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Anlagestrategie : „Deutsche Aktien sind alles andere als teuer“

  • -Aktualisiert am

Volkswirt Heino Ruland war deutschen Aktien gegenüber lange Zeit vorsichtig gestimmt. Doch nun hat er deren Gewichtung angehoben.

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          Die jüngste Zinssenkung durch die Europäische Zentralbank dürfte zu spät kommen, um in Deutschland eine Rezession zu verhindern. Schließlich wirken geldpolitische Maßnahmen erst nach einer zeitlichen Verzögerung von bis zu zwölf Monaten. Trotzdem glauben wir, dass von dieser negativen konjunkturellen Entwicklung in den Aktienkursen bereits viel vorweg genommen ist.

          So kam die Kurserholung am Ende der Vorwoche nicht sonderlich überraschend. Denn einige der großen Dax-Werte wie DaimlerChrysler, Degussa, Lufthansa, MAN und Thyssen notierten auf Basis der Kurse vom Montag unter ihren letztjährigen Buchwerten. Dieser Umstand signalisiert, dass die Anleger nun begonnen haben, Verluste einzupreisen.

          Deutsche Aktien hoch-, Anleihen herunter gestuft

          Allerdings dürfte es auch noch zu früh sein, um eine langanhaltende Kurserholung auszurufen. Trotzdem haben wir uns dazu entschieden, Aktien zu Lasten von Anleihen höher zu gewichten. Während wir Aktien nun nicht mehr unter- sondern neutral gewichten, haben wir Anleihen von über- auf untergewichten zurückgestuft. Eine noch optimistischere Haltung gegenüber Aktien wird dadurch verhindern, dass die Marktteilnehmer derzeit offenbar noch überlegen, ob nach den jüngsten Ereignissen wie den Attentaten in den USA künftig eine höhere Risikoprämie für Aktien gezahlt werden muss.

          Um dieser Frage nachzugehen, konzentrieren wir uns in Sachen Bewertung derzeit auf das Kurs-Buchwert-Verhältnis. Als Analysemethode ist dieses Kriterium momentan aus unserer Sicht wegen der Unsicherheit hinsichtlich der künftigen Gewinnschätzungen geeigneter als eine Abstellung auf das Kurs-Gewinn-Verhältnis. Als historische Vergleichsperiode erscheinen uns die Jahren 1988/1989 geeignet zu sein. Damals näherte sich die Konjunkturzyklen anführende angelsächsische Welt ebenfalls einer Rezession. Gleichzeitig stellte Deutschland damals die Grenze zum Kommunismus dar.

          Günstiges Kurs-Buchwert-Verhältnis

          Der Unterschied zu damals besteht heute darin, dass der Kommunismus durch den Terrorismus ersetzt wurde. Durch die weltumspannende Allianz im Kampf gegen den Terror verringern sich verglichen mit dem langwierigen Kalten Krieg die finanziellen Risiken. Dennoch betrug das Kurs-Buchwert-Verhältnis der Dax-Werte auch damals das 1,8fache. Klammert man die Banken und Versicherungen aus, errechnet sich heute ein Multiplikator von 2,0. Und dass, obwohl sich der Dax inzwischen deutlich verändert hat und hoch bewertete Titel wie Deutsche Post, Deutsche Telekom, SAP und MLP beinhaltet.

          Das lässt den Schluss zu, dass Aktien inzwischen alles andere als teuer sind. Allerdings ist es eine Frage des Timings, ab wann sich eine agressive Anlage in Aktien auch wirklich lohnen wird. Aus unserer Sicht handelt es sich dabei derzeit aber mehr um ein psychologisches als um ein strategisches Problem.

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