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Anlage-Strategie : Wie Anleger mit der Zeitenwende an den Märkten umgehen sollten

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Selbst nur zur Erhaltung der Kaufkraft müssen Anleger heutzutage mit spitzem Stift rechnen Bild: dpa

Die Niedrigzinsphase gepaart mit zum Teil negativen Realzinsen birgt für Anleger viele Herausforderungen. Wer diese bestehen will, muss laut einer Allianz-Studie die Weltbilder von gestern anpassen.

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          Die Welt verändert sich. Wie stark, das zeigen auch volkswirtschaftliche Daten. So sind in den Industriestaaten eine steigende Staatsverschuldung und sinkende Kreditwürdigkeit zu beobachten. Viele Schwellenländer können dagegen mit einem hohen Wachstum und soliden Haushalte aufwarten. In einem Umfeld niedriger Zinsen und höherer Inflation sollten sich Anleger auf diese Entwicklungen einstellen, fordert Allianz Global Investors-Kapitalmarktanalyst Dennis Nacken in einer Studie.

          Auch bei der Geldanlage ist es aus seiner Sicht an der Zeit, das Weltbild zu überdenken. Anleger sollten sich gedanklich von der schönen heilen „alten“ Welt des „Goldlöckchen-Szenarios“ vor der Finanzkrise verabschieden: einer Zeit, in der es zuging wie in dem britischen Märchen „Goldilocks“, in dem immer alles passt. Das Wachstum trieb die Unternehmensgewinne und Aktienkurse, überhitzte aber nicht. Inflation war kein Thema und die Anleihenrenditen gingen zurück oder blieben zumindest stabil.

          Mit der Finanzkrise seien dem Goldlöckchen dann aber sprichwörtlich die Haare ausgefallen. Hohe Defizite in den Industrieländern bei Leistungs- und Haushaltsbilanzen würden das Wachstum belasten. Das Vertrauen der Marktteilnehmer in die Märkte, in die Kreditwürdigkeit einiger Staaten, in das Wachstum und sogar in die Werthaltigkeit des Geldes scheine derzeit zerrüttet. Die Grenzen des Wachstums werden ausgelotet, so Nacken.

          Es finde folglich eine Zeitenwende statt, in der die globalen Ungleichgewichte abgebaut werden müssten, um das Vertrauen der Marktteilnehmer zurückzugewinnen. Gleichzeitig entwickelten sich die Wachstumsländer (gemeinhin auch Schwellenländer genannt) immer mehr zum Stabilitätsanker. Während die Kreditwürdigkeit vieler Industriestaaten, von Amerika bis Griechenland, in den vergangenen vier Jahren spürbar gesunken sei, sei die vieler Wachstumsländer von China bis Ecuador gestiegen (siehe Grafiken).

          Zeitenwende: Wachstumsländer entwickeln sich zum neuen Stabilitätsanker

          Der Weg zurück zum Gleichgewicht werde begleitet von einem Abbau von (Staats-)Schulden in den Industrieländern, einem Abbau des Fremdkapitals in Relation zum Eigenkapital bei den Banken, einem Abbau von Zentralbankliquidität in den westlichen Industrienationen, einer Abflachung des Wachstums in den Industriestaaten und einem Aufholprozess der Wachstumsländer, insbesondere durch Wachstum des Binnenkonsums. Diese Faktoren ließen auch in Zukunft erhöhte Schwankungen (Volatilitäten) erwarten, sowohl was die Konjunkturzyklen als auch was die Kapitalmärkte allgemein betreffe.

          Auf dem Weg zurück zum Gleichgewicht müssten sich Anleger vermutlich auf eine längere Periode niedriger oder sogar negativer Realzinsen in den Industriestaaten einstellen. So seien die Realzinsen in vielen Industriestaaten bereits ins Negative gerutscht – für zehnjährige deutsche Bundesanleihen sogar das erste Mal seit 1957 (siehe Grafiken).

          Zeitenwende: negative Realrenditen

          Niedrige Zinsen und Inflation resultiert in negativen Realzinsen

          Sowohl die Politik des billigen Geldes in den Industrieländern – die amerikanische Notenbank hat angekündigt, ihre Null-Zinspolitik bis 2014 fortzuführen – als auch strukturelle inflationär wirkende Treiber dürften die Realzinsen laut Nacken niedrig oder sogar negativ belassen (siehe Grafiken).

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