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Negativzins : Allianz-Chef kritisiert Geldpolitik der EZB

Oliver Bäte, Vorstandsvorsitzender der Allianz Bild: dpa

Der Vorstandsvorsitzende des Versicherungsriesen sieht Deutschland als größten Nutznießer negativer Zinsen. Trotzdem übt er scharfe Kritik an der lockeren Geldpolitik der Europäischen Zentralbank.

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          Wenige Wochen vor der Ratssitzung der Europäischen Zentralbank (EZB) wird die Kritik am geldpolitischen Kurs in der deutschen Finanzwirtschaft lauter. Der Vorstandsvorsitzende des Versicherungskonzerns Allianz, Oliver Bäte, kritisierte diesen am Dienstagabend vor dem Internationalen Club Frankfurter Wirtschaftsjournalisten mit scharfen Worten: „Die beabsichtigte Wirkung hat sich nicht eingestellt. EZB-Präsident Mario Draghi wollte mit seinen negativen Zinsen und den Anleihekäufen über 2,6 Billionen Euro die Inflation in Richtung der Zielrate von nahe unter 2 Prozent schieben.

          Markus Frühauf

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Nun droht dieses Ziel, das die EZB mit Preisstabilität verbindet, mit der schwächeren Konjunktur in weite Ferne zu rücken. Deshalb wird in der Sitzung des EZB-Rates am 12. September eine neue Lockerungsrunde mit Anleihekäufen und einem noch negativeren Einlagensatz erwartet. Bäte hält die Geldpolitik für falsch, weil der Druck zur Sanierung von den öffentlichen Haushalten genommen wird.

          Mit Blick auf die negativen Renditen in allen Laufzeiten der Bundesanleihen sagte der Allianz-Chef: „Deutschland ist der größte Nutznießer.“ Der Negativzins habe nichts mit Ökonomie zu tun. Er sei politisch gewollt, um Schuldner zu entlasten, kritisierte Bäte. Vor allem hochverschuldete Staaten in Südeuropa wie zum Beispiel Italien und deren Banken haben von der EZB-Politik profitiert. Das gilt dann auch für die Allianz, denn sie hält 18,7 Milliarden Euro an italienischen Staatsanleihen und damit am meisten in der deutschen Finanzwirtschaft.

          Auch Deutschlands Volks- und Raiffeisenbanken haben die EZB vor weiteren Lockerungen gewarnt. Sie brächten der Konjunktur immer weniger Impulse, verstärkten aber die „schädlichen Nebenwirkungen“, erklärte das Vorstandsmitglied des Bundesverbands der Volks- und Raiffeisenbanken (BVR), Andreas Martin.

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