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Amerikanischer Aktienmarkt : „Die Erholungs-Rally geht weiter“

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Edward Yardeni Bild: Yardeni Research

Die verbesserte Wirtschaftslage sowie das billige Geld der Notenbanken treiben die Kurse am amerikanischen Aktienmarkt. Welche Branchen profitieren, sagt der unabhängige Wall-Street-Ökonom Ed Yardeni.

          Herr Yardeni, der amerikanische Aktienmarkt ist fulminant ins neue Jahr gestartet. Wird die Rally andauern?

          Ich denke schon. Dabei hat es in den vergangenen drei Jahren sehr viele Sorgen gegeben, es waren beinahe apokalyptische Szenarien: Angefangen mit der Furcht vor einem Zusammenbruch des Finanzsystems in Europa, der die Welt in die Depression stürzt, bis hin zu einem starken Wirtschaftsabschwung in China sowie einer Rezession in den Vereinigten Staaten. Viele dieser Ängste bleiben bestehen, aber Anleger erkennen, dass wir schon mehrere Jahre trotz dieser Risiken überlebt haben und sich die Lage verbessert. Dies ist eine Erholungs-Rally, die weitergeht.

          Ist es nicht das billige Geld der Notenbanken, das die Aktienmärkte treibt?

          Wenn Investoren in Zeiten sehr niedriger Zinsen Geld anlegen wollen und sich nicht mit den niedrigen Renditen am Anleihemarkt zufriedengeben, gehen sie mehr Risiken ein und kaufen Aktien. Auf jeden Fall haben die langfristigen Refinanzierungsgeschäfte der Europäischen Zentralbank (EZB) geholfen.

          Wie bewerten Sie die EZB-Aktionen?

          Ich habe den Eindruck, dass das Vorgehen der EZB eine stärkere Wirkung der Überraschung und Ehrfurcht an den Märkten hatte als die beiden quantitativen Lockerungen der amerikanischen Notenbank Fed. Bisher scheint das Vorgehen zu funktionieren. Mal sehen, wie hoch die nächste EZB-Hilfe Ende Februar ausfallen wird. Letztlich dürften die Finanzmärkte aber profitieren und damit auch die Aktienkurse. Allerdings schätze ich nicht, wie die Notenbanken agieren. Sie haben uns mit ihren niedrigen Zinsen die Probleme eingebrockt und müssen nun den Schaden reparieren, indem sie viel Geld ins Finanzsystem pumpen. Das mag für den Moment in Ordnung sein, aber es fehlt ein Plan, die riesige Liquidität wieder aufzusammeln.

          Entsteht eine Blase am Aktienmarkt?

          Die Vergangenheit lehrt uns, dass wenn immer die Zentralbanken so viel billiges Geld bereitstellen, die Regierungen in der Lage sind, gigantische Defizite anzuhäufen. Die Vereinigten Staaten werden das vierte Jahr in Folge Schulden von einer Billion Dollar aufnehmen, dies hat auch die amerikanische Notenbank ermöglicht.

          Wie geht es mit der amerikanischen Wirtschaft weiter?

          Die Wirtschaftslage hellt sich auf, der Arbeitsmarkt entwickelt sich besser, die Unternehmen sind sehr profitabel. Sie werden ihr Geschäft ausbauen und mehr Leute einstellen. Wir befinden uns an einem Punkt, an dem die amerikanische Wirtschaft immer mehr von Erholung auf Expansion umschaltet, darauf deuten die wichtigsten Indikatoren hin. Und je besser sich der Arbeitsmarkt entwickelt, je mehr nimmt das Vertrauen der Verbraucher zu, die Einkommen steigen, der Konsum nimmt zu.

          Auch die Verschuldungssituation der privaten Haushalte verbessert sich leicht.

          Ich bin mir nicht sicher, ob das alles so freiwillig ist. Mit Blick auf den Immobilienmarkt habe ich den Eindruck, dass lediglich schlechte Kredite abgeschrieben werden. Es ist übertrieben, davon zu sprechen, dass die Leute sparen. Die Autokredite zum Beispiel nehmen zu. Wir Amerikaner sind schon etwas seltsam: Geht es uns gut, geben wir viel Geld aus. Sorgen wir uns, geben wir sogar noch mehr aus. Kein Wunder, dass die Verschuldung in den Vereinigten Staaten außer Kontrolle geraten ist. Das ist unfassbar.

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