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Kapitalmarkt : Amerikanische Anleihen senden Krisensignal

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Händler an der New Yorker Börse Bild: AP

Die Zinsen lang- und kurzfristiger amerikanischer Staatsanleihen könnten auf eine Rezession hindeuten. Auch an der deutschen Börse herrscht Pessimismus.

          Sichere Anlagen wie amerikanische Staatsanleihen sind bei Anlegern weiter stark gefragt. Am Mittwoch ging es mit den Kursen deutlich nach oben, während die Renditen zum Handelsauftakt in Richtung neuer Tiefststände rutschten. In der Laufzeit von 30 Jahren erreichte die Rendite zeitweise ein Rekordtief bei 2,016 Prozent.

          Jüngste Signale einer möglichen Entspannung im Handelsstreit zwischen den Vereinigten Staaten und China zeigten damit am Anleihemarkt keine Wirkung. Angesichts drohender Preissteigerungen vor dem Weihnachtsgeschäft hatte Amerikas Präsident Donald Trump am Dienstag eine Verschiebung neuer Strafzölle auf Elektronikgeräte und andere Importe aus China angekündigt. Am frühen Morgen folgte ein Medienbericht, wonach die Regierung in Peking ihrerseits an den geplanten Handelsgesprächen mit den Amerikanern im September festhält, allerdings ohne Optimismus zu verbreiten.

          Außerdem lieferte der amerikanische Anleihemarkt zur Wochenmitte Rezessionssignale. Zeitweise wurde die Rendite zehnjähriger Staatsanleihen mit 1,57 Prozent tiefer gehandelt als die Rendite zweijähriger Papiere mit 1,59 Prozent. Eine Konstellation mit niedrigeren Langfrist- als Kurzfristzinsen bezeichnen Fachleute als inverse Zinskurve, weil die Zinsen normalerweise mit der Wertpapierlaufzeit ansteigen und nicht fallen. Eine inverse Zinskurve gilt als Ausdruck extrem pessimistischer Wachstumserwartungen.

          Sehen Investoren keine Anlagemöglichkeiten mehr, parken sie ihr Geld für lange Zeit in besonders langlaufenden und sicheren Staatsanleihen. Dann steigen Nachfrage und Kurse der Langläufer stärker als bei kurzfristigen Papieren. Dabei fällt die Rendite der langfristigen Anleihen besonders stark.

          Auch am deutschen Aktienmarkt herrscht Pessimismus. Noch am Vortag hatte sich die Börse in Deutschland erholt, nachdem die Vereinigten Staaten die Einführung von Strafzöllen auf bestimmte chinesische Waren um einige Monate verschoben hatten. Doch dann trübten schwache Konjunkturdaten aus China die Stimmung, wo die Produktion im Industriesektor im Juli auch wegen der Folgen des Handelsdisputs so langsam gestiegen war wie seit 2002 nicht mehr.

          Der Dax bröckelte nach einer stabilen Eröffnung im Handelsverlauf stetig ab und fiel am Nachmittag unter die als Trendindikator geltende 200-Tage-Linie auf den tiefsten Stand seit Ende März.

          „Eine endgültige Lösung in Form eines langfristig tragfähigen Handelsabkommens zwischen den USA und China dürfte noch einige Monate, wenn nicht Jahre auf sich warten lassen“, glaubt Analyst Jochen Stanzl von CMC Markets. Da Unsicherheit noch nie ein guter Ratgeber an der Börse gewesen sei, sollte der deutsche Aktienmarkt seine Seitwärtsbewegung mit größeren Schwankungen fortsetzen. „Ein übergeordneter Trend dürfte allerdings erst wieder aufgenommen werden, wenn Lösungen auf dem Tisch liegen“, so Stanzl.

          Am Rentenmarkt fiel die Umlaufrendite auf ein weiteres Rekordtief von minus 0,64 Prozent. Der Rentenindex Rex gewann 0,06 Prozent auf 146,80 Punkte. Der Bund-Future legte um 0,28 Prozent auf 178,17 Punkte zu.

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