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Unmut über Lage der Bank : Cerberus wirft Commerzbank Umsetzungsdefizit vor

Der Commerzbank-Tower sticht heraus in der Frankfurter Skyline. Bild: Michael Braunschädel

Mit dem zweiten Brief binnen einer Woche legt der zweitgrößte Aktionär der Commerzbank mit seiner Kritik am Vorstand nach. Eine außerordentliche Hauptversammlung fordert der Finanzinvestor aber noch nicht.

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          Die Fehde zwischen der Commerzbank und ihrem zweitgrößten Aktionär geht in die nächste Runde. Nachdem der Aufsichtsratsvorsitzende Stefan Schmittmann die in einem Brief gestellte Forderung des Finanzinvestors Cerberus nach zwei Sitzen im Aufsichtsrat und einem Beratermandat in einer schriftlichen, deutlich höflicher formulierten Widerrede zurückgewiesen hat, legt Cerberus nochmals nach.

          Hanno Mußler

          Redakteur in der Wirtschaft.

          In seinem zweiten Brief binnen einer Woche, der für Montag Abend den 15. Juni avisiert ist, wirft der Finanzinvestor dem Commerzbank-Vorstand nach Informationen der F.A.Z. abermals vor, er werde nicht eines seiner im Jahr 2016 für die Jahre bis 2020 gesteckten Ertrags- und Kostenziele erreichen. Dabei handele es sich im Kern um ein Umsetzungsdefizit. Cerberus befürchtet, dass dieses „Umsetzungsproblem“ andauern wird, auch wenn die Commerzbank bald eine abermals überarbeitete Strategie vorlegen sollte. 

          Weniger Eigenkapitalrendite als geplant

          Tatsächlich scheiterte die Commerzbank zuletzt mit dem Verkauf der polnischen M-Bank und für die Direktbank Comdirect musste das Kreditinstitut dem Hedge-Fonds Petrus Advisors mehr zahlen als geplant. 2019 erreichte die Commerzbank rund 600 Millionen Euro Gewinn, was nicht der geplanten Eigenkapitalrendite von 6, sondern von weniger als 3 Prozent entspricht. Für dieses Jahr erwarten Analysten wegen der niedrigen Zinsen und der zu erwartenden Kreditausfälle durch die Corona-Krise einen Verlust.

          Der Aufsichtsratsvorsitzende Stefan Schmittmann hat in seinem der F.A.Z. vorliegenden Brief an Cerberus zugegeben, dass weder Vorstand noch Aufsichtsrat die Rentabilität der Commerzbank für befriedigend hielten. Schmittmann bringt das Verfehlen von Zielen allerdings nicht mit der Strategie der Commerzbank oder deren nicht entschieden genug verfolgten Umsetzung, sondern mit einem „sich ständig verschlechternden Geschäftsumfeld für Banken in Deutschland“ in Zusammenhang.

          Schmittmann stellt zudem in Aussicht, in einem „Strategie-update“ in diesem Sommer würden viele Vorschläge von Cerberus aufgenommen. Cerberus dürfte das allerdings nicht genügen. Dank seines Aktienpakets von mehr als 5 Prozent kann Cerberus eine außerordentliche Hauptversammlung beantragen. Noch aber macht der Aktionär von diesem Recht keinen Gebrauch.

          Inhaltliche Kritik von Cerberus findet Zustimmung

          Vielmehr will Cerberus anscheinend durch die öffentliche Auseinandersetzung den Druck auf den Vorstand der Commerzbank erhöhen und bei anderen Aktionären um Unterstützung für Veränderungen in Vorstand und Aufsichtsrat werben. Dabei könnte helfen, dass Cerberus anscheinend nicht länger einen lukrativen Beratungsauftrag in der Commerzbank fordert. Zumindest wird diese Forderung im zweiten Brief nicht wiederholt, während sie im ersten Brief etwas verklausuliert vorhanden ist.

          Cerberus Ansinnen, als Aktionär und Berater tätig zu werden, wurde von Schmittmann in seinem Brief nicht zum ersten Mal mit Verweis auf Interessenkonflikte zurück gewiesen. Mit dem Hinweis, im Aufsichtsrat gebe es derzeit keine Vakanzen, alle Mitglieder seien bis 2023 gewählt, nahm Schmittmann auch der Forderung von Cerberus nach eigenen Aufsichtsratsmitgliedern vorerst den Wind aus den Segeln.

          Die inhaltliche Kritik von Cerberus findet im Commerzbank-Aufsichtsrat dagegen nach Informationen der F.A.Z. durchaus Zustimmung. Demnach hat der  Commerzbank-Vorstand zu lange auf nicht lukratives Wachstum in der Niedrigzinsphase gesetzt und zu wenig die Kosten gesenkt. Bettina Orlopp, die im März das Vorstandsressort Finanzen übernommen hat, kündigte allerdings schon damals weitere Kostensenkungsmaßnahmen an. Die Gewerkschaft Verdi fürchtet, dass deutlich mehr Stellen gestrichen werden als bisher geplant. Im September hatte die Commerzbank beschlossen, bis 2023 brutto 4300 von rund 40.000 Vollzeitstellen und 200 von 1000 Filialen einzusparen.

          Stand jetzt 450 Millionen Euro verloren

          Cerberus ist seit Sommer 2017 nach dem Bund größter Aktionär der Commerzbank. Der Finanzinvestor dürfte für sein Aktienpaket von gut 5 Prozent rund 700 Millionen Euro gezahlt haben, denn im Juli 2017 kostete eine Commerzbank-Aktie rund 11 Euro. Am Montag zahlten Anleger für eine Commerzbank-Aktie nur noch 4,20 Euro.

          Cerberus hat also von 700 Millionen Euro Stand jetzt 450 Millionen Euro verloren. Nicht nur dieser Verlust schmerzt Cerberus. 70 Mal habe man sich mit dem Aufsichtsratschef, mit dem Vorstandsvorsitzenden Zielke und der weiteren Geschäftsleitung getroffen, um strategische Schritte und Initiativen zur Wertsteigerung der Commerzbank zu analysieren. Die Commerzbank habe diese Vorschläge vollständig ignoriert. Nun befinde sich die Bank in einer außergewöhnlich schwierigen Lage.

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