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Versicherung in der Kritik : Allianz wird in Australien auseinandergenommen

Die Allianz hat Probleme in Australien. Bild: dpa

Die Untersuchungskommission fördert auch am zweiten Tag der Anhörung eine erschreckende Firmenkultur des Versicherungskonzerns zu Tage.

          Die haarsträubenden Fehler in der Aufsicht der Allianz in Australien ziehen immer weitere Kreise. Australische Medien sprechen am Mittwoch von einer „vergifteten Kultur“ beim deutschen Versicherungskonzern. Zugleich treten die engen Verbindungen zwischen – eigentlich für ihre Unabhängigkeit bezahlten – Beratern und großen Auftraggebern wie der Allianz zu Tage.

          Christoph Hein

          Wirtschaftskorrespondent für Südasien/Pazifik mit Sitz in Singapur.

          Während sich Allianz in München am Dienstag dafür hatte feiern lassen, neuer Sponsor der Olympischen Spiele zu werden, und Vorstandschef Oliver Bäte dabei schlecht beraten ausgerechnet auch noch auf die Bedeutung der „digitalen Kanäle“ abhob, hatten genau diese im Mittelpunkt der Prüfung des Geschäftsgebarens der Allianz in Australien gestanden. Die Erkenntnisse waren ein Desaster für die Münchner: Wissentlich und über Jahre betrog das Tochterunternehmen aus Sydney seine Kunden über das Internet.

          Damit aber nicht genug. Die oberste Risikomanagerin von Allianz in Australien, Lori Callahan, gab vor der Kommission erstaunliche Einblicke in den Umgang mit Behörden und Kritik: In einem Entwurf des Prüfungsberichtes, mit dem die Allianz die Unternehmensberatung Deloitte auf Geheiß der Regulierungsbehörde beauftragt hatte, seien die Firmenkultur und die Vorkehrungen zur Einhaltung von Regeln und Vorschriften (Compliance) kritisiert worden, fanden die Ermittler der Royal Commission heraus.  Callahan  räumte auf Nachfragen dann ein, sie selber habe Deloitte gebeten, den Bericht zurückzuziehen, „weil er meine Fragen nicht beantwortet hat”. Ein Telefonanruf genügte „Es war wohl nicht meine hellste Stunde“, sagte Callahan nun.  

          „Es war wohl nicht meine hellste Stunde“

          Bei Deloitte hieß es, es habe sich um eine „frühe Fassung“ des Berichtes gehalten. In ihm kam Deloitte unter anderem zu dem Schluss, dass bei der Allianz ein „armseeliges Compliance-Klima“ herrsche. Einfach scheint es für die hauseigenen Aufseher um die erst vor wenigen Monaten beförderte Callahan bei dem Tochterunternehmen der Münchner nicht zu sein: Bei der Allianz betrachte man die Risikomanager als „hysterisch“. Die Ausbildung gelte als Weg, „Müll an andere weiterzureichen“. Callahan musste auf deutliches Nachfragen einräumen, es könnte in der Vergangenheit hunderte Vorfälle bei der Allianz gegeben haben, die die Aufsicht beträfen und von denen eine noch unbekannte Anzahl eigentlich hätte den Behörden gemeldet werden müssen. Erst heute beginne ein ordentlicher Prozess der Risikovorsorge.

          Der Umgang mit den Berichten von Beratern scheint freilich nicht unüblich gewesen zu sein. Auch Deloitte Konkurrent Erst & Young fertigte vier Fassungen eines Berichts, bevor Allianz ihn akzeptierte. Man sei mit dem Bericht „nicht glücklich“ gewesen, sagte Callahan aus. Ein weiterer Bericht von Ernst & Young sei vergeblich versucht worden zu „manipulieren“.

          Allianz steht damit nicht allein da: Auch der Finanzkonzern AMP zwang die Anwälte von Clayton Utz, mehr als zwei Dutzend Änderungen an ihrem unabhängigen Untersuchungsbericht anzufertigen – bis er ins erwünschte Bild passte.

          Die Prüfberichte waren in der Regel von den Aufsichtsbehörden Australian Securities & Investments Commission und the Australian Prudential Regulation Authority verlangt worden. Vor der Kommission zeigt sich, dass sie in mehreren Fällen entweder auf Wunsch der Unternehmen angepasst wurden, oder – wie bei Allianz – gleich mit einem Anruf der hauseigenen Risikomanagerin, verhindert werden. Nun hebt eine Debatte darüber an, wie unabhängig Berater von ihren zahlenden Kunden eigentlich wirklich sind. Und welche Erkenntnisse aus ihren Berichten zu ziehen sind – oder anders gesagt: Wie weit sie von den Managern der Auftraggeber geschönt werden dürfen.   

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