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Iran-Konfikt : Amerika zapft die Ölreserven an

Ölpumpen auf einem Feld in Oklahoma: Das Anzapfen der nationalen Ölreserven bedeutet für Amerika keinen Engpass – das Land ist für solche Fälle vorbereitet. Bild: dpa

Zahlen belegen, dass Trumps Iran-Sanktionen erste Wirkungen zeigen. Mit den Konsequenzen muss allerdings auch Amerika leben können: Vor den Kongresswahlen versucht Trump nun, den Ölpreis zu stabilisieren.

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          Lange ist darüber spekuliert worden, jetzt ist es amtlich: Die Vereinigten Staaten wollen ihre strategischen Ölreserven anzapfen und so Lieferausfälle durch die Sanktionen gegen Iran ausgleichen. Rund 11 Millionen Barrel (Fass zu 159 Liter) sollen zur Lieferung in den Monaten Oktober und November freigegeben werden, teilte das amerikanische Energieministerium mit. Die amerikanische Regierung will nach Einschätzung von Analysten einem Anstieg der Kraftstoffpreise vor den wichtigen Kongresswahlen in den Vereinigten Staaten entgegenwirken. Im Monat November soll schließlich die zweite Stufe der Iran-Sanktionen greifen, dann geht es insbesondere gegen den Ölsektor.

          Christian Siedenbiedel
          Redakteur in der Wirtschaft.

          Bei der angepeilten Menge handelt es sich allerdings nur um einen vergleichsweise kleinen Teil der Notfallreserve, die von der Nachrichtenagentur Bloomberg auf insgesamt 660 Millionen Barrel beziffert wird. Der Schritt sei „ein normaler Vorgang“, sagte Eugen Weinberg, Ölanalyst der Commerzbank. Schließlich seien diese strategischen Öl- und Benzinreserven in den Jahrzehnten zuvor aufgebaut worden, um die Vereinigten Staaten vor einem plötzlichen Ausfall der Importe zu schützen. Da die amerikanischen Rohölimporte in den vergangenen Jahren erheblich zurückgegangen seien, sei es nur logisch, die Reserven abzubauen. „Schon im Vorjahr wurden von April bis Dezember mehr als 100 Millionen Barrel Rohöl beziehungsweise 20 Prozent der Bestände verkauft“, sagte Weinberg. Eine Freigabe der Reserven in den kommenden Monaten hätte außerdem tatsächlich zusätzlich einen preisdämpfenden Effekt – was auch nur logisch sei, weil die amerikanische Entscheidung, die Iran-Sanktionen aufleben zu lassen, den Ölpreis zuvor habe steigen lassen.

          Reserven werden nicht das erste Mal benutzt

          Die Amerikaner seien mit ihrer Ölreserve immer schon politischer umgegangen als die europäischen Länder, sagte Steffen Bukold vom Beratungsunternehmen Energy Comment. Diese Reserven seien nach den Erfahrungen aus den Ölkrisen in den siebziger Jahren angelegt worden. Man wollte sich damals weniger erpressbar vor allem durch die Organisation der Erdöl exportierenden Länder (Opec) machen. Seither hätten die Amerikaner die Ölreserven immer mal wieder eingesetzt, manchmal nach Wirbelstürmen, aber auch schon wegen politischer Krisen im Nahen Osten.

          Die europäischen Länder hingegen agierten anders beim Einsatz ihrer Ölreserven. Dieser werde über die Internationale Energieagentur (IEA) in Paris koordiniert. Jeder Autofahrer, der an der Tankstelle tanke, finanziere über die sogenannte Erdölbevorratungsabgabe auch die Vorhaltung von Reserven mit, sagte Bukold: „Deutschland ist mit dem Einsatz seiner Reserven aber viel zurückhaltender als Amerika.“

          Iran erfährt bereits Konsequenzen

          Es gebe in den Vereinigten Staaten die langfristige Erwägung, dass ein Land, das inzwischen selbst mehr Öl produziere, möglicherweise weniger Schutz vor dem Ausfall der Ölimporte brauche. Deshalb könnte die Ölreserve „überdimensioniert“ sein. Zudem könnte die Regierung mit diesem Schritt ein „politisches Signal“ gegen zu hohe Benzinpreise vor der Kongresswahl setzen wollen.

          Unterdessen zeigen die Sanktionen der Vereinigten Staaten gegen Iran offenbar schon erste Wirkungen auf die Ölexporte. „Die Sanktionen wirken, und Iran hat immer mehr Mühe, die Exporte hoch zu halten“, berichtet Giovanni Staunovo, Ölfachmann der Schweizer Großbank UBS. Nach vorläufigen Zahlen seien die Ölexporte von Iran im August bislang weiter zurückgegangen, auf weniger als 2 Millionen Barrel je Tag. Noch im April habe das Land rund 2,6 Millionen Barrel je Tag ausgeführt. Dazu passt aus Sicht des Analysten, dass zuletzt auf dem Seeweg fast nur noch Öltanker der staatlichen iranischen Reederei NITC das Rohöl von Iran nach China gebracht haben sollen. Staunovo sagte: „Von dieser Tanker-Option machen meines Wissens derzeit auch indische Raffinerien Gebrauch.“

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