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Alternative Anlage : Auf in den Wald

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Der deutsche Wald: Viel besungen und nun auch ein Renditeobjekt Bild: dpa

Auf der Suche nach sicheren Anlagen landen viele im Wald. Dessen Preis steigt, die Rendite ist jedoch mickrig. Und Arbeit machen die Bäume auch.

          Davon würden sich viele gerne eine Scheibe abschneiden, eine Holzscheibe nämlich: vom deutschen Wald und seinen meterdicken Stämme aus solider Eiche, Buche und Fichte. Der deutsche Wald steht da wie eine Eins, egal wie die Börsen beben und die Währungen wackeln. Er bedeckt mit seinen 11 Millionen Hektar ein Drittel der Bundesrepublik. Jedes Jahr wirft er Holz für 170 Milliarden Euro ab. 3,4 Milliarden Kubikmeter Vorräte wachsen ihn ihm still vor sich hin. Nutzbar ist davon so viel, dass sich jeder Bundesbürger einen Kubikmeter pro Jahr herausschneiden könnte. Den könnte er verkaufen, zu Möbeln verbauen oder verfeuern. Wenn es denn sein Wald wäre.

          Solche Zahlen sind es, die Matthias Graf von der Schulenburg von der Arbeitsgemeinschaft deutscher Waldbesitzerverbände herunterrattern kann, dessen Familie auch seit Jahrhunderten Wälder besitzt. Für ihn zeigen sie, wie wertvoll der Wald ist. „Wald ist einer der Wirtschaftssektoren mit den größten Wachstumsprognosen“, sagt auch Forstanlageexperte Michael Köhl vom Hamburger Institut für Weltforstwirtschaft. Und genau das haben auch viele Anleger erkannt. Viele spielen mit dem Gedanken: So ein Stück Wald müsste man haben, das wäre ein stabiles Investment.

          Billiger als Bauland

          Ein Quadratmeter Forst kostet schließlich viel weniger als ein Quadratmeter Bauland und ist dafür schön und bestimmt pflegeleicht. Da klingen 140 000 Euro für 10 Hektar Forst im Märkischen Kreis verlockend. Einen ordentlichen Ertrag müsste der ja auch abwerfen. Schließlich wachsen die Bäume ganz von allein, und der Holzpreis schießt seit ein paar Jahren in die Höhe. Dazu kommt auch noch das Blätterrauschen aus vielen Studien, die sagen: Weltweit wird immer mehr Holz verbaut, etwa im selben Maß, wie die Weltbevölkerung steigt. Die Nachfrage wächst also, die Holzpreise werden steigen.

          Zum Walde drängt's daher so manchen Anleger. Darüber staunt Dirk Meier Westhoff, Geschäftsführer des Immobilienmaklers Agrarboden gelegentlich: „Das Interessante ist: Es sind immer mehr Käufer, die ursächlich nichts mit der Forstwirtschaft zu tun haben. Wir haben viele Kunden, die einfach nur ihr Kapital anlegen wollen: Privatleute, Unternehmer, gelegentlich Jäger, die auch ihren Traum von der Eigenjagd wahr machen wollen. Aber bei den meisten geht es um Sicherheit, auch wenn sie Ackerflächen kaufen.“

          Starker Waldpreisanstieg in den neuen Bundesländern

          Die Idee mit dem eigenen Wald klingt gar nicht so schlecht. Denn nicht nur die Holzpreise, „auch die Preise für Forstflächen sind wahnsinnig gestiegen in den vergangenen Jahren", sagt Meier Westhoff. In den neuen Bundesländern sogar viel stärker als die Hauspreise. Die Aussicht auf Rendite ist also gar nicht so klein. Wer etwa vor zehn Jahren im Osten für 30 Cent pro Quadratmeter Waldbesitzer geworden ist, der kann heute mit 80 Cent rechnen. Hat er den Wald bewirtschaftet, kommen durch den Holzverkauf noch ein bis zwei Prozent Rendite pro Jahr dazu. Insgesamt hält Meier Westhoff eine jährliche Wertsteigerung von 5 bis 7 Prozent für realistisch, „das setzt aber voraus, dass die Bodenwertsteigerung auch tatsächlich erfolgt". In den alten Bundesländern aber haben die Preise längst nicht so angezogen, weil das Niveau hier schon hoch war. Zwischen 80 Cent und 1,50 Euro müssen künftige Grundbesitzer hier hinlegen, je nach Region.

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