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Amerikanische Aktienmärkte : Nasdaq liegt noch 50 Prozent unter dem Rekord

  • -Aktualisiert am

Bild: F.A.Z.

Nachdem der Dow-Jones-Index im vergangenen Jahr seinen Rekord vom Frühjahr 2000 gebrochen hatte, flirtet derzeit auch der breiter gefasste Aktienindex S&P 500 mit einem neuen Allzeithoch.

          Die Favoriten der großen Börsenhausse am Ende der neunziger Jahre sind nicht die gefragtesten Aktien beim aktuellen Aufschwung an den amerikanischen Aktienmärkten. Nachdem der Dow-Jones-Index Ende September vergangenen Jahres seinen Rekord vom Frühjahr 2000 gebrochen hatte, flirtet derzeit auch der breiter gefasste Aktienindex S&P 500 mit einem Rekordhoch. Der technologielastige Composite-Index der Computerbörse Nasdaq hängt allerdings noch weit hinter seinem damaligen Rekord zurück. Technologiewerte und Internetaktien waren die Triebfedern der damaligen Hausse gewesen.

          Norbert Kuls

          Freier Autor in der Wirtschaft.

          Der S&P 500 hatte am 24. März 2000 auf einem Rekordstand von 1527,46 Punkten geschlossen. Am gleichen Tag hatte der Index im Handelsverlauf sein bisher höchstes Niveau von 1552,92 Punkten erreicht. Im Handelsverlauf am Mittwoch notierte der S&P 500 wie schon in den Tagen zuvor über seinem alten Schlussrekord. Zur Schlussglocke an der New Yorker Börse fiel der Index aber immer wieder unter dieses Niveau zurück. Das ist üblich, weil Händler beim Vordringen in unbekanntes Terrain oft sicherheitshalber Kursgewinne realisieren.

          Die Nasdaq reicht lange nicht an ihren Rekord heran

          Die Hausse ist aber nicht völlig an den Technologiewerten vorbeigegangen. Der Nasdaq-Index befindet sich auch auf dem höchsten Niveau seit sechs Jahren. Dennoch steht der Index mit einem Stand von 2600 Punkten um etwa 50 Prozent unter dem Stand vom 10. März 2000. Damals hatte das Technologiebarometer einen Rekord von 5048,62 Punkten erreicht.

          Der Grund für diese Entwicklung: Die Aktien der an der Nasdaq notierten Unternehmen waren in der Hausse der neunziger Jahre viel kräftiger gestiegen und in der darauffolgenen Baisse auch stärker eingebrochen. Selbst nach einer jüngsten Erholung der Aktienkurse reicht die Nasdaq noch lange nicht an ihren Rekord heran. Einzelne Technologieaktien hatten in den vergangenen zwölf Monaten aber stark aufgeholt. Der Netzwerkausrüster Cisco Systems, der Computerhersteller Apple und der Online-Einzelhändler Amazon.com sind in dieser Zeit um 27 Prozent bis um mehr als 100 Prozent gestiegen.

          Niedrige Dividendenrendite

          Insgesamt hat der Nasdaq-Composite im gleichen Zeitraum um 17 Prozent zugelegt. Der S&P 500 ist dagegen um 29 Prozent und der Dow Jones um 22 Prozent gestiegen. Technologiewerte sind dennoch vergleichsweise teuer. Die Aktien der Nasdaq werden mit einem Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) von 28 auf Basis der für die kommenden 12 Monate erwarteten Gewinne bewertet. Das KGV des S&P 500 liegt nach Angaben der Harris Private Bank dagegen bei 16.

          Ein weiterer Grund für das geringe Interesse von Anlegern ist die niedrige Dividendenrendite von Technologieunternehmen. Zudem wachsen die Gewinne dieser Branche nicht mehr so stark wie zuvor. Angesichts des Aufschwungs im Rohstoffmarkt und eines starken Wirtschaftswachstums in Schwellenländern hatten die Anleger ihr Interesse auf Grundstoffhersteller und Energiekonzerne konzentriert. Zu den Triebfedern der jüngsten Hausse zählten zudem große Aktiengesellschaften aus den Branchen Telekommunikation und Gesundheitswesen.

          Verhältnismäßig mehr Technologieaktien

          Ohnehin haben Investoren an der Wall Street in der jüngsten Vergangenheit große Aktiengesellschaften favorisiert. Der Dow Jones und der S&P 500 bilden beide diese Schwergewichte ab. Im S&P 500 allerdings sind verhältnismäßig mehr Technologieaktien enthalten als im Dow Jones. Daher brauchte der S&P 500 auch länger als der Dow, um wieder an seinen alten Höchststand heranzukommen.

          Selbst die großen Technologiewerte wie der Computerhersteller Microsoft und der Halbleiterriese Intel sind weit von ihren Rekordkursen entfernt. Microsoft und Intel sind auch beide Teil des Dow Jones. Microsoft, die Aktie mit der höchsten Marktkapitalisierung an der Nasdaq, notiert immer noch um 40 Prozent unter ihrem Allzeithoch. Microsoft war nach der Hausse um 60 Prozent eingebrochen. Der Börsenwert von Intel hatte sich sogar um 80 Prozent ermäßigt. Aktuell wird Intel weiterhin um 70 Prozent unter dem damaligen Kurs gehandelt.

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