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Amundi-Vorstand im Interview : „Ja, Atomkraft ist nachhaltig“

Der 41-jährige Jean-Jacques Barbéris arbeitet seit 2016 für Amundi. Die französische Fondsgesellschaft verwaltet aktuell rund 1,8 Billionen Euro. Bild: Francois Klein

Jean-Jacques Barbéris ist Vorstand der größten Fondsgesellschaft Europas. Er verteidigt Investitionen in Öl und Kernenergie – und warnt vor einem Börsenkollaps.

          5 Min.

          Herr Barbéris, Investitionen in Atomkraft sollen laut EU-Kommission als nachhaltig gelten. Sie sind bei Amundi für nachhaltige Investments verantwortlich. Sind Sie mit der Kommission einer Meinung?

          Dennis Kremer
          Redakteur im Ressort „Wert“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Meine persönliche Meinung tut dabei wenig zur Sache. Für Amundi gilt: Natürlich halten wir uns an Recht und Gesetz. Wenn die EU Atomkraft genauso wie übrigens auch Erdgas als nachhaltig einstuft, dann berücksichtigen wir das selbstverständlich.

          Aber finden Sie es auch sinnvoll, die Atomkraft so einzustufen?

          Dies ist in erster Linie eine politische Entscheidung und obliegt nicht der Finanzbranche. Und das ist gut so, dies sollte der Politik vorbehalten sein. Aber ich will nicht ausweichen: Der richtige Umgang mit der Atomkraft ist eine komplexe Frage. Unserer Ansicht nach ist Atomenergie wichtig, weil sich mit ihr der Übergang in eine CO2-ärmere Welt besser gestalten lässt. Und wegen dieses Potentials, in einer Übergangszeit nützlich zu sein, finden wir: Ja, Atomkraft ist nachhaltig. Darum unterstützen wir den Vorschlag der EU-Kommission. Wir sind aber nicht blind für die Schwierigkeiten, die mit dem Einsatz von Atomkraft einhergehen: Wir sind uns darüber im Klaren, dass es – neben dem drängenden und aktuellen Klimaproblem – ein längerfristiges Problem gibt, nämlich den Umgang mit dem Atommüll. Die Welt steht hier vor einem Dilemma.

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