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Eigennutz der Investoren : Wie gefährden aktivistische Investoren Unternehmen?

  • -Aktualisiert am

Zwist: Automobilzulieferer Grammer ringt mit seinem Investor Hastor in personellen Fragen. Bild: dpa

Für Aktionäre von börsennotierten Unternehmen gelten Rechte und Pflichten. Denn wer sein Kapital einsetzt, kann auch über die Entwicklung der Firma bestimmen. Doch was ist, wenn diese Macht missbraucht wird?

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          Aktionäre börsennotierter Unternehmen sind mit verschiedenen Rechten und Pflichten ausgestattet. Aus gutem Grund: Für ihr eingesetztes Kapital sollen sie die Entwicklung ihres Unternehmens mitbestimmen können. Zu den Aktionärsrechten gehören beispielsweise die Teilnahme an der Hauptversammlung und die Ausübung des Stimmrechts. Doch dürfen Aktionäre Unternehmen aus Eigennutz – etwa zur Erzielung höherer Renditen – vor sich hertreiben? Und wie wirkt sich das auf die betroffenen Unternehmen und den Kapitalmarktstandort aus?

          Für die Unternehmen unangenehm sind Investoren, die sich permanent einmischen, das Management umbauen wollen, Plätze im Aufsichtsrat für sich beanspruchen, auf Stellenabbau dringen, liquide Mittel an die Aktionäre ausschütten lassen wollen oder die Unternehmensstrategie medienwirksam kommentieren. Andere tätigen mit den Aktien ihres Zielunternehmens Leerverkäufe, wetten also auf einen fallenden Kurs, und treiben mit negativen Behauptungen über das Unternehmen den Aktienkurs in die gewünschte Richtung.

          Kampagnen gegen europäische Unternehmen

          Solche Investoren werden Aktivisten genannt. In den vergangenen zwölf Monaten fuhren aktivistische Investoren etwa 120 Kampagnen gegen Unternehmen in Europa und damit fast doppelt so viele wie fünf Jahre zuvor – Tendenz steigend. Zuletzt wurde beispielsweise der Arzneimittelhersteller Stada von Active Ownership Capital (AOC) unter Druck gesetzt. Letztlich führte dies zur Übernahme von Stada durch die Finanzinvestoren Bain und Cinven. Der Aktienkurs des Unternehmens war dadurch stark gestiegen, und AOC stieg im Juni 2017 mit einem mutmaßlich enormen Gewinn aus.

          Auch der Automobilzulieferer Grammer ringt nach wie vor mit seinem Investor Hastor, der Vorstands- und Aufsichtsratsposten neu besetzen will. Beide Unternehmen waren lange mit Schlagzeilen in den Medien konfrontiert, was sowohl intern als auch extern für Unruhe sorgte. Bei Grammer gingen zeitweise sogar Kunden auf Abstand, weil sie eine Zerschlagung des Unternehmens befürchteten. Im schlimmsten Fall können aktivistische Handlungen negative Auswirkungen auf das operative Geschäft haben und in erheblichem Umfang Managementressourcen binden.

          Zwar bestimmen prominente Fälle das öffentliche Bild, die Aktivisten haben jedoch grundsätzlich erst einmal alle börsennotierten Unternehmen im Auge, die als lohnenswertes Ziel erscheinen. Andere Beispiele sind Third Point bei Nestlé, Knight Vinke bei Eon und Cevian bei ABB, Thyssen-Krupp und Bilfinger. Die umfangreichen Publikationspflichten börsennotierter Unternehmen bieten dabei ausreichend Angriffsfläche für aktivistische Strategien. Hinzu kommt, dass das Management von börsennotierten Unternehmen die Aktivisten regelmäßig unterschätzt und das Gefahrenpotential nicht erkennt. Selbst familiengeführte Unternehmen scheinen nicht mehr sicher zu sein, wie am Beispiel OHB zu sehen ist, die erst kürzlich von Guy Wyser-Pratte öffentlich angegriffen worden ist.

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