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Aktienstrategie : Wie der Dow auf den Hund kommt

  • Aktualisiert am

Bild: F.A.Z.

Die Anlagestrategie „Dogs of the Dow" setzt auf die dividendenstärksten Titel des Dow - obwohl diese häufig die Verlierer des Vorjahres sind. Über die Hunde unter den Aktien.

          Die Wall Street steht vor einem unsicheren Jahr. Viele Aktienstrategen rechnen mit einer Renaissance dividendenstarker Aktien. Deswegen versprechen sich Vermögensverwalter Erfolg von einer Strategie, die auf die Anlage in die sogenannten „Hunde des Dow Jones“ setzt - die „Dogs of the Dow“. Darunter versteht man die fünf oder zehn Aktien unter den insgesamt 30 Titeln im Dow-Jones-Index, die am Anfang eines Jahres die höchste Dividendenrendite ausweisen.

          Der kurios anmutende Name der Strategie stammt aus der amerikanischen Umgangssprache. Dort kann der Begriff „Dog“ etwa ein häßliches Mädchen oder eine wertlose Sache bezeichnen. Auch eine Aktie mit einer schlechten - gleichsam hundsmiserablen - Kursentwicklung fällt somit unter diesen Begriff. Die Dow-Hunde kommen nämlich oft auf eine hohe Dividendenrendite, weil deren Kurse im Vorjahr stark gefallen sind.

          Hundestrategie nicht aufgegangen

          Die Dividendenrendite errechnet sich, indem man die jährliche Ausschüttung in Relation zum Kurs einer Aktie setzt. Fällt der Kurs einer Aktie bei gleichbleibender Dividende, steigt die Rendite. Die vom amerikanischen Fondsmanager Michael O'Higgins geprägte Dogs-of-the-Dow-Strategie geht nun davon aus, daß die Verlierer eines Jahres die Gewinner des nächsten sein werden: Unterbewertete Titel mit hoher Dividendenrendite gelten als attraktive Kaufgelegenheiten.

          Im vergangenen Jahr haben sich die zehn Hunde-Titel im Dow-Jones-Index allerdings zum ersten Mal seit drei Jahren hintereinander nicht besser entwickelt als der Gesamtindex. Belastet wurden sie durch einen starken Kursrückgang von drei Aktien.

          So fiel der Kurs von Merck um 30 Prozent, weil der Pharmakonzern unter dem Marktrückzug seines umsatzstarken Schmerzmittels Vioxx litt. Der Kurs des Autoherstellers General Motors gab vor dem Hintergrund des harten Preiskampfs auf dem Heimatmarkt um 25 Prozent nach. Der Aktienkurs des Finanzgiganten Citigroup fiel schließlich um ein Prozent wegen Schwierigkeiten mit den Aufsichtsbehörden in Japan.

          „Es hat ein paar Desaster gegeben“

          Nach Angaben der Indexsparte des Wirtschaftsverlags Dow Jones kamen die zehn Dow-Hunde Ende 2004 im Durchschnitt auf eine Dividendenrendite von 3,8 Prozent. Die Durchschnittsverzinsung (Kursgewinne und Dividenden) bei diesen Titeln betrug im Gesamtjahr 4,5 Prozent. Dagegen erreichten die 30 Dow-Jones-Werte insgesamt eine durchschnittliche Verzinsung von rund 5,3 Prozent.

          „Es hat ein paar Desaster gegeben, die die Sache schlimmer haben aussehen lassen, als sie in Wirklichkeit war“, beurteilte der selbständige Fondsmanager Neil Hennessy gegenüber dem „Wall Street Journal“ die Entwicklung der Dow-Dogs im vergangenen Jahr. Dazu habe vor allem der deutliche Kursrutsch von Merck gehört.

          SBC Communications führt die Liste an

          Das neue Rudel Dow-Hunde umfaßt diesmal fast die gleichen Aktien wie Anfang des vergangenen Jahres. Der Telefonkonzern SBC Communications führt die Liste mit einer Dividendenrendite von 5 Prozent an (siehe Grafik). Darauf folgen General Motors, der Nahrungsmittel- und Zigarettenhersteller Altria, die im vergangenen April neu in den Dow gekommene Telefongesellschaft Verizon, die Großbank J.P. Morgan Chase, die Citigroup, der Chemiekonzern Du Pont, der Pharmahersteller Pfizer (ebenfalls ein Neuling im Dow) und der Getränkehersteller Coca-Cola.

          Zahlreiche Aktienstrategen rechnen in diesem Jahr ohnehin mit einer positiven Entwicklung von Dividendentiteln. Analysten erwarten, daß über die Hälfte der im marktbreiten Aktienindex Standard & Poor's 500 (S&P 500) abgebildeten Unternehmen ihre Ausschüttungen erhöhen werden. Schon im vergangenen Jahr war die Dividendenausschüttung im Durchschnitt um 20,4 Prozent gestiegen, was teilweise auf die Sonderdividende des Softwareherstellers Microsoft im Volumen von über 32 Milliarden Dollar zurückzuführen war. Die Erholung der Dividendenaktien hatte auch durch Steuererleichterungen für Dividendeneinkünfte Auftrieb bekommen.

          Ein Ausdruck freundschaftlicher Zuneigung

          Die Dogs-of-the-Dow-Strategie hat aber auch Nachteile: Häufig handelt es sich bei den Aktien mit der höchsten Dividendenrendite alle Jahre wieder um eine ähnliche Gruppe von Unternehmen. Das liegt entweder daran, daß diese Konzerne ihre Dividendenzahlungen stark erhöht haben oder deren Aktienkurse gefallen sind, was natürlich nicht im Interesse der Anleger sein kann.

          Aber Dividendenzahlungen machen Kursverluste zweifellos erträglicher. Das unterstreicht auch eine weitere umgangssprachliche Bedeutung für das Wort „Dog“. Unter Männern ist die Anrede mit „Dog“ nämlich auch ein Ausdruck freundschaftlicher Zuneigung.

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