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Alan Greenspan : „Notenbanken können Blasen nicht eindämmen“

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Alan Greenspan führte die amerikanische Notenbank von 1987 bis 2006. Bild: AFP

Notenbanker und Wirtschaftswissenschaftler diskutieren gerade darüber, ob die Geldpolitik auch Spekulationsblasen bekämpfen soll. Sie kann das nahezu gar nicht, mischt sich nun Alan Greenspan ein.

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          Läuft die Börse gerade wieder einmal heiß? Oder entsteht auf dem Häusermarkt in Deutschland eine Blase? Und müssen die großen Zentralbanken nicht langsam wieder die rekordniedrigen Leitzinsen erhöhen, um Spekulationsblasen zu verhindern?

          Unter Ökonomen gibt es derzeit eine muntere Diskussion darüber, ob die Geldpolitik alleine für stabile Preise sorgen soll oder auch dafür zuständig ist, dass es an den Finanzmärkten keine Übertreibungen gibt. Der ehemalige amerikanische Notenbankpräsident Alan Greenspan mischt sich jetzt mit deutlichen Worten in die Debatte ein. „Zentralbanken, die daran glauben, Blasen eindämmen zu können, leben meiner Ansicht nach in einem Zustand der Irrealität“, sagte er in einem Interview mit dem „Wall Street Journal“.

          Damit bestätigte er auf der einen Seite zwar nur die vom ihm selbst während seiner Amtszeit verfolgte Politik (Greenspan führte die wichtigste Zentralbank der Welt von 1987 bis zum Jahr 2006) , nach der die Notenbank sozusagen die Scherben zusammenkehrt nachdem eine Blase geplatzt ist, zuvor aber den Dingen weitestgehend ihren Lauf lässt. Auf der anderen Seite geht er damit quasi auf Konfrontationskurs zum Beispiel zur Bank für internationalen Zahlungsausgleich (BIZ), die gerade erst dafür argumentierte, dass sich Notenbanken auch um Übertreibungen auf den Märkten kümmern sollten. Auch in dieser Thematik renommierte Ökonomen wie Markus Brunnermeier und Isabel Schnabel haben in einer gemeinsamen Arbeit, die der Fazit-Blog vorgestellt hat, gerade ähnlich Stellung bezogen.

          Der mittlerweile 88 Jahre alte Greenspan sagte hingegen: „Wenn Blasen auftauchen, nehmen sie ein Eigenleben auf. Es ist sehr schwer, sie zu stoppen, ohne eine lähmende Krise an den Märkten auszulösen. Die Fed unter Volcker musste 1979 eine riesige Inflationswelle bekämpfen und hat das auch geschafft, aber darauf folgte ein starker Konjunktureinbruch.“ Abgesehen davon müssten Blasen ihren Weg gehen; sie ergäben sich aus der unveränderlichen menschlichen Natur.

          Greenspan begründete seine Meinung auch damit, dass nicht alle geplatzten Spekulationsblasen gravierende Folgen für die Volkswirtschaft insgesamt gehabt hätten. „Die Internet-Blase (die um die Jahrtausendwende platzte) sorgte für einen riesigen Finanzkollaps, ohne dass es einen Beweis für ökonomische Auswirkungen gab“, sagte er etwa.

          Darüber, ob eine Blase wirklich gefährlich für die Volkswirtschaft insgesamt ist, entscheidet seiner Ansicht nach der Kredithebel, mit dem die Anleger in die Spekulationsobjekte investieren. Noch einmal Greenspan: „Der Grund, warum die jüngste Immobilienblase so dramatisch anders verlief, liegt darin, dass die toxischen Wertpapiere, die Subprime-Hypotheken, mit sehr wenig Eigenkapital unterlegt waren. Bei einem Kurssturz an den Börsen ohne große Verschuldung treffen die Verluste die nicht fremdfinanzierten Aktionäre mit voller Wucht, aber es gibt keine nachfolgende Ansteckungskette. Das war weder bei der jüngsten Immobilienblase noch beim stark gehebelten Aktienmarkt von 1929 der Fall.“

          Und er folgerte: „Entscheidend sind also nicht die toxischen Wertpapiere – Aktien oder Subprime-Hypotheken –, sondern der Grad der Fremdfinanzierung, den die damit agierenden Institute eingehen.“

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