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Interessantes Hobby : Der Investmentbanker und sein Kino

Alasdair Warren ,51, leitet seit 2015 das Investmentbanking der Deutschen Bank in Europa. Im gleichen Jahr kaufte er in seinem Heimatort Bridport das traditionsreiche Kino „Electric Palace“. Bild: Theiner, Micha

Alasdair Warren ist einer der mächtigsten Investmentbanker Europas – und gleichzeitig Kinobesitzer. Eine Geschichte über die Liebe zum Film und die Liebe zum Geld.

          Alasdair Warren hat einigen Ärger in diesen Tagen. Der Brite mit dem kahlen Kopf und der markanten Brille ist der führende Investmentbanker der Deutschen Bank in Europa und hat damit eine Position inne, die Ungemach garantiert. Das liegt allein schon an der Kombination zweier Reizbegriffe: Deutsche Bank und Investmentbanker. Die „Boni-Banker der Deutschen Bank“, wie die Zeitungen gerne schreiben, beherrschen seit Tagen die Schlagzeilen. Die Bank schreibt Verluste, Warrens Mannschaft soll aber trotzdem Sonderzahlungen erhalten – insgesamt eine Milliarde Euro befinden sich im Bonus-Topf.

          Dennis Kremer

          Redakteur im Ressort „Geld & Mehr“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Schon dies ist der Öffentlichkeit kaum zu erklären. Darüber hinaus ist in der vergangenen Woche aber noch ein pikantes Detail ans Licht gekommen: Alasdair Warrens Truppe soll 2017 insgesamt 22 Millionen Euro nur für Spesen herausgehauen haben. Ausgerechnet in einem Jahr, in dem der Deutsche-Bank-Vorstandsvorsitzende John Cryan Sparen zum obersten Gebot erklärt hatte, ließen sich die Londoner Investmentbanker weiterhin in Limousinen durch die Stadt fahren oder buchten für Dienstreisen nur die teuersten Flüge. In einer internen Präsentation prangerte Warren das Fehlverhalten an und mahnte zu mehr Kostendisziplin. Sein Pech, dass die Internetseite Dealbreakers.com die Sache öffentlich machte. Jetzt sieht es nach außen auch noch so aus, als habe er seinen Laden nicht im Griff.

          Zu Teilen unter Denkmalschutz

          Das Bewundernswerte an Alasdair Warren ist, dass er sich all diesen Ärger nicht anmerken lässt. Am Samstag vor acht Tagen steht er in blauem Pulli und Jeans in dem 13.000-Einwohner-Städtchen Bridport im Süden Englands, gut drei Stunden Zugreise von der Hauptstadt London entfernt. Der Investmentbanker lächelt entspannt. „Ist das nicht schön hier?“ Dorset County heißt die Gegend, die Grafschaft liegt direkt am Meer. Mit ihrer zerklüfteten Küste, ihrer Weite und ihrer ungewöhnlich geformten Landschaft hat sich die Region unter Touristen einen besonderen Ruf erworben: Sie gilt als das neue Cornwall, weil sie von ähnlich wilder Schönheit ist.

          Hier ist Alasdair Warren aufgewachsen, auf einem einsam gelegenen Bauernhof, der heute noch steht. Er kann lange und viele Geschichten über die Gegend erzählen – zum Beispiel von der Kirche, in der so gut wie alle seine Vorfahren geheiratet haben, und auch von dem Friedhof, auf dem sie so gut wie alle begraben liegen. Warren hat aber nicht wegen dieser Geschichten in seine Heimat eingeladen, sondern um von einer besonderen Leidenschaft zu berichten. Man könnte ihm vorhalten, dass er seiner Bank auch endlich einmal gute Schlagzeilen bescheren will, doch darum geht es ihm selbst wohl nur am Rande. Je länger man mit ihm spricht, umso klarer wird, dass der Investmentbanker hier in Südengland seine wahre Berufung gefunden hat: Er ist in Bridport Besitzer eines Kinos, des „Electric Palace“.

          Man darf sich den Electric Palace nicht vorstellen wie irgendein x-beliebiges Großstadtkino ohne jeden Charme. Das Kino, in den 1920er Jahren gegründet, steht zu Teilen unter Denkmalschutz, weil hier ursprünglich gar keine Filme gezeigt werden sollten. Es war einst als Opernhaus geplant gewesen, eine ganz schön vermessene Idee für ein Städtchen wie Bridport. Dies erklärt, warum die Wände im Eingangsbereich mit „Art deco“-Malereien verziert sind und warum die große Leinwand drinnen bei Bedarf hochgefahren werden kann und Raum frei gibt für eine große Bühne. Nach allem, was man weiß, gab es hier zwar nie Opernaufführungen, aber es wurden eben auch nie ausschließlich Filme gezeigt. Immer traten auch Künstler aller Art auf – das ist bis heute so geblieben. „Seit 1926, dem Jahr seiner Gründung, war der Electric Palace nur ganz selten geschlossen“, sagt Warren stolz.

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