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Altersvorsorge : Verkaufserfolg für Betriebsrente

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Betriebsrente wieder mit Zukunft? Bild:

Gegen den derzeit rückläufigen Trend mit klassischen Policen steigern die Lebensversicherer in der betrieblichen Altersversorgung das Neugeschäft, selbst im Vergleich zum Rekordjahr 2004.

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          Der Rausch des Schlußverkaufs in der kapitalbildenden Lebensversicherung ist noch nicht vergessen, da entdeckt ein Teil der Assekuranz einen neuen Verkaufsschlager. Gegen den derzeit rückläufigen Trend mit klassischen Policen steigern die Lebensversicherer in der betrieblichen Altersversorgung das Neugeschäft, selbst im Vergleich zum Rekordjahr 2004. So rechnet etwa der Marktführer Allianz Leben zwar insgesamt mit einem niedrigeren Absatz als im vergangenen Jahr, in der betrieblichen Altersversorgung soll das Neugeschäft aber zumindest stabil bleiben.

          Das letztere Ziel dürfte leicht untertrieben sein, denn für das erste Quartal meldet Michael Hessling, der im Allianz-Leben-Vorstand für Firmenkunden und Maklervertrieb verantwortlich ist, eine Steigerung um mehr als 50 Prozent auf einen Neugeschäftsbeitrag von fast 600 Millionen Euro. Dieses enorme Wachstum lasse sich nicht auf das ganze Jahr fortschreiben, schränkt Hessling ein. Damit hat er recht, weil einzelne große Verträge mit Unternehmen, wie zuletzt zum Beispiel eine Transaktion mit Nordzucker im Wert von 50 Millionen Euro, das Neugeschäft volatil machen. Der Anteil der betrieblichen Altersversorgung am gesamten Absatz des größten deutschen Lebensversicherers dürfte aber dennoch auf mehr als 40 Prozent steigen. Damit würde sich der Aufwärtstrend der vergangenen Jahre fortsetzen.

          Zwei Faktoren treiben den Absatz

          Von einer ähnlichen Entwicklung berichten auch Gerling und Alte Leipziger. Ein kräftiges Standbein im Geschäft mit der betrieblichen Altersversorgung haben zudem noch Victoria, AMB Generali, Winterthur und Gothaer. Zwei Faktoren treiben den Absatz. Bisher wurde betriebliche Altersvorsorge in Deutschland von den Unternehmen vor allem durch Rückstellungen in der Bilanz finanziert. So sind mehr als 200 Milliarden Euro an Verbindlichkeiten aufgelaufen. "Mit den neuen internationalen Bilanzierungsregeln wird das für viele Aktiengesellschaften schwieriger", erläutert Matthias Edelmann von der Unternehmensberatung Boehm Consultants. Der zweite Faktor ist der seit drei Jahren geltende Anspruch der Arbeitnehmer auf eine Entgeltumwandlung. Sie können auf diese Weise ihre private Altersvorsorge aufstocken, wobei die Beiträge anders als zum Beispiel bei normalen Lebensversicherungsverträgen aus dem unversteuerten Bruttoeinkommen stammen. Im Gegenzug werden zwar die Auszahlungen der Einkommensteuer unterzogen, aber im Alter sind bei den meisten Sparern die Einkommen geringer. Das sollte wegen der Progression - die Steuersätze wachsen mit dem Einkommen - zur Folge haben, daß die betriebliche Altersversorgung für die meisten Beschäftigten weitere steuerliche Vorteile mit sich bringt.

          Bei einigen Durchführungswegen kommt hinzu, daß die Beiträge zumindest noch für einige Jahre die Sozialversicherungskosten reduzieren. Trotz dieser Vorteile wird die Entgeltumwandlung erst von einer Minderheit genutzt. Bei den 30 im Deutschen Aktienindex vertretenen Unternehmen seien es erst 14 Prozent der Beschäftigten, berichtet Edelmann. Deshalb hoffen die Versicherer in den kommenden Jahren auf einen Wachstumsmarkt.

          Arbeitnehmer vor einer wichtigen Entscheidung

          Unterdessen muß ein Teil der schon über den Betrieb vorsorgenden Arbeitnehmer in den kommenden Wochen eine wichtige Entscheidung fällen. Beschäftigte, die sich für die Direktversicherung in Form einer Rentenversicherung entschieden haben, müssen bis Ende Juni wählen, ob sie bei der bisherigen Besteuerung bleiben wollen oder die neue nachgelagerte Besteuerung vorziehen, heißt es beim Bund der Versicherten (BdV). Die alte Regel hat drei Vorteile: Die Beiträge werden zwar mit 20 Prozent pauschal besteuert, dafür sind die Auszahlungen aber steuerfrei. Bis zum Jahr 2008 sind die Beiträge von der Sozialversicherung befreit. Wer vor dem 1. Januar 2005 abgeschlossen hat, kann zudem statt der Rente eine Einmalauszahlung wählen, ohne daß die Kapitalerträge besteuert werden. Um diese Vorzüge zu nutzen, müssen die Arbeitnehmer ihrem Arbeitgeber bis zum 30. Juni mitteilen, daß sie die bisherige Form beibehalten wollen. Wer das nicht tut, zahlt seine Beiträge künftig komplett steuerfrei ein, wird aber bei der Auszahlung besteuert.

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