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Axel Springer : Aktionäre mögen keine Investitionen

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Krude Logik auch im Fall Springer: Wer investiert, wird bestraft. Das Geld gehört den Aktionären. Bild: dpa

Erst Henkel, dann Beiersdorf, jetzt Axel Springer: Investiert ein Unternehmen zulasten der kurzfristigen Gewinnaussichten, wird die Aktie verkauft.

          „Ich rede von Investitionen, sie reden von Kosten“, sagte einst ein Geschäftsführer auf die Frage nach mehr Personal. Es ist eine Frage der Sichtweise, gemeint ist aber im Grunde dasselbe.

          So lässt sich derzeit die Reaktion der Anleger auf die Ankündigung von Investitionsprogrammen zusammenfassen. Im Januar kostete dies Henkel an einem einzigen Tag 14 Prozent seines Marktwerts, Ende Februar Beiersdorf rund 10 Prozent.

          Am Donnerstag liegt nun die Notierung des Axel-Springer-Verlags mehr als 7 Prozent im Minus. Das Medienhaus will im laufenden Jahr einen mittleren zweistelligen Millionen-Euro-Betrag in die Digitalsparte und das Marketing stecken.

          Weiter im Digitalgeschäft

          „Wir wollen und müssen hier investieren", sagte Unternehmenschef Mathias Döpfner am Donnerstag auf der Bilanz-Pressekonferenz in Berlin. Man wolle vorwiegend in Marketing, Technik und Produkte investieren, ergänzte Finanzchef Julian Deutz. Im Blick habe man vor allem das digitale Geschäft mit Job-, Immobilien- und Autoportale.

          Axel Springer sei mittlerweile ein „reines Digitalunternehmen“ – 71 Prozent des Konzernumsatzes und 84 Prozent des bereinigten operativen Gewinns werden im digitalen Bereich erzielt. Die Print-Werbeerlöse machten hingegen mittlerweile weniger als 10 Prozent aus.

          Für diese Investitionen nimmt Springer 2019 stagnierende Gewinne in Kauf. Der bereinigte
          operative Gewinn soll konstant bleiben. „Es wird ein spannendes Jahr, auch wenn die Rahmenbedingungen nicht unbedingt gemütlicher werden“, sagte Döpfner.

          AXEL SPRINGER

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          Das scheint das zu sein, worauf sich die Anleger kaprizieren – obwohl ja eigentlich der kurzfristige Gewinnverzicht zugunsten langfristiger Erträge nicht nur die Normalität darstellt, sondern auch einem Investor gefallen sollte. „So ist das an der Börse, dass es dann eben hier  manchmal kurzfristigere Perspektiven gibt, während wir die mittel- und langfristigen im Vordergrund sehen müssen", sagte Döpfner dazu.

          Im vergangenen Jahr hatte Springer dank eines starken Digitalgeschäfts den Umsatz um rund 4 Prozent auf 3,18 Milliarden Euro gesteigert. Dies entsprach den Erwartungen der Analysten. Dabei trug nur die Sparte Classifieds Media mit ihren Job- und Immobilienportalen mit einem Wachstum um rund 20 Prozent maßgeblich zum Umsatzanstieg bei. Das Geschäft der Sparte News Media, zu der die Zeitungen „Bild“ und „Welt“ gehören, war leicht rückläufig.

          Der bereinigte operative Gewinn kletterte 2018 wie erwartet um 14 Prozent auf 737,9 Millionen Euro. Der um Zu- und Verkäufe bereinigte Gewinn stieg um 2,5 Prozent auf 335,7 Millionen Euro. Das Management plant 2018 eine höhere Dividende von 2,10 je Aktie, nach 2 Euro im Vorjahr.

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