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Amerikanische Politik : Wall Street finanziert Hillary Clinton

  • -Aktualisiert am

Hillary Clinton: Erhält lukrative Rede-Honorare von Banken Bild: AP

Hillary Clinton hat ein enges Netzwerk in der Finanzbranche. Bei den kommenden Wahlen wird die Wall Street sie wahrscheinlich mit viel Geld fördern. Dafür erhofft sich die Branche ihre Unterstützung.

          Hillary Clinton kann bei den kommenden Präsidentschaftswahlen in den Vereinigten Staaten wahrscheinlich auf die Wall Street als große Spendenquelle zählen. Die ehemalige amerikanische Außenministerin, die als potentielle Kandidatin der Demokraten gilt, hat in der Vergangenheit jedenfalls stark von finanzieller Hilfe aus der Finanzbranche profitiert.

          Norbert Kuls

          Freier Autor in der Wirtschaft.

          Hillary Clinton war Senatorin für New York und somit für einen Bundesstaat, in dem die Finanzbranche eine große Rolle als Arbeitgeber und Steuerzahler spielt. In ihrem Präsidentschaftswahlkampf im Jahr 2008, in dem Hillary Clinton bei den Vorwahlen gegen den späteren Amtsinhaber Barack Obama angetreten war, stammte die zweithöchste Spendensumme aus der Finanzbranche. Seit ihrem Abschied vom Außenministerium vor anderthalb Jahren hat sie zudem lukrative Honorare für Reden vor Banken erhalten.

          Das enge Netzwerk in der Finanzbranche geht noch auf ihren Ehemann, den ehemaligen Präsidenten Bill Clinton, zurück. Nach einer Analyse des „Wall Street Journal“ war die Finanzbranche seit der Präsidentschaftswahl 1992 eine der größten Spendenquellen der Clintons. Die meisten Spenden stammen von Mitarbeitern von Goldman Sachs, die insgesamt fast 5 Millionen Dollar für das Politikerehepaar lockermachten.

          Clintons aktuelle Positionen sind noch nicht bekannt

          Insgesamt sammelten die Clintons von Unternehmen und Banken zwischen 1,3 Milliarden Dollar und 2 Milliarden Dollar ein. Die Zeitung addierte dabei Spenden für Bill Clintons zwei Präsidentschaftswahlkämpfe in den Jahren 1992 und 1996, Spenden für die demokratische Partei in seinen acht Jahren im Weißen Haus, Spenden für Hillary Clintons Wahlkämpfe für Senat und Präsidentschaft sowie Spenden für die Stiftung der Familie, die Bill, Hillary and Chelsea Clinton Foundation.

          Die Wall Street erwartet dafür wahrscheinlich eine Form der Unterstützung, die sie bei Barack Obama in den vergangenen Jahren vermisst hat. Allerdings sind ihre aktuellen Positionen zu Finanzthemen noch nicht bekannt. Francis Creighton, ein Lobbyist für den Verband Financial Services Roundtable, erinnert sich zwar positiv daran, dass Hillary Clinton als Senatorin offen war, mit allen Interessengruppen zusammenzuarbeiten. „Als Branche wissen wir aber nicht, wie sich ihre Ansichten in den vergangenen Jahren entwickelt haben“, sagte Creighton der „New York Times“.

          Im Vorwahlkampf um die Präsidentschaft hatte sich Clinton unter anderem für verschärfte Regulierung von Derivaten und staatlichen Eingriff in den Markt für Ramschhypotheken ausgesprochen und der Wall Street eine „bedeutende Rolle“ bei der Finanzkrise unterstellt – was einige ihrer Geldgeber irritiert hatte.

          Obama enttäuschte die Branche

          Obama war trotz aller Kritik an der Finanzbranche zu seinem Amtsantritt noch ein großer Hoffnungsträger der Wall Street gewesen – entgegen der landläufigen Vorstellung, dass die Banker eher konservative Kandidaten bevorzugen. Damals stand die Branche allerdings wegen der Finanzkrise unter Schock, die unter Obamas republikanischem Vorgänger George W. Bush ihren Lauf genommen hatte.

          Nur zwei Jahre später wendete sich das Blatt, da eine demokratische Mehrheit im Kongress 2010 gegen den Widerstand vieler Banken eine Finanzmarktreform durchsetzte, die eine strengere Aufsicht vorsieht und lukrative Geschäfte wie den Eigenhandel mit Wertpapieren einschränkte. Im Präsidentschaftswahlkampf 2012 zahlten Banker es Obama per Scheckbuch heim. Mitarbeiter der Finanzbranche spendeten mehr für seinen republikanischen Herausforderer Mitt Romney – der die Wahlen dennoch verlor.

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