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Aktienmärkte : Amerikas Zinspolitik ist wichtiger als die Tech-Giganten

Börsenhändler an der Wall Street in New York City Bild: AFP

Ein mögliches Vorgehen der amerikanischen Regierung gegen die Marktmacht der Tech-Giganten hat die amerikanische Börse am Montag erschreckt. Doch Handelskonflikt und Zinspolitik sind am Ende wichtiger.

          Die teils starken Kursverluste der großen amerikanischen Technologie-Aktien am Montag dürften am Dienstag auch die deutschen Börsen beschäftigen Banken und Brokerhäusern zufolge dürfte der Markt den Vorgaben folgen und knapp behauptet eröffnen. Der Broker IG taxiert den Dax 0,4 Prozent niedriger.

          Martin Hock

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Allerdings darf man nicht übersehen, dass die geplante Untersuchung bezüglich der Marktmacht der Konzerne ein isoliertes Ereignis ist. Der amerikanische S&P-500-Index verlor trotz der starken Kursverluste trotz der heftigen Kursverluste von immerhin vier der zehn am stärksten gewichteten Aktien unter dem Strich nur 0,3 Prozent. Das liegt weniger daran, dass diese letztlich nur 8 Prozent des Index ausmachen, sondern vor allem daran, dass es unter dem Strich mehr Kursgewinner als –verlierer gab.

          Die Börsen hat tatsächlich andere, stärker übergeordnete Themen, vor allem die Konjunkturentwicklung mit Blick auf die sich eher verschärfenden als beruhigenden Handelskonflikte. Die Rezessionswahrscheinlichkeit wird in den Vereinigten Staaten sehr viel höher eingeschätzt als noch vor wenigen Monaten, nicht zuletzt weil sich immer mehr die Auffassung durchsetzt, es gehe nicht um ein Handelsabkommen, das eine Lösung darstellen würde, sondern um einen geostrategischen Machtkampf. Beide Kontrahenten würde dies wirtschaftlich belasten und hätte damit das Potential, die Weltwirtschaft als Ganzes in eine Rezession zu ziehen.

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          Das ist deutlich am Anleihemarkt zu spüren. Die Staatsanleiherenditen fielen am Montag weiter deutlich. Die Rendite der zehnjährigen Bundesanleihe fiel auf minus 0,2 Prozent und auf ein Allzeittief. Auch die Rendite zehnjähriger amerikanischer Anleihen sank weiter und markierte den tiefsten Stand seit September 2017. Die scharfen Töne Donald Trumps gegenüber Mexiko hätten die Nachfrage in die Höhe schnellen lassen, meinen die Analysten der LBBW.

          Mittlerweile wird sogar die Wahrscheinlichkeit, dass die amerikanische Notenbank Fed die Zinsen wieder senkt, größer eingeschätzt. Dazu trug auch bei, dass Fed-Mitglied James Bullard davon sprach, dass angesichts der Folgen der Handelsstreitigkeiten eine Zinssenkung bald angebracht sein könnte. Das hatte die Rendite zweijähriger amerikanischer Staatsanleihen kurzzeitig auf den niedrigsten Stand seit Dezember 2017 gedrückt.

          Vier Zinssenkungen bis 2020?

          Daher wird auch die am Dienstag beginnende zweitägige Konferenz der amerikanischen Notenbank zur geldpolitischen Strategie mehr Beachtung finden. Zwar gehe es dabei weniger um die kurzfristige geldpolitische Ausrichtung, so die LBBW, sondern mehr um die Effektivität geldpolitischer Instrumente. Doch könnten Signale in Richtung eines Übergangs zur Preisniveausteuerung indirekt als Hinweis gedeutet werden, dass die Geldpolitik wegen des vergangenen Unterschießens der Inflationsziele künftig tendenziell lockerer werden könnte. Die Finanzmarktteilnehmer seien derzeit sehr empfänglich für jedes weitere Signal bezüglich einer baldigen Zinssenkung.

          Laut Philipp Wee, Währungsstratege der DBS, preist der Markt mittlerweile schon  vier Zinssenkungen bis 2020 ein, eine mehr als noch vor einer Woche. Für 2019 werde schon mit zweien gerechnet. Dies würde dann die jüngste Phase von Zinsanhebungen zur kürzesten machen, die die Fed jemals gehabt hätte. Indes stehe der Markt damit in deutlichem Kontrast zu den Zinsprojektionen der Fed selbst, die derzeit weiter von einer Anhebung im Jahr 2020 ausgehen, womit sich die Zinserwartungen um einen vollen Prozentpunkt unterschieden.

          Der “Kollaps” der Renditen allerdings und die inverse Zinskurve, bei der die Renditen kurzlaufender Anleihen höher sind als die der Langläufer deute jedoch in eine andere Richtung. Als dies das bisher letzte Mal im Jahr 2007 geschehen sei, sei einige Monate später eine Zinssenkung erfolgt. Insofern sei das Treffen des Offen-Markt-Komitees am 19. Juni von großer Bedeutung. Gebe es dann keine Zinssenkung, so sollten die Inflationserwartungen und mit ihnen die relativen Renditen der Langläufer wieder steigen.

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