht das Non-plus-ultra. Fast die Hälfte des amerikanischen Investment-Grade-Index bestehe aus Anleihen mit dem niedrigsten zulässigen Rating (BBB). Deswegen bedürfe es genauerer Abwägung.

          Doch die Strategen haben weitere Tipps: So etwa empfehlen sie eine annähend neutrale Aktienposition, die allerdings nicht untergewichtet. Denn die Aktienmärkte schnitten erfahrungsgemäß am Ende eines Zyklus gut ab. Manch anderes scheint fast selbstverständlich: Regional gestreut investieren, Standradwerte übergewichten und verstärkt auf Substanzwerte setzen und die Liquidität zu erhöhen.

          Schwer umzusetzen für Privatanleger ist die Empfehlung, flexibel über Regionen, Laufzeiten und Risiken zu investieren oder Strategien mit niedriger Korrelation zu Risikoanlagen, wie etwa Makro-Strategien und Long-/Short-Aktienlösungen anzuwenden.

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