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Altersversorgung : Die Deutschen leben länger als gedacht

  • Aktualisiert am

Bild: F.A.Z.

Eine aktuelle Studie belegt, daß die Deutschen ihre Lebenserwartung um rund zehn Jahre unterschätzen. Die „unterschätzte Langlebigkeit“ geht einher mit mangelhafter Altersversorgung: Wenige nutzen die Riester-Rente.

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          Die Deutschen unterschätzen ihre Lebenserwartung und blicken deshalb nach Einschätzung von Finanzdienstleistern zu sorglos auf ihre Altersversorgung. Das belegt eine aktuelle Studie, die von der Allianz in Auftrag gegeben wurde. Die vom Meinungsforschungsinstitut Psychonomics rund 1.000 Befragten haben ihre Lebenserwartung im Durchschnitt auf 78 Jahre geschätzt.

          Tatsächlich müßten die befragten Männer aber mit einer Lebensspanne von durchschnittlich 86 und Frauen mit 91 Jahren rechnen. Bedenklich sei, sagte ein Sprecher der Allianz, daß zwei Drittel der Befragten auf der Grundlage der eigenen Schätzung der Lebenserwartung der Ansicht waren, sie hätten die Langlebigkeit „voll und ganz“ in der privaten Vorsorge berücksichtigt.

          Durch die Fehleinschätzung entsteht eine „Rentenlücke“

          Zu ähnlichen Ergebnissen über die Fehleinschätzung der Lebenserwartung war kürzlich eine Studie des Deutschen Instituts für Altersvorsorge (DIA) gekommen, das ebenfalls von der Allianz und anderen Finanzdienstleistern finanziert wird. Allerdings ist die Fehlschätzung bei den vom DIA Befragten etwas geringer. Sie haben die durchschnittliche Lebenserwartung um etwa fünf bis sieben Jahre unterschätzt.

          Da die tatsächliche Lebenserwartung höher sei, „werden 59 Prozent aller Haushalte die entstehende Rentenlücke mit dem heutigen Sparverhalten nicht schließen können“, warnt das DIA. Durch die für die Sparer unerwartet längere Lebenszeit verlängere sich die voraussichtliche Rentenbezugsdauer, also die Zeit zwischen dem 65. Geburtstag und dem Tod, auf 17 Jahre bei Männern und 24 Jahre bei Frauen.

          Gerade die jüngere Generation spart weniger

          Die befragten Sparer müssen sich nicht grämen. Auch die Experten der Deutschen Aktuarsvereinigung haben die Langlebigkeit der Deutschen lange Zeit unterschätzt. Erst im vergangenen Jahr mußten die Versicherungsmathematiker ihre Sterbetafeln, die Grundlage für die Prämienkalkulation der Rentenversicherer sind, überarbeiten. Dadurch wurden Nachreservierungen notwendig, die insgesamt einen Wert von etwa 4 Milliarden Euro haben.

          Die unterschätzte Langlebigkeit könnte auch ein Grund dafür sein, daß die Deutschen falsch sparen. Zumindest legt eine von der Postbank in Auftrag gegebene Studie diesen Schluß nahe. Demnach hat sich das Gewicht der Produkte, die für die Altersvorsorge geeignet sind, nur leicht erhöht. Seit 1999 sei kein Bedeutungszuwachs dieser Anlageform zu beobachten. In der Altersgruppe der 35- bis 45jährigen sei die Sparquote zwar gestiegen. In der jüngeren Generation seien die Ersparnisse aber in den vergangenen Jahren deutlich gefallen. Zudem seien die von der Politik gesetzten Anreize bei den Bürgern nicht im ausreichenden Maß bekannt.

          Wenige wissen über die Riester-Rente Bescheid

          Zu diesem Schluß kommt auch die Studie der Allianz. Nur zehn Prozent der Befragten haben zum Beispiel eine Riester-Rente abgeschlossen, die steuerlich und mit Zulagen gefördert und besonders für einkommensschwache, kinderreiche Familien interessant ist. Ebenfalls zehn Prozent der Befragten kannten ungefähr die staatliche Förderung, die für sie mit einer Riester-Rente verbunden ist. Auch über Verbesserungen der Riester-Renten, die in diesem Jahr wirksam geworden sind, war nur eine Minderheit informiert. So wußten nur 28 Prozent der Befragten, daß die staatliche Zulage jetzt nur noch einmalig und nicht mehr jedes Jahr aufs neue beantragt werden muß.

          Riester-Verträge dienen zum überwiegenden Teil der Finanzierung einer monatlichen Altersrente. Nur ein kleiner Teil darf auf einen Schlag bei Fälligkeit des Vertrages ausgezahlt werden, wie es viele Sparer zum Beispiel von der kapitalbildenden Lebensversicherung oder Fondssparplänen kennen. Dieser Anteil betrug nach der alten Gesetzgebung 20 Prozent und ist in diesem Jahr auf 30 Prozent erhöht worden. Darüber waren nur 21 Prozent der Befragten informiert.

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