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Anlagestrategie : Attraktive Value-Aktien

Kabel bringen Geld: Aktien von etablierten Technikfirmen sind oft günstig. Bild: dpa

Value-Aktien bringen stabilen Gewinn und kosten nicht viel Geld. Die Auswahl ist groß.

          3 Min.

          Wie hat Superinvestor Warren Buffett sein Vermögen gemacht? Nicht indem er ständig auf das neueste Start-up setzte. Sondern indem er wartete, bis etablierte Firmen günstig zu haben waren. Dann schlug er zu. Damit hat er nicht immer die richtige Firma zur richtigen Zeit erwischt, aber am Ende hat er mehr verdient als fast alle anderen Investoren zusammen.

          Patrick Bernau

          Verantwortlicher Redakteur für Wirtschaft und „Geld & Mehr“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Das ist das Prinzip der "Value"Investoren: Sie suchen Firmen mit stabilem Geschäft, verlässlichen Gewinnen, hohen Ausschüttungen und einem Kurs, der im Verhältnis dazu günstig ist. Im Gegenzug verzichten sie auf Wachstumsphantasie. Und gedulden sich, bis die anderen Investoren den Wert dieser Firma ebenfalls erkennen.

          Im Aufschwung laufen Value-Aktien gut

          Jetzt könnte es so weit sein. "In den vergangenen drei Jahren sind Value-Aktien schlechter gelaufen als Wachstumsaktien", sagt der Vermögensverwalter Hendrik Leber. "Aber seit einigen Monaten dreht sich die Tendenz."

          Typischerweise funktionieren Value-Aktien im Aufschwung gut, und den könnte die Börse jetzt vorwegnehmen, glaubt Leber. "Die Kurse steigen oft, wenn die Wirtschaft noch in der Krise steckt, die Börse blickt ja in die Zukunft" - und das sei die Zeit der Value-Aktien. Unterstützung bekommt er von seinem Konkurrenten, dem Vermögensverwalter Frank Lingohr. Der verweist auf China: Dessen Zentralbank werde demnächst wohl die Zinsen senken, dann komme die Wirtschaft wieder in Schwung, und das sei gut für die deutschen Exporteure.

          In krisenresistente Firmen investieren

          All das funktioniert nur, wenn die Euro-Krise nicht wieder schärfer wird. Den wahren Value-Investor würde allerdings nicht mal das anfechten. Er beteiligt sich an Firmen, die auch große Krisen überstehen können. Und dass der Kurs zwischenzeitlich mal nach unten geht, stört ihn nicht. Er weiß: Er hat schon günstig gekauft.

          Das heißt noch lange nicht, dass jetzt alle Aktien interessant sind. Das zeigt der renommierte amerikanische Ökonom Robert Shiller: Um die Preise von Aktien unabhängig von Konjunkturschwankungen zu bewerten, vergleicht er die Kurse mit dem durchschnittlichen Gewinn der vergangenen zehn Jahre. Für den amerikanischen Aktienmarkt zum Beispiel kommt er auf einen Aktienkurs von 21 Dollar pro Dollar Durchschnittsgewinn - das ist deutlich mehr als der langjährige Durchschnitt von 16.

          Netzwerkausrüster, Hardware und Softwarekonzerne

          Doch das macht noch nicht alle Aktien teuer. Wer auf Value-Aktien setzt, der findet inzwischen viele gute Angebote - findet Hendrik Leber. Er hat zur Analyse ein Computermodell, in das viele unterschiedliche Faktoren eingehen. Und das bringt ein bemerkenswertes Ergebnis: "Es gab in den vergangenen zehn Jahren nur zwei Zeiten, zu denen so viele Aktien günstig waren: Die Jahreswechsel 2002/03 und 2008/09." In beiden Fällen war das die Trendwende nach einem längeren Kursrückgang.

          Und so finden Value-Investoren derzeit viele Aktien, die sie interessant finden. Hendrik Leber zählt einige Technikfirmen dazu, den Netzwerkausrüster Cisco ebenso wie den Hardwarehersteller Western Digital. Und der Softwarekonzern Microsoft. "Die Firma ist wie ein Wasserwerk: Man liebt das Produkt nicht, aber man braucht's", sagt Leber. Auch bei Lebers Konkurrent, dem Vermögensverwalter Frank Lingohr, steht Microsoft auf der Liste der Favoriten. "Microsoft kann eine gute Investition sein, wenn das Geschäft stabil bleibt", sagt er. "Wenn es mit neuen Produkten wie Windows 8 Erfolg erzielt, kann die Aktie außergewöhnlich gut laufen."

          BASF, RWE und Astra-Zeneca

          Der Haken an diesen Aktien ist: Sie werden in Dollar gehandelt. Wenn der Euro gegenüber dem Dollar stärker wird, verlieren Anleger Geld. Doch auch im Euroraum finden sich attraktive Aktien.

          Lingohr mag zum Beispiel den deutschen Chemiekonzern BASF, der für seine Eigenkapitalmenge recht viel Geld verdient und mit einer Dividendenrendite von fast vier Prozent allein mehr Gewinnausschüttung bringt als die meisten Bundesanleihen und Tagesgeldkonten.

          Leber schätzt auch die Aktie von RWE - sie sei so tief gefallen, dass es kaum noch weiter nach unten gehen könne. Und wenn es um Pharma geht, empfiehlt er den britisch-schwedischen Konzern Astra-Zeneca. "Pharma ist zurzeit relativ günstig, weil jeder glaubt, dass die Firmen in Zukunft Probleme bekommen, weil sie nicht genügend neue Medikamente entwickeln und ihre Pipelines leer sind", sagt Leber. "Es gibt aber Firmen, die trotzdem noch eine gute Pipeline haben. Astra-Zeneca gehört dazu."

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