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Anlagestrategie : Fonds für 7 Milliarden Menschen

  • -Aktualisiert am

Neuer Erdenbürger: Dieses Baby kam am Montag in Louisville in den Vereinigten Staaten zur Welt. Bild: REUTERS

Nahrungsmittel für 7 Milliarden Menschen zu erzeugen ist keine einfache Aufgabe. Doch daraus ergeben sich auch Chancen für nachhaltig orientierte Anleger.

          Sieben Milliarden Menschen zählt der Erdball seit diesem Montag. Dabei wurde erst vor 12 Jahren die Marke von 6 Milliarden erreicht. Dies stellt auch die Erzeuger von Nahrungsmitteln vor große Aufgaben: Bei knapper werdenden Rohstoffen und Ressourcen müssen sie immer größere Mengen an Nahrungsmitteln erzeugen.

          In den nächsten 40 Jahren wird die Weltbevölkerung um ein weiteres Drittel auf 9 Milliarden Menschen wachsen, schätzt das World Economic Forum in einem Bericht über die globale Landwirtschaft, der in diesem Jahr erschienen ist. Das wird laut der britischen Fondsgesellschaft F&C auch Folgen für Kapitalanleger haben. „Durch Nahrungsmittelknappheiten und höhere Preise steigt das Risiko sozialer Unruhen, und – im Extremfall – kann es zu Massenauswanderungen kommen. In Tunesien und Ägypten gab es bereits Aufstände“, heißt es in einer F&C-Studie.

          Chancen für Anleger

          Der größte Teil des Bevölkerungswachstums wird auf die Schwellenländer entfallen. Neben der zusätzlichen Zahl an Menschen, die ernährt werden müssen, kommt eine höhere Beanspruchung von Boden und Wasserressourcen hinzu sowie ein relativ hohes Wirtschaftswachstum und eine fortschreitende Verstädterung.

          Für Politiker mögen diese Aufgaben komplex sein. Doch für Anleger bieten sie auch Chancen. So dürften die Aktien von Nahrungsmittelherstellern wie Nestlé, Danone oder auch Kraft Foods von diesem Trend profitieren, aber auch die Werte von allen Herstellern von Gütern des alltäglichen Bedarfs.

          Fonds für die Weltbevölkerung

          Manche Fondsgesellschaften haben sich auf den Trend eingestellt und entsprechende Produkte aufgelegt. So vertreibt die britische Fondsgesellschaft M&G auch in Deutschland eine Euro-Tranche ihres Fonds Global Basics (Isin GB0030932676), der mittlerweile ein Fondsvermögen von 6,1 Milliarden Pfund (knapp 7 Milliarden Euro).

          Fondsmanager Graham French ist derzeit stark in Ölwerten engagiert. Der Explorationsexperte Tullow Oil und die amerikanische Ölgesellschaft Chevron waren zuletzt seine beiden größten Einzelpositionen. Kein Wunder, wird denn auch laut der ebenfalls britischen Fondsgesellschaft F&C ein steigender Ölpreis unweigerliche Folge des Bevölkerungswachstums sein.

          Problematische Emissionen

          Neben knapper werdenden Ressourcen wird ein Anstieg der Verschmutzung Geldanlagen ändern.  „Seit über zehn Jahren hält F&C Nahrungsmittel- und Getränkehersteller dazu an, weniger Treibhausgase zu produzieren“, heißt es weiter bei F&C. „Zwar gibt es in der landwirtschaftlichen Lieferkette noch immer große Probleme, doch haben die meisten großen internationalen Unternehmen wirksame Verfahren entwickelt, um die bei der Nahrungsmittelproduktion entstehenden CO2-Emissionen zu verringern.“

          In Deutschland ist ein Ableger der international tätigen Organisation Carbone Disclosure Project (CDP) aktiv, um börsennotierte Unternehmen anzuhalten, weniger Emissionen zu verursachen. Der letzte Jahresbericht von CDP Deutschland war jedoch ernüchternd.

          Nachhaltige Geldanlagen

          Anleger, die vom Anstieg der Weltbevölkerung profitieren wollen, sollten sich auf jeden Fall auch Schwellenländer-Fonds anschauen. Viele Anleger orientieren sich zudem wegen der intensiveren Inanspruchnahme unseres Planeten in Richtung nachhaltige Geldanlagen.

          Die Überlegung, die dahinter steht, lautet, dass sich beispielsweise eine intensivere Landwirtschaft auf der Welt nur durchsetzen lässt, wenn die Böden auch entsprechend sorgfältig und schonend bearbeitet werden.

          Höhere Rendite

          Katharine Trimpop, verantwortlich für Nachhaltigkeit bei der Kölner Fondsgesellschaft Monega, meint, dass nachhaltige Geldanlagen auch durch die Energiewende in Deutschland interessanter geworden sind. Davon profitieren auch Unternehmen wie ABB oder Siemens.

          Nachhaltige Geldanlagen lohnten sich außerdem zunehmend auch unter finanziellen Gesichtspunkten. Dies zeigt sich auch in der besseren Wertentwicklung nachhaltiger Unternehmen: „Sozial-ethisch und ökologisch nachhaltig handelnde Firmen reduzieren die Konflikte mit ihren Anspruchsgruppen, sparen dank ressourcenschonender Prozesse Geld und müssen nicht kostspielige Nachbesserungen bei Veränderungen des regulatorischen Umfelds vornehmen“, meint Trimpop. „So hat der Dow Jones Sustainability World Index in den letzten drei Jahren (per 30.09.2011) mit einem Minus von 1,3 Prozent jährlich besser abgeschnitten als der MSCI World Index, der im selben Zeitraum rund 2,3 Prozent jährlich verloren hat.“

          Die rapiden Veränderungen auf der Welt sollten die Anleger jedenfalls dazu bringen, ihre Geldanlagen und die langfristige Ausrichtung ihres Portfolios zu überdenken.

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