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Altmaier zu Wirecard : „Wir hätten eine solche Situation überall erwartet – nur nicht in Deutschland“

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Sorgt sich nicht nur wegen Wirecard: Peter Altmaier Bild: AFP

Der Wirtschaftsminister schlägt Alarm – und macht nicht nur mit Blick auf den Skandal um den Zahlungsabwickler Wirecard eine klare Ansage.

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          Im Bilanzskandal beim Zahlungsdienstleister Wirecard hat Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier (CDU) eine rasche Aufklärung gefordert. „Wirecard ist verpflichtet aufzuklären und etwaige Missstände abzustellen“, sagte Altmaier dem Nachrichtenportal T-Online. „Es muss ermittelt werden, wie es dazu kommen konnte, dass sich offenbar Milliardenbeträge in Luft aufgelöst haben, oder möglicherweise nie da waren.“

          Zudem müsse herausgefunden werden, ob die bestehenden gesetzlichen Bestimmungen eingehalten wurden – „oder ob jemand dafür auch juristisch zur Rechenschaft gezogen werden muss“, sagte Altmaier weiter. Der Vorgang sei „alles andere als banal“.

          Der Minister warnte vor einem Imageverlust für den Wirtschaftsstandort Deutschland. „Es ist mir ganz wichtig, dass sich ein solcher Fall mit Blick auf das Vertrauen in den Bankenstandort Deutschland so schnell nicht wiederholt“, sagte sagte Altmaier. „Wir hätten eine solche Situation überall erwartet – nur nicht in Deutschland. Deshalb müssen wir, wo notwendig, hart durchgreifen.“

          Suche nach 1,9 Milliarden Euro

          Wie auch durch die jüngsten Ereignisse in der Fleischindustrie seien Vorkommnisse dieser Art ein Problem für das Ansehen der Bundesrepublik als Wirtschaftsstandort. „Wir dürfen nicht zulassen, dass einzelne Firmen das Ansehen einer ganzen Branche zerstören und damit dem Land Schaden zufügen.“

          Der Dax-Konzern Wirecard hatte am Montag mitgeteilt, dass die verschwundenen 1,9 Milliarden Euro aus seiner Jahresbilanz gar nicht existieren. Die Hintergründe blieben zunächst unklar. Das Unternehmen ist durch die Vorgänge in schwere Turbulenzen geraten.

          Es wurde kein Wertpapier gefunden!

          Infolge des Bilanzskandals werden derweil Rufe nach schärferen Regeln für Unternehmensführung laut. „Der Fall Wirecard macht deutlich, dass die Deutsche Börse dringend eine Reformdebatte anstoßen muss“, sagte der Vorstandsvorsitzende der Vereinigung der Aufsichtsräte in Deutschland (VARD), Peter Dehnen, und er fügte hinzu: „Wir brauchen in Deutschland einen starken Kapitalmarkt, und deshalb wünschen wir uns, dass die Deutsche Börse mit  ihrer neuen starken Führung im Stil der Nasdaq die Diskussion über Standards guter Unternehmensführung vorantreibt – gemeinsam mit Aufsichtsräten und Vorständen.“

          Die im Jahr 2012 gegründete Vereinigung hat mehr als 130 Mitglieder und bezeichnet sich als unabhängigen Berufsverband für Aufsichtsräte. Durch den Bilanzskandal bei Wirecard ist der Börsenwert des Dax-Konzerns in den Keller gerauscht. Die jetzigen Regeln für eine gute Unternehmensführung sind Dehnen zufolge unzureichend. „Das Einhalten des Deutschen Corporate Governance Kodex (DCGK) verhindert weder Skandale noch hat er positive Auswirkungen auf die Unternehmensführung.“

          Wirecard beantragt Lizenz in Singapur

          Das Regelwerk müsse weiterentwickelt werden. „DCGK steht für Formalismus und Häkchen machen, hat aber keine Wirkung auf die Unternehmenskultur und den Stakeholder Value.“ Formale Kriterien müssten mit Leben gefüllt werden.

          „Ein Kodex sollte sicherstellen, dass der Vorstand effektive Mechanismen veranlasst, um die Einhaltung von Gesetzen, Vorgaben und Prinzipien zu überprüfen", betonte Dehnen. Aufsichtsräte müssten ihr Mandat ausschließlich zum Wohl des Unternehmens ausüben und nicht für einzelne Interessengruppen. Und Aktionäre müssten ihre Verantwortung als Eigentümer wahrnehmen und alles unterlassen, was den Interessen des Unternehmens zuwiderlaufe.

          Wirecard selbst wiederum will sich zur Aufrechterhaltung der Geschäfte in Singapur eine Lizenz in dem Land besorgen. Der Zahlungsdienstleister habe einen Antrag bei der Aufsichtsbehörde MAS gestellt, teilte die Zentralbank in Singapur am Dienstag mit. Es müsse sichergestellt werden, dass Kundengelder im Land blieben.

          Wirecard ist in Singapur vor allem für die Abwicklung von Zahlungen für Händler zuständig und unterstützt Unternehmen bei der Ausgabe von Prepaid-Karten. Bis ein neues Gesetz, das Grundlage für die nun beantragte Lizenz sei, in Kraft trete, arbeite  Wirecard mit einer Ausnahmeregelung, erklärte die Zentralbank.

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